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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1923

Unebenheiten der Unterseite des Eises ausfüllt, von der allgemeinen Bewegung mit
erfaßt und äquatorwärts verschoben. Auch die vor der Front einer geschlossen vorrückenden
 Packeismasse liegenden Wasserschichten können dem Impuls auf die
Dauer nicht Widerstand leisten. Schließlich wird das Eis durch Reibungsvorgänge
 seine Bewegung allmählich auf immer größere Wassermengen übertragen, so
daß als Endergebnis eine äquatorwärts gerichtete Meeresströmung zustande kommt.
Die Polflucht stellt also eine, meines Wissens bisher unbeachtet gebliebene
Ursache von Meeresströmungen dar, die allerdings an das Vorkommen von schwimmendem
 Eis gebunden ist. Sie unterscheidet sich aber außer durch ihre Permanenz
und Konstanz auch noch in anderer Hinsicht von den bisher bekannten Stromkonstituenten
 im Sinne Krümmels!). Diese beruhen nämlich letzten Endes auf
physikalischen Unterschieden der Luft oder des Wassers gegen benachbarte
Wasserteilchen. Die Polflucht dagegen ist eine Stromkonstituente, die an Ort
und Stelle ohne Beeinflussung durch benachbarte Luft- oder Wasserteilchen
entsteht, und die man daher zweckmäßig als „autogen“ den anderen „allogenen“
gegenüberstellen kann. Es dürfte nicht schwer sein, unter wohlbegründeten Annahmen
 über die Dimensionen von Eismassen deren Beschleunigung durch die
Polflucht zu berechnen und, unter Berücksichtigung des Widerstandes des Meerwassers,
 zu ermitteln, welche Maximalgeschwindigkeit diese autogene Meeresströmung
 in Wirklichkeit erreichen kann.

Über Wettervorhersage.
Betrachtungen zu und aus „Schmauß: Das Problem der Wettervorhersage‘“?),
Von Dr. P. Perlewitz.
Unter dem Titel „Probleme der kosmischen Physik“ geben Jensen und
Schwaßmann?®) nicht nur für Fachleute, sondern auch für vorgebildete und
interessierte Laien eine Reihe von Heften (Monographien) heraus, die Fragen der
auf Erde und Himmelskörper angewandten Physik behandeln sollen: Erdmagnetismus
 und -ladung, Polarlicht, atmosphärisch-optische Erscheinungen,
Sonnentätigkeit usw., sowie deren Beziehungen zueinander, Ä
Wenn Schmauß in Heft 1 sagt, er will den Leser nur mit den Aufgaben
des im Wetterdienst beschäftigten Meteorologen bekannt machen, so ist dies zwar
richtig, doch werden wir in dem nur 72 Seiten umfassenden Büchlein auch auf die
Lösungen jener Aufgaben in einer Weise hingewiesen, wie es nur wenige Meteorologen
 und Wetterdienstleiter verstehen. Möge trotzdem eine neuere systematische
Anleitung zur Aufstellung von Wettervorhersagen in dieser Sammlung folgen.
Da klimatische Angaben Mittelwerte von Beobachtungen sind, so werden
sie von Schmauß mit Recht nicht zu den Vorhersagen gerechnet; als solche
gelten allein die Einzelvorhersagen. Sie sind am schwierigsten in unseren Breiten
und Gegenden, weil das Wetter hier „unregelmäßig veränderlich“ ist. Wo Klima
und Wetter identisch sind, und das ist bei großen Erdgebieten der Fall, da
braucht man keinen Prognosendienst, ;
Wetterveränderungen werden uns im voraus angezeigt von Instrumenten,
Tieren und Menschen. Tiere suchen rechtzeitig Schutz. Ihre Haare sind hygroskopisch
 und so fühlen sie die Zunahme der Feuchtigkeit in der Luft. Beim
Menschen äußert sich der Wettersinn z. B. in seiner Arbeitsleistung; allerdings
halte ich die Wirkung nur für sehr gering — vom Klimaeinfluß abgesehen —;
auch verspürt ein empfindlicher Mensch mitunter einen Wetterumschlag, den der
Meteorologe aber bereits eher auf Grund seiner Wetterkarte festgestellt hat.
Ohr und Nase sind in seltenen Fällen Wetteranzeiger: Beim Wetterbrunnen, der
bei Abnahme des Luftdrucks singt, und bei riechenden Gasen, die aus der. Erde
treten oder von einem Fabrikschornstein kommend infolge absteigender Luftströmung
 dicht am Erdboden in der Windrichtung hinstreichen (Fischmehlfabrik
bei Cuxhaven).
!y Handbuch der Ozeanographie. Von Otto Krümmel. Bd. II. Stuttgart 1911, S. 448.
2) Verlaz Henri Grand, Hamburg 1923,
            
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