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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1923 
täglicher Wärmeschwankung wie die Landflächen auf die benachbarten Wasserflächen, „Allerdings 
kommt es zu keinem Analogon der Land- und Seewinde, wohl aber tritt eine Verminderung der 
Gradienten bei Tag und eine Verstärkung derselben bei Nacht ein.“ 
Ähnlich sind die Resultate anderer Bearbeiter. Buchan und Omond finden 
z. B. für den Ben Nevis und für Jan Mayen, daß die Abweichungen der heiteren 
und trüben Tage vom Jahresmittel des normalen täglichen Ganges eine ein- 
fache Periode zeigen, deren Maximum an heiteren Tagen auf den Mittag, an 
trüben. Tagen dagegen auf Mitternacht fällt. Sie suchen die Ursache in den 
verschiedenen täglichen Temperaturgängen der niederen und höheren Luft- 
schichten. — Noch überraschender sind die an tropische Verhältnisse heran- 
reichenden Werte, die Bodman und Mossman aus den Beobachtungen der 
schwedischen und schottischen Südpolarexpeditionen ableiteten. Z. B. findet 
Bodman für Snow Hill (64.4° S, 57.0° W): 12 heitere Frühlingstage: Amplitude 
1.79 mm, Maximum 11h VYm.,, Minimum 1% Vm.; 12 trübe Wintertage: Amplitude 
1.61 mm, Maximum 12% Nm.,, Minimum 3h Nm.; die normale tägliche periodische 
Amplitude beträgt dagegen im Jahresmittel des täglichen Ganges nur 0.22 mm! 
Auch. die graphischen Darstellungen bei Mossman zeigen scharf ausgeprägt in 
allen vier Jahreszeiten das Mittags-Maximum bei klarem, das Mittags-Minimum 
bei trübem Wetter; Mossman glaubt an die Möglichkeit einer Erklärung mit 
Hilfe von Kurven der Temperatur und Feuchtigkeit für die ausgewählten Tage, 
Bongards!) vermutet einen Einfluß der Turbulenz in der Atmosphäre. 
b) Der Fehler der Erklärungsversuche. Es dürfte jedoch recht schwer fallen, 
eine Erklärung dieser merkwürdigen Gänge in dem Sinne zu finden, wie sie 
bisher versucht wurde, Das Rätsel löst sich vielmehr überraschenderweise durch 
folgende einfache Bemerkung: Die von Hann, Buchan, Bodman u.a. als „täg- 
licher Gang des Barometers an heiteren und trüben Tagen“ gefundenen Kurven 
sind systematisch durch unperiodische Barometerschwankungen ge- 
fälscht. — Die Begründung dieser Ansicht ist am einfachsten bei der von 
E. Leyst vorgenommenen Unterscheidung zwischen Zyklonen und Antizyklonen- 
tagen zu geben, denn: An Antizyklonentagen ist die Barographenkurve 
in der Regel nach oben konvex, an Zyklonentagen konkav. Diese Er- 
scheinung wird also auch in den Mitteln hervortreten, denn die charakteristische 
Biegung der Kurven kann nicht durch die lineare Lamontsche Korrektion 
mit Hilfe der Mitternachtsdifferenzen eliminiert werden?). Dasselbe gilt aber 
auch für die heiteren und trüben Tage, da sie ja in der Mehrzahl der Fälle mit 
den Zyklonen- und Antizyklonentagen zusammenfallen®), So erklärt sich un- 
gezwungen der stets gefundene Unterschied zwischen den Gängen an heiteren 
und trüben Tagen. Man wird bei einer Durchsicht der von den . genannten 
Autoren gegebenen Kurven stets unseren Grundsatz deutlich bestätigt sehen, wo- 
nach das starke Heraustreten des Vormittagsmaximums an heiteren, 
das des Nachmittagsmaximums an trüben Tagen durch die nicht ge- 
nügend eliminierte unperiodische Schwankung vorgetäuscht wird. 
Man muß sich hier darüber klar werden, was unter dem „täglichen Gange“ 
eines meteorologischen Elementes, z. B. im Mittel eines Monats, zu verstehen sei. 
Es bieten sich zwei Wege: Betrachtet man einfach das arithmetische 
Mittel der einzelnen Stundenwerte bzw. deren Abweichungen vom Tages- 
mittel, so haben wir in den oben besprochenen Kurven in der Tat den, nur 
durch die Lamontsche Korrektion etwas zurechtgerückten, täglichen Gang des 
j Diese Zeitschrift 1922, S, 179. 
?) Die von Hann in seinem „Lehrbuch der Meteorologie“, 3. Aufl., S. 193 Anm., gegebenen 
typischen Gänge zu Petersburg und Pawlowsk stammen nicht von Leyst selbst, der die unperiodische 
Schwankung für zu groß hielt, als daß man sie linear eliminieren könnte (Rep. £. Met., a. a, O0. S. 102), 
sondern von Hann (Wiener Sitz,-Ber, 1895), der die Leystschen Bedenken wegen des „glatten Ver- 
laufs“ der erhaltenen Kurven nicht teilte. Die Annahme, daß eine glatte Gestalt der Kurven ein 
Kriterium dafür sei, daß sie „keinen erheblichen Anteil unperiodischer Störungen mehr enthalten“ 
(Börnstein, Wiener Sitz.-Ber, 1904, S. 722), wird aber oben als trügerisch nachgewiesen, 
3) Für die Tropen kommt dieser Gesichtspunkt natürlich nicht in Betracht. Deshalb sind 
wohl die Gänge an heiteren Tagen zu Batavia unbedenklich zu verwenden („Observations made at the 
R. Magn. and Met, Obs, at Batavia‘“ 1905, Vol. 28, Appendix IT, S. 5—6),
	        
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