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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1923 
vorhanden sein müßten. Tydeman macht in diesem Zusammenhange Aus- 
führungen über die Übertragung der Oberflächenwärme in die Tiefe, die kaum 
ganz stichhaltig sein dürften; hypothetisch bleibt ferner seine Annahme von 
Wärmezufuhr in der Tiefe der Becken von der wärmeren Erdkruste her, — auch 
Molengraaff gibt zur selben Frage S, 349 das schematische Bild eines hier- 
durch in den Becken bedingten „Konvektionsstromes“ —, es bleibt dies schon 
deshalb hypothetisch, weil solche Wärmezufuhr in viel größerer geographischer 
Verbreitung, vielleicht allgemein, zur Beobachtung gelangt sein müßte; aber 
jedenfalls sind beide Autoren einig.über die Wahrscheinlichkeit eines vorhandenen 
Wasseraustausches auch in den tieferen Schichten ‘der Becken. Der Bericht- 
erstatter schließt sich ihnen hierin wenigstens grundsätzlich an, schon im Hin- 
blick auf die Wahrscheinlichkeit einer adiabatischen Temperaturverteilung, Auch 
sind diese Becken in der Tiefe nicht sauerstoffleer und nicht azoisch, wie sie es 
bei stagnierendem oder schlecht ventiliertem Wasser werden müßten. 
Den Luftgehalt des Wassers dieser „Seen“ und Tiefbecken nach den 
neuesten Methoden und Faktoren (Sauerstoff, Kohlensäuredruck, Alkalinität, 
Wasserstoffzahl usw.!) zu untersuchen, wäre eine Aufgabe von höchstem Interesse. 
Tydeman sowohl wie Molengraaff weisen im Anschluß an Böggilds Unter- 
suchung der Bodensedimente der „Siboga“-Expedition darauf hin, daß, gleiche 
Tiefen in Vergleich gezogen, der Gehalt an kohlensaurem Kalk viel geringer in 
den abgeschlossenen Becken ist als im offenen Ozean, Es kann nebeneinander 
gestellt werden (abgerundet) 
Ca CO, in %, der Probe. 
Beide Autoren sind bemüht, die auffällige und 
weitgehende Entkalkung der Bodenablagerungen in 
den hinterindischen Meeresbecken, die schon in 
Tiefen von mehr als 4000 m ein nahezu kalkfreies 
Sediment liefert, zu erklären, ohne sich die Ver- 
legenheitsannahme Böggilds, die notwendige Kohlen- 
säure als freies Gas könne von unterseeischen Vul- 
kanen (!) herrühren, zu eigen zu machen. Der 
Berichterstatter möchte auf folgende Erklärungs- 
möglichkeit hinweisen. Nach den Ergebnissen der 
neuesten deutschen ozeanographischen Untersuchungen in der Nordsee und be- 
sonders in der Ostsee, die ja auch eine Reihe mehr oder weniger selbständiger 
Becken enthält, zu schließen ?), wird in den südasiatischen Becken biologisch ent- 
standene freie Kohlensäure als Gas in vielleicht beträchtlichen Mengen sich 
finden und damit die Frage der kalkfreien Sedimente dieser Tiefen auf einfache 
Art beantwortet. Nach dem Befund der Sedimente rückwärts schließend, ist eine 
Anreicherung dieses Gases gegenüber der Menge im offenen Ozean wahrschein- 
lich, und sie würde dafür sprechen, daß der Tiefenwasseraustausch der Becken 
nur mäßig ist und langsam vor sich geht. 
Nahezu 25 Jahre sind verflossen, seitdem die „Siboga“ in den nieder- 
ländisch-ostindischen Gewässern arbeitete; die „Siboga“-Expedition stand, gleich 
der „Valdivia“-Expedition, an der Schwelle einer mit 1902 einsetzenden, metho- 
disch und instrumentell machtvoll voranschreitenden neuen Forschungsepoche 
der physischen Meereskunde, ohne noch von ihr Nutzen ziehen zu können. 
Eine sicher überaus lohnende Aufgabe für die niederländische Wissenschaft wäre 
es, eine ganz neuzeitliche ozeanographische Untersuchung jener Gewässer vor- 
zunehmen, die schon dank der Gunst der klimatischen Verhältnisse dem Erfolg 
nicht neidisch wehren, wie es bei unwirtlichen Meeresgegenden so leicht der Fall 
ist. Probleme mit ganz fest umrissenem Inhalt bieten sich von allen Seiten. 
Becken 
1) Vgl. die neuen Arbeiten der Seewarte hierüber, besonders Dr. Schulz in den Ann, d. 
Hydr. usw. 1921, S. 273 #f.; siehe auch die Literatur in der nächstfolgenden Fußnote. 
2) Vgl. B. Schulz, Hydrographische Beobachtungen insbesondere über die Kohlensäure in der 
Nord- und Ostsee 1921 (Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, XL, Nr. 2, Hamburg 1922); der- 
selbe in den Ann. d. Hydr. usw. 1922, S. 316. Die ausführliche Darlegung über die CO,-Verhältnisse 
in den Ostseebecken ‚erscheint demnächst.
	        
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