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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1923
Java-Doppelrinne, nicht herauskommen; dafür enthält die englische Karte die
Isohypsen von 200, 1000, 2000 und 4000 m Höhe. Vergleicht man mit diesen
neuesten Karten ältere, z. B. das in den Annalen der Hydrographie 1904, Taf. 6
gegebene Übersichtsblatt, so zeigt sich recht offenbar der Fortschritt der letzten
20 Jahre. i
In einleuchtender Ausführung behandelt Molengraaff zunächst die zwei
großen Schelfgebiete, den Sunda-Schelf (Soenda-plat) im‘ Westen und den Sahul-
Schelf (Sahoel-plat) im Südosten, unter Heranziehung der angrenzenden Fest-
landsteile. Der Sunda-Schelf: eine bei 30—60 m durchschnittlicher Tiefe mindestens
in der Eiszeit mit dem asiatischen Kontinent landfest gewesene Meeresfläche, die
heutige südliche China-See und die Java-See. Der Sahul-Schelf: eine mit ähn-
lichen Tiefen nordwärts von Nordaustralien in der Richtung auf Timor und
Neu-Guinea sich dehnende, mit Australien früher landfest gewesene Fläche, die
das Gebiet der Torres-Straße und der Arafura-See (auf den Seekarten) umfaßt.
Zunächst erscheinen diese heute untergetauchten breiten Kontinentalgebiete ganz
eben; zieht man aber mit van Weel Tiefenlinien von 10 zu 10 m, so gelingt
es, ein System von heute unterseeischen früheren Flußläufen oder „ertrunkenen
Tälern“ nachzuweisen, die Fortsetzung der großen Flüsse von Ostsumatra und
Westborneo nach Norden in die heutige China-See. Als mit dem Ende der Eis-
zeit der Meeresspiegel allgemein wieder beträchtlich stieg, entstand die heutige
Java-See oder der Sunda-Schelf, Auch der Sahul-Schelf ist in gleicher Weise,
geologisch gesprochen, sehr jung. Jedenfalls wird die frühere Landverbindung
durch zoologische Befunde gestützt; die Süßwasserfische von Ostsumatra und
Westborneo stimmen in viel höherem Grade überein als die von West- und Ost-
borneo. Das im südlichen‘ Ausgang der Makassar-Straße vorhandene große
Barriere-Riff dürfte einen Teil der Ostkante des einstigen „Sunda-Landes“
lokalisieren.
In vollkommenem Gegensatz zu diesen seichten, im ganzen stabilen Ge-
bieten‘ stehen die sehr tiefen, nach Molengraaff unstabilen, von großen Falten
gebildeten Becken und Rinnen der übrigen hinferindischen Meereswelt samt den
eingelagerten Inselreihen; unter Übergreifen des Faltungsprozesses auf die an-
grenzenden Teile des offenen Indischen und Stillen Ozeans bilden, wie Molen-
graaff annimmt, die landfesten und die unterseeischen Erhebungen die anti-
klinalen, die Rinnen, Becken oder Tröge der einzelnen malaiischen Meeresgebiete
die synklinalen Gebiete der Falten der Erdkruste, von Sumatra ab ostwärts bis
zu den Molukken und Philippinen gerechnet. Jugendliche, vielleicht heute noch
andauernde Vorgänge, verbunden mit Vulkanismus, komplizieren sich im Osten
durch das Ineinanderflechten des alpin-südasiatischen orogenetischen Systems
und des zirkumpazifischen Systems. Geht man z. B. iu den Gewässern vor
Sumatra von SW nach NO, so hat man nach der Anschauung des niederlän-
dischen Geologen in der Sunda-Rinne die erste Geosynklinale, in den Mentawei-
Inseln die erste Geoantiklinale, im Mentawei-Becken die zweite Geosynklinale, in
den Bergketten der Hauptinsel die zweite Geoantiklinale zu erblicken usf. Vor
Java von S nach N gehend, ist das gleiche; nur ist der ganze Flügel hier tiefer
versenkt!), Wir stehen hier vor einer Auffassung, die schon A, Supan sogleich
nach Entdeckung der Java-Doppelrinne mit allem Vorbehalt geäußert hatte?).
Die Ausdehnung dieser Anschauung auf das gesamte Gebiet ist bei Molen-
graaff reichlich schematisch. Neben der Faltung dürften Bruchversenkungen
in weitgehendem Maße mit in Frage kommen, schon im Hinblick darauf, daß
nach E. Tams?) die mediterranen und zirkumpazifischen Kettengebirgsgürtel
) Auf Karte III gibt Molengraaff eine schematische Übersicht der abgeschlossenen See-
becken, einschließlich der Tiefseerinnen, Wenn hierbei die so besonders charakteristische eben südlich
von Java zwischen der Hauptrinne (> 6000 m) und der Küste gelegene Rinne (> 3000 m) fehlt, so
ist dies, wie Herr Molengraaff die Freundlichkeit hatte brieflich mitzuteilen, absichtlich geschehen
deshalb, weil sie anscheinend nicht allseitig geschlossen, sondern nach Osten hin offen ist, Jedenfalls
entspricht sie, nicht die Hauptrinne, dem Mentawei-Becken,
2) Peterm. Geograph. Mitteil. 1907, S. 70 und Tafel 6.
3) Mündlich. Vgl. auch A. Prey, C. Mainka, E. Tams, Einführung in die Geophysik.
Berlin 1922, S. 238.