Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1923,
kaum Hubhöhen von !/, m vorhanden sind. Die ganze Küste Englands und
Schottlands und der vorgelagerte Meeresstreifen hat eine ziemlich gleichförmige
Hubhöhenverteilung; Maximum an der Küste vor der Wash-Bucht und der
Humber-Mündung, regelmäßige Abnahme mit Entfernung von der Küste, Gegen
die Hoofden zu nimmt die Hubhöhe rasch ab, sie muß ja im Gebiet der dortigen
Amphidromie wieder auf Null sinken. Die Hubhöhenverteilung in der Nähe der
Amphidromie vor der Deutschen Bucht steht auch in ausgezeichneter Überein-
stimmung mit jenen Werten der Springtidenhübe, die vom deutschen Ver-
messungsschiff „Triton“ im Sommer 1921 gefunden wurden‘).
5. Zusammenfassung. Durch die vorstehende Berechnung der Hubhöhen-
und Hafenzeitverteilung im Gebiet der Nordsee aus den dazugehörigen Gezeiten-
strömungen sind wir nun über die Gezeitenkonstanten im ganzen Gebiet der
Nordsee bestens informiert. In dieser Beziehung dürfte die Nordsee das einzige
Nebenmeer sein, für welches an jeder Stelle der Verlauf der Gezeitenwelle mit
zunächst genügender Genauigkeit angegeben werden kann. Stehen einmal noch
genauere, d. h. durch zahlreichere Beobachtungen genauer festgelegte, Dar-
stellungen der Gezeitenströme zur Verfügung, so wird eine Wiederholung dieser
Berechnungen in einzelnen Punkten das Bild der Gezeiten, das hier gegeben
wurde, verschieben, im Wesen wird aber die Änderung nicht groß ausfallen können,
Die hydrodynamische Theorie der Gezeiten der Nebenmeere hat durch die
vorliegende Untersuchung eine weitere Stütze erfahren. Der Vergleich der Er-
gebnisse der Berechnung mit den von Taylor theoretisch ermittelten Gezeiten-
verhältnissen in einer rechteckigen Bucht gleichförmiger Tiefe zeigt, daß die
wachsenden Tiefenverhältnisse manche Unregelmäßigkeiten hervorrufen, daß
durch dieselben namentlich im Verlauf der Flutstundenlinien manche groß er-
scheinende Verschiebung auftritt, daß aber im großen und ganzen das Bild der-
selben erhalten bleibt. Die Untersuchung führt somit zu den Schlüssen, die
bereits in der früheren Abhandlung ausgesprochen wurden und die ich hier nur
wiederholen möchte: .
Die Gezeiten der Nordsee sind Mitschwingungsgezeiten ihrer Wassermassen
mit der Gezeitenbewegung im äußeren Meere vor dem breiten Öffnungstor im
Norden. Sie entstehen durch das Vordringen einer fortschreitenden Gezeiten-
welle Kelvinschen Typus gegen Süden und deren Superposition mit der von
ihrer totalen Reflexion im Süden stammenden, gegen Norden vordringenden
Welle. Wegen der großen Breite der Bucht und den geringen Tiefen im güd-
lichen Teil sind hier ablenkende Kraft der Erdrotation und Reibungseinflüsse
von ausschlaggebender Bedeutung.
Einige Verbesserungen aerologischer Apparate und Hilfsmittel.
Von Leo Wenzel Pollak, Prag.
Im folgenden sollen einige im österreichischen Feldwetterdienste (Heeres-
wetterdienste der österr.-ung. Monarchie) entstandene Verbesserungen aerologischer
Apparate und Hilfsmittel beschrieben werden, die vielleicht auch über die Kriegs-
zeit hinaus im meteorologischen Dienste Verwendung finden können. Diese Ver-
besserungen konnten nicht allgemein bekannt werden, weil sie nur in wenigen
handschriftlich hergestellten und auf lithographischem Wege vervielfältigten Ver-
öffentlichungen oder als reservate Drucke des 11. Armeekommandos beschrieben
wurden, j
Ein Azetylenbeleuchtungskörper für Pilotballone von Leo Wenzel Pollak?).
Zu Beginn der Tätigkeit des k. u. k. Feldwetterdienstes konnte erst im
Morgengrauen mit der Pilotierung begonnen werden, da es an geeigneten Be-
leuchtungseinrichtungen für Pilotballone fehlte. Die weitere Entwicklung des
1.
)
A. Merz, Gezeitenforschungen in der Nordsee. Diese Zeitschrift 1921, S. 393.
Trient. Mai 1917.