Pollak, L. W.: Einige Verbesserungen aerologischer Apparate und Hilfsmittel. 187
Flugwesens im Kriege machte es dringend notwendig, den Zeitpunkt des Beginnes
und der Beendigung der Pilotierung weit in die Nacht hinein zu verschieben,
um die Resultate der Windmessung den Flugplätzen bereits in der Morgen-
dämmerung bekanntgeben zu können. Dadurch konnte eine Ersparnis von etwa
einer Stunde für die zur Fernaufklärung startenden Flieger erreicht werden.
Hierzu bedurfte man eines Beleuchtungskörpers für (Papier-) Piloten, welcher auch
zur Nachtzeit die Windmessung bis
wenigstens 4500 m Höhe ermöglichte,
Früher kamen zwei Arten von
Beleuchtungseinrichtungen zur An-
wendung: Die elektrische Glühbirne in
Zwergfassung (Osram 3.5 Volt, 0.3 Amp.)
mit kleiner Trockenbatterie oder Papier-
Jampions mit Kerzenbeleuchtung. Beide
mögen in ebenem Gelände bei einer
maximalen Verfolgungsmöglichkeit bis
2.5 km Höhe genügen, Für Mittel- und
Hochgebirgsgegenden sind sie deshalb
ungenügend, weil mit ihnen bestenfalls
nur die lokalen Windverhältnisse in den
Tälern ermittelt werden können, In den
aber die Flieger vornehmlich inter-
essierenden Luftschichten über Kamm-
höhe (etwa 2km) können die Leucht-
körper infolge ihrer Lichtschwäche nur
noch 500 bis 700 m verfolgt werden.
Da eine Verbesserung elektrischer
Beleuchtungsvorrichtungen durch die
Nebenbedingung, das Gesamtgewicht
von 100 g nicht zu überschreiten, schwer
durchführbar erschien, habe ich im Ver-
ein mit den Herren Erich Knoller und
Emil Küster, beide damals dem k. u. k.
Fliegeretappenpark in Trient zuge-
teilt, einen Azetylenbeleuchtungskörper
(Fig. 1) konstruiert.
Der Azetylenbeleuchtungskörper ist aus Papier verfertigt, welches durch
Bestreichen mit Cellonlack — derselbe Lack wird zur Imprägnierung der Flug-
zeugtragflächen verwendet — hitzebeständig (unentflammbar) und wasserdicht
gemacht wurde. Das Gewicht der ganzen Beleuchtungseinrichtung samt Wasser-
füllung beträgt bei einer Brenndauer von mindestens 30 Minuten nur 65 g, SO
daß an Stelle des bei Papierpiloten notwendigen Ballastes im allgemeinen der
Beleuchtungskörper selbst tritt. Das Licht des Brenners ist so stark, daß es auf
eine horizontale Entfernung von 17 km in 5 km Höhe mit dem Ballontheodoliten
mühelos verfolgt werden konnte. Die Flamme wird auch bei Windgeschwindig-
keiten von 16 und mehr Metern pro Sekunde am Boden während des Hoch-
lassens nach meinen Erfahrungen nicht abgerissen. Man kann bis zur erforder-
lichen Höhe von 4.5 km eine Fadenkreuzbeleuchtung benützen, so daß die
Nachtpilotierungen den bei Tag vorgenommenen‘ an Genauigkeit gleichkommen.
Vielfach wurde auch der Azetylenbeleuchtungskörper mit einem kleinen, aus
Seidenpapier geformten, zylindrischen Lampion versehen, um das intensive Licht
über eine größere Fläche zu verteilen.
Für die große Leuchtkraft des Azetylenbeleuchtungskörpers spricht am
besten ein Dienststück, dessen Original sich in meinen Händen befindet und das
wörtlich folgendermaßen lautet: