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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Perlewitz, P.: Über Wettervorhersage usw 
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Die ganze Atmosphäre der Erde ist nach Schmauß als ein Organismus 
aufzufassen. Tritt nun an einer Stelle eine Störung ein, so ist es wiederum die 
Kunst der Meteorologie und Vorhersage, diejenige Stelle richtig und rechtzeitig 
anzugeben (Makroprognose), an der sich die Störung auswirkt (S. 47). 
Offen Jäßt Schmauß die Frage, ob wir einmal nach genügender Fest- 
stellung von Korrelationen (Beziehungen zwischen Luftdruck, Temperatur usw. 
verschiedener Gegenden) eine langfristige allgemeine Vorhersage sicherer zu geben 
vermögen als bestimmte Lokalprognosen für einen Tag (S. 48). 
Zur Vorhersage benutzt man: 1. Wetterlage (nach der Wetterkarte, die 
uns das photographische Bild des Zustandes der Atmosphäre gibt), 2. Fallgebiete, 
3, Kenntnis der Beobachtungen aus den höheren Luftschichten, 4. Gedächtnis 
(bewußtes und unbewußtes) der früheren Wetterlagen und -entwicklungen, 5. fort- 
laufende Überwachung, denn wie Schmauß sagt (S. 51): „Erst das Wissen, wie 
es geworden ist, gibt die Grundlage, wie es werden wird.“ Ist ein Wechsel des 
Meteorologen von Tag zu Tag notwendig, so muß sich der neue Meteorologe 
erst gründlich wieder in die Lage hineinversetzen, ehe er die Vorhersage macht. 
Liegt alles Material vor, so sind die zwei Hauptfragen zu beantworten: „Welchen 
Weg das Tief usw. machen wird und welche Zeit es dazu brauchen wird.“ Es 
kommt aber hinzu, daß Zugrichtung, Geschwindigkeit und Intensitätsentwicklung 
der Depression usw. wechseln können, denn solch Gebilde ist ein „Individuum mit 
oft recht eigenwilligem Verhalten“. Ein rasches Abwägen der Möglichkeiten ist 
Hauptaufgabe des Meteorologen. Daß ein dürftiges Beobachtungsmaterial manch- 
mal die Entschlußkraft zur Prognose erleichtert, ist zwar richtig, aber gefördert 
wird sie meines Erachtens dadurch nicht. Der Meteorologe muß selbst sichten, 
was er verwenden will und muß und was nicht. Unnützen Ballast soll er sich 
natürlich nicht erst schicken lassen, 
Zur Vorhersage kann man nicht benutzen: Erstens die Statistik, seien es 
Mittel- und Klimawerte oder Methoden, die darauf beruhen, wie die von Kalten- 
brunner und ältere Untersuchungen. Es ist z. B. nicht angängig zu sagen: 
morgen wird es wärmer, weil die Temperatur heut und in den letzten Tagen oder 
Wochen unter normal war. Zweitens die Bjerknessche Errechnung des kom- 
menden Zustandes der Atmosphäre. 
Die Reihenfolge, in der man die Vorhersage für die einzelnen Wetter- 
elemente macht und weitergibt, ist Ansichtssache; ich halte folgende Reihenfolge 
für richtig: Windrichtung und -geschwindigkeit, Temperatur, Bewölkung, Nieder- 
schläge, Sicht; auch halte ich es für gut, keine der ersten fünf Angaben wegzu- 
lassen. Ein anderer vertretbarer Standpunkt ist der, daB man das Sicherste zu- 
erst, das Unsicherste zuletzt gibt, Nach Schmauß kommt, es sehr auf die 
Fassung an, die „in wenigen Worten ein Extrakt oft ernster Überlegungen ist“. 
Ein allgemeines Urteil über das Wetter in 2 bis 3 Tagen sollte nach Möglichkeit 
noch zur Prognose hinzugefügt werden (S. 69), zumal es sehr vielseitige Inter- 
essenten, die Schmauß eingehend (S. 69—71) aufführt, gibt. 
Bedeutenden Einfluß auf die meteorologischen Veränderungen im Luftmeer 
und daher auch auf die Vorhersage des Meteorologen haben nach Schmauß: 
Kolloidwirkungen, die Vorgänge auslösen, Turbulenzerscheinungen und kleinste 
Ursachen, die große Wirkungen haben (geregelte Zufälle) (S. 63). Was Ursache 
und was Wirkung in der Meteorologie ist, ist ein viel umstrittenes Thema. Meist 
kann man beides vertauschen. Auch Schmauß äußert sich darüber eingehend 
im letzten Absatz. Als Wirkung kleiner Ursachen auf die Vorhersage, die oft 
zu Fehlprognosen führen müssen, sind zu beachten: Grenzverschiebungen (zwischen 
Gut- und Schlechtwetter), labile Zustände der Atmosphäre, das „Prinzip der 
Selbstverstärkung“ eines Wetterzustandes, das „Prinzip der Anpassung“ an die 
vorhandene Witterung (S. 78). 
Über Fehlprognosen sagt.Schmauß mit Recht, daß unser Wissen nicht 
hinreichend ist, aber das Publikum verlangt zu viel, da es spezielle Auskünfte 
über zu kleine Räume wünscht, in denen der Zufall zu sehr mitspricht (S. 64), 
und Zufälle können wir nicht in Rechnung setzen. Überzeugend weist Schmauß 
nach, daß Fehlprognosen nicht nur unvermeidbar, sondern selbstverständlich und 
naturnotwendige Erscheinungen sind. Nur den subjektiven Anteil an den Fehl-
	        
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