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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Defant, A.: Die Gezeiten der Nordsee, Beobachtung und Theorie. 
innerste Linie die zusammengehörigen Werte von u, u‘, von v, v' und von Z, 5 
armittelt. Sodann wurde unter der Annahme eines Reibungskoeffizienten b, wie 
ar durch frühere Untersuchungen!) als von der Tiefe des Meeres abhängig fest- 
gelegt wurde, die erste und zweite Annäherung für die erste Quadratreihe, sowie 
dieselben auch für die zweite Quadratreihe durchgeführt. 
Die Rechnung ließ sich ohne Schwierigkeiten fertigstellen, so daß an einer 
Weiterführung der Berechnung nicht zu zweifeln war. Allerdings erforderten 
schon diese zwei Quadratreihen eine fast zweiwöchige angespannte Rechen- 
arbeit zweier Personen. Wenn die Berechnung auf diese Art nicht fortgesetzt, 
sondern abgebrochen wurde, ist dies einzig und allein dem Umstande zu- 
zuschreiben, daß es unmöglich ist, an einem kleinen Institute, dem noch andere 
laufende Arbeiten obliegen, mit dem geringen Personal, das zur Verfügung steht, 
eine solche langwierige Berechnung zu Ende zu führen. Deshalb muß ich es 
größeren Instituten, denen vielleicht ein. großes Rechenpersonal zur Verfügung 
steht, überlassen, nach der hier dargelegten Methode die Gezeitenströmungen 
und Gezeiten dieses oder jenes Meeres zu berechnen. 
Daß die Methode unzweifelhaft zu guten Ergebnissen führt, überzeugte ich 
mich auch dadurch, daß die für eine Bucht gleichförmiger Tiefe berechneten 
Gezeiten und Gezeitenströme mit den von Taylor theoretisch berechneten aus- 
gezeichnet übereinstimmten, ; 
Zur weiteren Untersuchung der Gezeiten der Nordsee, insbesondere der 
Frage, ob diese Gezeiten und die dazugehörigen Gezeitenströme Mitschwingungs- 
gezeiten mit den Gezeiten des Atlantischen Ozeans im Norden sind, wurde ein 
anderer Weg eingeschlagen, der allerdings auch Rechenarbeit genug erfordert, 
aber doch wenigstens die Arbeitskraft eines einzelnen nicht übersteigt. Zu diesen 
und den vorher erwähnten Berechnungen hat mich mein Assistent, Privatdozent 
Dr. A. Schedler, tatkräftigst unterstützt, wofür ich ihm bestens danke. 
3. Die Gezeitenströme der Nordsee. Als erster Schritt zur Untersuchung 
derselben gehört eine genaue Analyse der Gezeitenströme der Nordsee. Zu diesem 
Zwecke wurde das ganze Gebiet entsprechend der Karte 1 (Tafel 9) in 165 flächen- 
gleiche Quadrate (4x = 50.52 km) geteilt und für jeden Eckpunkt Phase und 
Amplitude der Gezeitenströmung ermittelt. Hierzu wurden die von der Deutschen 
Seewarte herausgegebenen Karten‘ der Gezeitenströme der Nordsee für jede 
Mondstunde benutzt; sie gestatteten, mit genügender Genauigkeit Richtung und 
Intensität. der Gezeitenströmung an jeder‘ Stelle und zu jeder Stunde zu be- 
stimmen.‘ Diese Strömungswerte wurden für jeden Punkt und für jede Mond- 
stunde in Komponenten parallel und senkrecht zur Längsrichtung zerlegt, wobei 
bei Längsströmungen die Stromrichtung von der deutschen Küste gegen Norden, 
bei Querströmungen jene von der dänischen Küste gegen England als positiv 
gewählt wurde. . 
Auf diese Weise erhielt man für jeden Schnittpunkt der Linien die Ver- 
teilung der U- und der V-Strömung für eine ganze Gezeitenperiode; aus diesen 
Werten konnte mit großer Genauigkeit Phase und Amplitude der Längs- (U-) 
und der Quer- (V-) Strömung abgeleitet werden. Diese Analyse der Gezeiten- 
strömung konnte leider nicht für das ganze betrachtete Gebiet durchgeführt 
werden, da die Beobachtungen im nordöstlichen Teil der Nordsee, vor den Küsten 
Norwegens, so spärlich sind, daß es unmöglich ist, sich ein nur auf der Grund- 
lage der Beobachtungen stehendes Bild der Gezeitenströmung zu zeichnen. Des- 
halb mußte dieser Teil der Nordsee für die folgenden Untersuchungen außer 
Betracht gelassen werden. 
Die Phase der Gezeitenströmung wurde in Mondstunden, gerechnet vom 
Meridiandurchgang des Mondes in Greenwich, angegeben, die Amplitude in 
ecm/sec umgerechnet, wobei möglichst die Stärke der Strömung zur Zeit der 
Springflut in Rechnung gestellt wurde: Aus der Phase H und der Amplitude U 
der Strömung wurden sodann entsprechend den Beziehungen 
U cos g (te — H) = Ucos(gt— 8) = Ucosscos ot + Usinzsingt = ucosot-+wWeingt 
1) Diese Zeitschrift 1922, Heft VIII, 8. 217. 
ann, d, Hydr. usw. 1923, Heit VIIL
	        
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