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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Schott, G.: Einiges über die Gewässer von Niederländisch-Ostindien, 163 
samt den ihnen zugehörigen Tiefseerinnen als die Ursprungsstellen der meisten 
Großbeben sich erweisen, Faltengebiete aber zwar nicht aseismisch, so doch 
wenig seismisch sind. Übrigens wird Molengraaff, wenn er auch kaum davon 
spricht, die gleichzeitige Mitwirkung zahlreicher Bruchlinien annehmen. 
Trotz der zahlreichen Einzelarbeiten von Arbenz, Geikie, Krenkel, 
Smolenski, Stille, Suess, Volz u. a. erscheint das Problem der rätselhaften 
Tiefseerinnen noch immer nicht befriedigend gelöst; es muß m. E. überhaupt im 
Zusammenhang mit den ähnlichen Bildungen im Karibischen Mittelmeer und mit 
den Becken und Kesseln des europäischen Mittelmeeres untersucht werden, kurzum 
in seiner Verbreitung über die ganze Erde hin. Sicher ist heute nur, daß 
„Gräben“ im strengen, bereits vergebenen Sinne des Wortes als einer Versenkung 
mit beiderseitig symmetrischem Bau (Horst) nicht vorliegen, und man deshalb 
den Ausdruck „Tiefseegraben“ vermeiden sollte!). Die Tiefseerinnen sind asym- 
metrisch gebaut. Echte Gräben finden sich häufig in Tafelländern, wie z. B. das 
Rote Meer einen Graben innerhalb der libysch-arabischen Tafel darstellt. 
Molengraaffs Ausführungen haben jedenfalls den Blick für diese unter- 
seeischen Formen in Verbindung mit den über Wasser befindlichen geschärft. 
Bleiben wird, daß ein Teil von Ostsumatra, ein Teil von Nordjava sowie Borneo 
als relativ stabile Teile der Erdkruste aus diesen Erwägungen ausscheiden, und 
die südlich und Östlich hiervon gelegenen Land- und Wassergebiete zu den 
aktivsten Teilen der Erdoberfläche gehören, wo auch allein gehobene Korallen- 
riffe nachgewiesen sind, Somit zieht die neuzeitliche Forschung, allerdings aus 
anderen Gründen als seinerzeit A. R. Wallace, durch die Makassar-Straße 
wiederum eine wichtige Grenzlinie. ; 
Il. Zur Ozeanographie der hinterindischen Gewässer, 
Die tiefen Rinnen, Becken und Kessel der niederländisch-ostindischen Ge- 
wässer bieten ferner in rein ozeanographischer Hinsicht der Forschung überaus 
reizvolle Aufgaben. W. E. Ringer referiert das bisher über Temperatur, Salz- 
gehalt und Gasgehalt des Meerwassers jener Gegenden beigebrachte bisherige 
Beobachtungsmaterial?). Einige weitere sich erhebende Fragen aus einer größeren 
Zahl seien hier hinzugefügt. Seit der „Challenger“-. und „Gazelle“-Expedition 
sind die merkwürdigen homothermen Schichten abwärts der Schwellentiefe be- 
kannt. Aber nach den Befunden durch „Planet“ im Neuguinea- und Philippinen- 
gebiet?), nach ähnlichen Befunden durch „Thor“ im Mittelmeer muß man fragen: 
Sind diese Schichten von mehreren 1000 m Mächtigkeit wirklich streng homo- 
therm? Werden sie vielleicht bei einer neuen Prüfung der Verhältnisse durch 
die Richterschen Präzisions-Kippthermometer eine adiabatische Temperatur- 
verteilung, also eine Zunahme von t° mit wachsender Tiefe erkennen lassen? 
heute, da wir in größten Tiefen Temperaturunterschiede von + 0.01° C sicher 
messen können! Können überhaupt diese Schichten streng homotherm sein, SO- 
fern ein Wasseraustausch zwischen den Becken und dem angrenzenden offenen 
Meer stattfindet, also ein Absinken in die Tiefbecken Wasser unter höheren 
Druck bringt? Tydeman erörtert die Erneuerung des Tiefenwassers dieser mehr 
oder weniger abgeschlossenen Meeresteile, besonders im Anschluß an die Banda- 
See, und tritt (S. 113—128) für einen energischen Wasseraustausch ein, verlangt 
auf Grund der Bodenbeschaffenheit (Rollsteine u. a.) auf den Schwellen in der 
Tiefe sogar äußerst starke Strömungen (Drempelstroom) und spricht davon, daß 
hier geradezu Tiefenflüsse und Tiefseestromschwellen mit erodierender Wirkung 
1) Damit verläßt Berichterstatter seinen 1906 in der oft zitierten Arbeit Schott und Perlewitz 
(Aus d. Archiv der Deutschen Seewarte, XXIX, Nr. 2) über die Lotungen der „Edi“ und des „Stephan“ 
eingenommenen Standpunkt, jedoch nur in der Wortbezeichnung, nicht in der Erklärungsweise, 
?) Ringer gibt S. 149—151 fünf Karten der Tiefentemperatur im östlichen tropischen Indischen 
Ozean nach dem „Valdivia‘“-Werk von 1902. Diese Karten sind seitdem, 1910, in einer durch das 
„Planet‘“-Material wesentlich verbesserten Form, von Schott herausgegeben, freilich an einer durch 
den Titel etwas versteckten Stelle veröffentlicht, nämlich in der Schrift „Die Wärmeverteilung in dep 
Tiefen des Stillen Ozeans (Ann. d. Hydr. usw. 1910, S. 22, und Tafel 15). 
8) Vgl, G. Schott, Adiabatische Temperaturänderung in großen Meerestiefen (Ann..d. Hydr. 
usw. 1914, 8. 321 ff., Tafel 15 und 16), W.Ekman, Der adiabatische Temperaturgradient im Meere 
(Ebenda 1914, S. 340 ff.).
	        
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