Ann, d. Hydr. usw., LI. Jahrg. (1928), Heft VII.
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Zur Berechnung der täglichen Luftdruckschwankung ©.
Von 3, Bartels, Potsdam,
a) Herrschende Anschauungen über den Luftdruckgang an heiteren und trüben
Tagen. Die Unterschiede im täglichen Gange der meteorologischen Elemente an
heiteren und trüben Tagen lassen auf die Wirkung der Sonnenstrahlung schließen.
Sie ermöglichen es, mit Hilfe der Beobachtungen an einem einzelnen Ort den
täglichen Luftdruckgang in einen universellen und einen lakalen Anteil zu
trennen. Man ist dabei stets so vorgegangen!), daß man das arithmetische Mittel
der Stundenwerte des Luftdrucks an den heiteren bzw, trüben Tagen bildete
und das Ergebnis linear auf die Mitternachtsdifferenzen hin korrigierte”). Die
Ergebnisse faßt Hann?) folgendermaßen zusammen: „Bei heiterem Wetter ist
das Vormittagsmaximum auffallend verstärkt, das Abendmaximum dagegeh sehr
abgeschwächt; bei trübem Wetter ist umgekehrt das Abendmaximum sehr ver-
stärkt, das Vormittagsmaximum aber sehr abgeschwächt.“ Die harmonische
Analyse zeigt, daß die Doppelwelle, entsprechend ihrem universellen Charakter,
in beiden Fällen etwa dieselbe bleibt; die Differenz beruht nur auf der Phasen-
zeit der eintägigen Welle. Für diese findet Hann:
L Wrüb
Niederungen | Berggipfel
Amplitude a, in !/,o00 nm 477 251 260 325
Maximum . ... . um 61/„h Vm, 0b Nm. 11%, 4 Nm. 81/,h Nm.
Hann will diesen charakteristischen Unterschied zwischen heiteren und
trüben Tagen durch einen Vergleich mit dem Unterschied im täglichen Luft-
äruckgang zwischen Inland- und Küstenstationen erklären. Er stellt folgende
Sätze auf*):
„Der Unterschied im täglichen Gange des Barometers bei heiterem und bei trübem Wetter
antepricht vollkommen dem Unterschiede zwischen dem täglichen Gange des Luftdrucks über dem
Lande und über der angrenzenden See ,...“ „Die Orte barometrischer Maxima mit klarem
Himmel und großer täglicher Wärmeschwankung reagieren in bezug auf die täglichen Druck-
schwankungen gerade so auf die Orte barometrischer Minima mit bedecktem Himmel und kleiner
*) Auszug aus einer von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zu Göttingen an-
genommenen Doktor-Arbeit „Neue Methoden zur Berechnung und Darstellung der täg-
lichen Luftdruckschwankung, insbesondere bei starken unperiodischen Störungen“
Auf diese sei wegen näherer Ausführungen verwiesen. — Über den zweiten Teil der Dissertation (Täg-
licher Gang des Luftdrucks zu Potsdam an heiteren und trüben Tagen) soll demnächst in den „Bei-
trägen zur Physik der freien Atmosphäre“ berichtet werden. — Auch an dieser Stelle danke ich
Herrn Prof. Meinardus für die Anregung und das stete Interesse, das er dieser Arbeit entgegenbrachte,
1) Lamont (Pogg. Ann. d. Phys. u. Chemie, Bd, 24, 1861, S, 281; Sitz.-Ber, d. Bayer. Ak.,
math.-phys, Kl., 1862, S. 89), W. W. Rundell (Quarterly Journal, Vol. V, 1879), Nakamura (für
Hamburg: Meteor. Zeitschr, 1889, S. 41), Leyst (für Pawlowsk: Rep. f. Met. Bd. 16, Nr. 8, 1893,
S. 172), Hann (Meteor. Zeitschr. 1894, 8. (8) und S. 99—101; Wiener Sitz.-Ber., math.-naturw. Kl,
Abt. IIa, Bd. 104, 1895, S. 505), Buchan und Omond (Transact. of the R. Soc. of Edinburgh, 44,
1902, 8. 448), Mossman (Scottish Nat. Antarctic Exp. Il, Physics, S. 260; Plate II), Bodman
OS Südp.-Exp. Bd. II, Meteorologie, 4. Lieferung, S. 32), Fenyi (für Kalocsa: Meteor. Zeitschr,
1911, S. 453).
Meines über d. tägl, Luftdruckgang vgl. Hann, Lehrb. d. Met., 3. Aufl, 1915, S. 182,
Bezeichnungen wie dort (S. 763): .tägige Welle: an + sin (An 1x) == pn COS 1X -- qnsinnx, Zeit x
von Mitternacht zu Mitternacht von 0° bis 360° wachsend.
2) Über diese sog. Lamontsche Korrektion vgl. Hann, Lehrb. d. Met,, 3. Aufl, S, 772£;
Burkhardt, Enzykl, d. math. Wiss, IIA 9, 5. 664.
3) Das Gesagte bezieht sich zunächst nur auf Stationen in den Alpen und deren Vorland
(Hann, Wiener Sitz.-Ber. 1895, S. 505), gilt aber auch für die berechneten Gänge an allen. anderen
Stationen in mittleren und höheren Breiten.
4) Wiener Sitz.-Ber. 1895, S, 538,
Ann. d. Hydr. usw. 1923, Heft VII.