Perlewitz, P.: Über Wettervorhersage usw
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Die ganze Atmosphäre der Erde ist nach Schmauß als ein Organismus
aufzufassen. Tritt nun an einer Stelle eine Störung ein, so ist es wiederum die
Kunst der Meteorologie und Vorhersage, diejenige Stelle richtig und rechtzeitig
anzugeben (Makroprognose), an der sich die Störung auswirkt (S. 47).
Offen Jäßt Schmauß die Frage, ob wir einmal nach genügender Fest-
stellung von Korrelationen (Beziehungen zwischen Luftdruck, Temperatur usw.
verschiedener Gegenden) eine langfristige allgemeine Vorhersage sicherer zu geben
vermögen als bestimmte Lokalprognosen für einen Tag (S. 48).
Zur Vorhersage benutzt man: 1. Wetterlage (nach der Wetterkarte, die
uns das photographische Bild des Zustandes der Atmosphäre gibt), 2. Fallgebiete,
3, Kenntnis der Beobachtungen aus den höheren Luftschichten, 4. Gedächtnis
(bewußtes und unbewußtes) der früheren Wetterlagen und -entwicklungen, 5. fort-
laufende Überwachung, denn wie Schmauß sagt (S. 51): „Erst das Wissen, wie
es geworden ist, gibt die Grundlage, wie es werden wird.“ Ist ein Wechsel des
Meteorologen von Tag zu Tag notwendig, so muß sich der neue Meteorologe
erst gründlich wieder in die Lage hineinversetzen, ehe er die Vorhersage macht.
Liegt alles Material vor, so sind die zwei Hauptfragen zu beantworten: „Welchen
Weg das Tief usw. machen wird und welche Zeit es dazu brauchen wird.“ Es
kommt aber hinzu, daß Zugrichtung, Geschwindigkeit und Intensitätsentwicklung
der Depression usw. wechseln können, denn solch Gebilde ist ein „Individuum mit
oft recht eigenwilligem Verhalten“. Ein rasches Abwägen der Möglichkeiten ist
Hauptaufgabe des Meteorologen. Daß ein dürftiges Beobachtungsmaterial manch-
mal die Entschlußkraft zur Prognose erleichtert, ist zwar richtig, aber gefördert
wird sie meines Erachtens dadurch nicht. Der Meteorologe muß selbst sichten,
was er verwenden will und muß und was nicht. Unnützen Ballast soll er sich
natürlich nicht erst schicken lassen,
Zur Vorhersage kann man nicht benutzen: Erstens die Statistik, seien es
Mittel- und Klimawerte oder Methoden, die darauf beruhen, wie die von Kalten-
brunner und ältere Untersuchungen. Es ist z. B. nicht angängig zu sagen:
morgen wird es wärmer, weil die Temperatur heut und in den letzten Tagen oder
Wochen unter normal war. Zweitens die Bjerknessche Errechnung des kom-
menden Zustandes der Atmosphäre.
Die Reihenfolge, in der man die Vorhersage für die einzelnen Wetter-
elemente macht und weitergibt, ist Ansichtssache; ich halte folgende Reihenfolge
für richtig: Windrichtung und -geschwindigkeit, Temperatur, Bewölkung, Nieder-
schläge, Sicht; auch halte ich es für gut, keine der ersten fünf Angaben wegzu-
lassen. Ein anderer vertretbarer Standpunkt ist der, daB man das Sicherste zu-
erst, das Unsicherste zuletzt gibt, Nach Schmauß kommt, es sehr auf die
Fassung an, die „in wenigen Worten ein Extrakt oft ernster Überlegungen ist“.
Ein allgemeines Urteil über das Wetter in 2 bis 3 Tagen sollte nach Möglichkeit
noch zur Prognose hinzugefügt werden (S. 69), zumal es sehr vielseitige Inter-
essenten, die Schmauß eingehend (S. 69—71) aufführt, gibt.
Bedeutenden Einfluß auf die meteorologischen Veränderungen im Luftmeer
und daher auch auf die Vorhersage des Meteorologen haben nach Schmauß:
Kolloidwirkungen, die Vorgänge auslösen, Turbulenzerscheinungen und kleinste
Ursachen, die große Wirkungen haben (geregelte Zufälle) (S. 63). Was Ursache
und was Wirkung in der Meteorologie ist, ist ein viel umstrittenes Thema. Meist
kann man beides vertauschen. Auch Schmauß äußert sich darüber eingehend
im letzten Absatz. Als Wirkung kleiner Ursachen auf die Vorhersage, die oft
zu Fehlprognosen führen müssen, sind zu beachten: Grenzverschiebungen (zwischen
Gut- und Schlechtwetter), labile Zustände der Atmosphäre, das „Prinzip der
Selbstverstärkung“ eines Wetterzustandes, das „Prinzip der Anpassung“ an die
vorhandene Witterung (S. 78).
Über Fehlprognosen sagt.Schmauß mit Recht, daß unser Wissen nicht
hinreichend ist, aber das Publikum verlangt zu viel, da es spezielle Auskünfte
über zu kleine Räume wünscht, in denen der Zufall zu sehr mitspricht (S. 64),
und Zufälle können wir nicht in Rechnung setzen. Überzeugend weist Schmauß
nach, daß Fehlprognosen nicht nur unvermeidbar, sondern selbstverständlich und
naturnotwendige Erscheinungen sind. Nur den subjektiven Anteil an den Fehl-