Schott, G.: Einiges über die Gewässer von Niederländisch-Ostindien,
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fehlt im hinterindischen Mittelmeer. Wichtiger ist noch folgender Unterschied.
Die zwei erstgenannten Mittelmeere haben Verbindung mit nur einem offenen
Weltmeer; das asiatisch-australische Mittelmeer liegt trennend und verbindend
zwischen zwei großen Weltmeeren, und es kommen infolgedessen alle Fragen
des Wasseraustausches zwischen ihnen an der Oberfläche und in der Tiefe hinzu.
Es ist daher zu erwarten, daß in geomorphologischer und in 0Ozeano-
graphischer Hinsicht — von den biologischen Verhältnissen gar nicht zu sprechen —
die Gewässer von Niederländisch-Ostindien der Naturforschung zahlreiche, inter-
essante, aber auch schwierige Probleme stellen. Das ist in der Tat der Fall,
In vielen Forschungsreisen an Land, in nicht wenigen Tiefsee-Expeditionen ist
man den sich stets neu ergebenden Fragen nachgegangen, wobei der Umstand
wesentlich war, daß eine so hoch stehende Kulturnation wie die niederländische,
den wesentlichen Teil dieses gesamten Gebietes als sein wertvollstes Kolonial-
reich besitzt. Wenn die niederländische Geographische Gesellschaft in Amsterdam
anläßlich ihres 50jährigen Stiftungstages in einem starken und glänzend aus-
gestatteten Bandel) durch eine Reihe von Praktikern und Gelehrten, die fast
sämtlich jene Gewässer aus eigener Anschauung kennen, in einer Reihe von Mono-
graphien das hinterindische Mittelmeer schildert und dies Werk durch van der
Stok herausgibt, so darf man sicher sein, einen vorzüglichen Überblick zu erhalten
und mannigfache Anregung zu schöpfen. Auch dies trifft zu, wenn es einem
einzelnen, dem nicht alle behandelten Materien gleich geläufig sein können, ge-
stattet ist, dies auszusprechen.
In sieben großen Abschnitten werden der Reihe nach behandelt die Er-
forschungsgeschichte (Kapt. z. See S. P. ’Honore Naber), die Tiefen und einige
Temperaturverhältnisse dieser Meeresteile (Vizeadmiral G. F. Tydeman), Tem-
peratur, Salzgehalt, Dichte und Gasgehalt des Meerwassers (Prof. Dr. W.E. Ringer),
Maritime Meteorologie und Gezeiten (Direktor Dr. I. P. van der Stok), die
Biologie (Prof. Dr. M. Weber und Frau Dr. A. Weber-van Bosse), die Geo-
logie (Prof. Dr. G. A. F. Molengraaff) und endlich die Küstenbeschreibung
(Konteradmiral J. M. Phaff).
‚ Die nachstehenden Ausführungen beschränken sich aus Zweckmäßigkeits-
gründen in der Hauptsache auf die Geologie einschließlich der untermeerischen
Bodengestaltung und auf die ozeanographischen Verhältnisse im engeren Sinne
des Wortes, beschäftigen sich also mit den Beiträgen der Herren Molengraaff,
Tydeman und Ringer, entsprechend auch den in unserer Einleitung gegebenen
Gesichtspunkten.
I. Zur Geomorphologie der hinterindischen Gewässer,
In dem neuen Werk befindet sich eine von Tydeman zusammengestellte,
aus dem Atlas über Niederländisch Ost- und Westindien übernommene, schon
technisch ein Meisterwerk darstellende, außerordentlich übersichtliche Tiefenkarte
in 1:10000000, mit Isobathen von 1000 zu 1000 m; hierdurch kommen alle
wesentlichen Züge der unterseeischen Bodengestaltung klar heraus, zZ. B. die
wichtige Java-Doppelrinne. Daß die bisher größte aller Meerestiefen, in der
Philippinenrinne mit 9788 m durch „Planet“ 1912 gemessen, fehlt, wurde von
Molengraaff in seinem Beitrage (S. 287) bemerkt. In der Sulu-See sind neuer-
dings, anscheinend durch ein amerikanisches Fahrzeug, unter rund 8° 50’N und
121° 55’0O 5658 m gelotet worden, etwa 1000 m mehr als bisher verzeichnet,
Die Tydemansche Karte enthält nur relativ wenige Namen von Inseln und
Meeresteilen; da eine dem überreichen Relief entsprechende vielseitige Namen-
gebung für einzelne submarine Gebiete im Texte Eingang gefunden hat, wäre
es eine Erleichterung, wenn diese Bezeichnungen wie z, B. Weber-Tief, Siboga-
Rücken, Saleyer-Trog u. a., die nicht ohne weiteres zu lokalisieren sind, mit ein-
getragen wären. Das übermeerische Relief ist nicht dargestellt. Im Londoner
Geographical Journal (Februar 1921) ist im Anschluß an einen Vortrag Molen-
graaffs eine Tiefenkarte im gleichen Maßstab und in gleicher Ausdehnung
(95°—140° O-Lg, 12° N—12° S-Br.) auf Grund der Tydemanschen gegeben, aber
mit Isobathen von je 2000 m Abstand, so daß wichtige Verhältnisse, z. B. die
i) Siehe oben S. 160 Fußnote 2.