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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Bartels, J.: Zur Berechnung der täglichen Luftdruckschwankung 
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Luftdruckes an heiteren und trüben Tagen vor uns. Dann ist es aber offenbar 
unberechtigt, zur Erklärung nur die täglichen Gänge anderer meteorologischer 
Elemente (Temperatur, Dampfdruck ...) heranzuziehen, ohne zu beachten, daß 
schon in der Auswahl der einzelnen Tage aus dem großen Verlauf des be- 
treffenden Elementes ein wichtiger Faktor enthalten ist. In unserem Falle ist 
diese Auswahl geradezu ausschlaggebend: Die Kurven sind im wesentlichen 
nur ein Ausschnitt aus dem mittleren unperiodischen — wenigstens nicht 
tages-periodischen — Luftdruckgang der betreffenden Tage. Hätten wir 
die Ausschnitte statt von Mitternacht zu Mitternacht etwa von Mittag zu Mittag 
gewählt, so hätten wir fast dieselben Kurven relativ zu den Begrenzungen 
erhalten, das heißt z. B, an heiteren Tagen ein Maximum um 12h Nm. (statt 
‚um 12b Vm.). Zum Beweise sind die neben- 
stehenden Gänge mitgeteilt, die den nach der 
üblichen, auch von Hann angewandten Methode 
berechneten „täglichen Luftdruckgang“ an heiteren 
Tagen im Dezember zu Potsdam zeigen. (Aus 
den Jahren 1893—1916; mittl. Bewölkung < 2.0; 
mittl. Windstärke << 5.5 m/sec; Anzahl 20 Tage; 
Abweichungen vom Mittel in 1/,99 mm). Je nach 
der Wahl des Anfangspunktes des 24-stündigen 
Intervalls (0* Vm, 8b Vm., 4b Nm.) ergibt sich 
ein ganz verschiedenes Bild; besonders kraß sind 
die spitzen Minima, die die auf die Anfangs- 
stunden fallenden Enden des konvexen Bogens 
bezeichnen, 
Diese rein formale Definition ist demnach 
unbefriedigend. Besser versteht man unter dem 
täglichen Gange die Abweichung vom mitt- 
leren Verlauf, wie sie vom Tage selbst erzeugt 
wird, d. h. direkt oder indirekt von der Periode 
des Sonnenstandes. Diese Definition entspricht 
wohl der allgemeinen Auffassung. Dann geben 
aber die bisher berechneten Kurven offenbar nicht 
den täglichen Gang des Barometers, denn dieser 
müßte unabhängig davon sein, wie wir ihn be- 
rechnen, wo wir. also z. B. den Anfangspunkt 
wählen. 
Um es noch einmal hervorzuheben: Nicht weil der Tag heiter ist, zeigt 
der nach der üblichen Methode berechnete, der ersten Definition entsprechende 
„tägliche Gang“ den konvexen Bogen, sondern umgekehrt: Weil der Tag in dem 
unperiodischen, großen konvexen Bogen der Barographenkurve liegt, der den 
Vorübergang eines Hochdruckgebiets!) anzeigt, ist er heiter. Nur diese — un- 
interessante, weil längst bekannte — Tatsache drücken die bisherigen Kurven 
aus; sie geben aber keine Antwort darauf, wie der heitere Tag den großen un- 
periodischen Gang durch Überlagerung eines täglichen Ganges abändert?). 
c) Die Ekholmsche Methode. Mit dem Versagen der üblichen Methode ist 
jedoch noch nicht entschieden, daß überhaupt kein Unterschied zwischen dem 
täglichen Barometergange (im Sinne der letzten Definition) an heiteren und 
ı) Wegen der Anwendung der Lamontschen Korrektion könnte man an relative Hoch- 
und Tiefdruckgebiete denken (F. M. Exner, „Dynamische Meteorologie‘“, S. 119). 
2) Eine Durchsicht der neuesten Arbeit über dieses Thema: H. Abels, „Die Erklärung 
der täglichen Periode des Luftdrucks“ (Meteor. Zeitschr. 1923, S. 5—10) lehrt, daß auch hier 
die oben aufgedeckten systematischen Einflüsse der unperiodischen Schwankungen außer acht gelassen 
sind. Typisch sind wieder die entgegengesetzten Phasenzeiten A, an trüben und klaren Tagen, Alle 
Rechenergebnisse Abels’ für klare und trübe Tage sind in der Tat durch die unperiodischen Anteile 
vollkommen entstellt; ich hoffe, das demnächst an dem Beispiel von Potsdam in den „Beiträgen 
zur Physik der freien Atmosphäre“ zeigen zu können. Daß die von Abels zur „Erklärung“ seiner 
Ergebnisse herangezogene Espy-Kreilsche Theorie des „Rückstoßes‘“ unhaltbar ist, braucht wohl nach 
den Darlegungen Hanns in seinem Lehrbuche (3. Aufl., S. 190) kaum wiederholt zu werden,
	        
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