Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1923
Zusammenfassung. Die bisher für den täglichen Gang des Luftdruckes
an heiteren und trüben Tagen berechneten Reihen sind durch systematische
unperiodische Schwankungen entstellt. Das daraus entspringende allgemeinere
Problem, überhaupt unperiodische Schwankungen bei der Mittelbildung möglichst
zu eliminieren (also auch unsystematische, falls sie sich wegen der Kürze der
Beobachtungsserien nicht hinreichend kompensieren), führt auf die Gewichts-
methode. Die einzelnen Periodenabschnitte — hier Tage — werden nach einem
bestimmten Kriterium je nach der Stärke des unperiodischen Ganges mit ver-
schiedenem Gewicht belegt. Stets muß untersucht werden, ob nicht auch der
periodische Gang eine Funktion dieses Kriteriums ist (wie etwa beim täglichen
Gang der erdmagnetischen Elemente), und wie diese Abhängigkeit sich, wegen
der Bevorzugung der ruhigen Tage, im Gewichtsmittel des periodischen Ganges
äußert und eventuell eliminiert werden kann (vgl. Abschn. f), Schluß). Die Ge-
wichtsbestimmung ist möglichst so zu gestalten, daß sich der im Mittel über
mehrere Perioden noch zu erwartende Rest unperiodischer Schwankungen ab-
schätzen läßt; der Vergleich mit der im Mittel wirklich gefundenen Schwankung
ermöglicht alsdann ein Urteil über die Existenz einer Periode der gewählten
Längel) (Periodenindex). — Eine Anwendung der Methode auf die tägliche Luft-
druckschwankung im Südpolargebiet gibt bessere Resultate als die bisherigen.
Zur Darstellung jahresperiodischer Veränderungen täglicher Wellen eignet sich
das Vektordiagramm, das bei der Verarbeitung des von Hann in seinen
letzten Arbeiten zusammengestellten Materials von Nutzen sein könnte.
Einiges über die Gewässer von Niederländisch- Ostindien”.
Von Dr. Gerhard Schott, Hamburg, Seewarte,
Den drei großen, selbständigen, von verhältnismäßig einfach gestalteten
Küstenlinien umrandeten Weltmeeren stehen die drei Mittelmeere für sich in ab-
weichendem Bau gegenüber: Das europäische, das amerikanische und das asiatisch-
australische Mittelmeer weisen alle drei schon in der horizontalen Dimension
einen erstaunlichen Formenreichtum ihrer Landbegrenzungen und eine Unzahl
eingelagerter und wiederum formenreicher Inseln und Inselgruppen auf, wie sie
nirgends in ähnlichem Ausmaß zu finden sind. Auch die Tiefen mit ihrer Fülle
von einzelnen Becken, Mulden und Rinnen und Schelfen, zunächst scheinbar
regellos gruppiert, liefern dem Beschauer ein einzigartiges Bild der Unruhe und
berechtigen den Forscher, diese drei Mittelmeere morphographisch zusammen-
zufassen. Die zwei erstgenannten Mittelmeere gehören der großen mediterranen
Bruchzone der Erde an, das europäische trennt Europa von Afrika, das ameri-
kanische trennt Nord- von Südamerika. Auch das Mittelmeer von Niederländisch-
Ostindien trennt zwei Kontinente, Australien und Asien, in einer weitgedehnten
Zone wirrer Auflösung der Landmassen. (Von dem vierten Mittelmeer, dem
Nordpolarbecken, das Asien von Nordamerika trennt, können wir hier absehen,
zumal es noch fast unbekannt, sogar in der Frage der Verteilung von Wasser
und Land unerforscht ist.) In allen drei Mittelmeeren kennt man, um von den
natürlichen Eigenschaften der Wassererfüllung nur eine hervorzuheben, die eigen-
tümlichen homothermen Schichten der abgeschlossenen Tiefbecken. Aber es sind
auch Unterschiede zwischen den drei Mittelmeeren vorhanden. Dem europäischen
und dem amerikanischen Mittelmeer gehört durch äußerliche. Verbindung je ein
tiefes Becken an, das jedoch außerhalb der Bruchzone liegt, nämlich das Schwarze
Meer, das in die südrussische Tafel eingesenkt ist, und der Golf von Mexiko,
dessen Umrandungen von den tertiären Kalksteinplatten Yukatans, Cubas, Floridas
und der weiteren Festlandsküste im Norden gebildet werden; ein solches Gebiet
1) Ist die Periodenlänge selbst unsicher, wird sie am besten zunächst mit Hilfe des
Schusterschen Periodographen ermittelt und darauf erst die Periode selbst mit Hilfe der Ge-
wichtsmethode.
2) Zugleich als Besprechung des Werkes „De Zeeen van Nederlandsch Oost-Indi&‘, uitgegeven
door het Koninklijk Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap. 507 8., gr. 8° und zahl-
reiche Tafeln, Tabellen, Karten, Figuren. Leiden 1922, E. J. Brill.