Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1923,
das Ergebnis unserer Untersuchung, daß die atlantische Vertikalzirkulation im
Gegensatz zu den Ergebnissen von Lenz, Ferrel, Carpenter, Croll, Schott
und O. Pettersson in der Hauptsache besteht in einem Wasseraustausch zwischen
dem Nordatlantischen und Südatlantischen Ozean, der in den oberen Schichten
zur Nordhemisphäre, in den tieferen Schichten zur Südhemisphäre geht. Denn
daraus folgt, daß horizontale Bewegungen quer über den Äquator hinwegsetzen
sowie absteigende Bewegungen auf der Nordhalbkugel und aufsteigende auf der
Südhalbkugel vorhanden sein müssen,
Es hat also die Vorstellung über die atlantische Vertikalzirkulation, die
O0. Pettersson auf Grund der J. W: Sandströmschen Berechnung vor 18 Jahren
ableitete, nichts mit unseren Ergebnissen gemein, Überdies hat Sandström
das Ziel, die durch das innere Kraftfeld hervorgerufenen Beschleunigungen ab-
zuleiten, in Wirklichkeit nicht erreicht. Dies wurde dadurch verursacht, daß
1. das zugrundegelegte Beobachtungsmaterial, vor allem die Schottschen Dichte-
werte, für den Zweck gänzlich unzureichend waren; 2, die Beziehung zwischen
Temperatur und Dichte durch ein und dieselbe Funktion innerhalb jeder Ozean-
hälfte ausgedrückt wurde, was die Eliminierung der horizontalen Salzgehalts-
unterschiede innerhalb der beiden Hemisphären bedeutete; 3. die willkürliche
Annahme gemacht wurde, daß in 2500 m Tiefe zwischen 60° N und 60° S kein
vertikaler Strom vorhanden sei, was die Eliminierung der großen Zirkulation
zwischen den beiden Ozeanhälften bedeutete, deren absteigende Bewegung auf
der Nordhemisphäre, deren Aufstiegbewegung auf der Südhemisphäre durch
dieses 2500 m-Niveau hindurchgeht. Sandströms Ergebnis entspricht nichts
wirklich Vorhandenem, O. Petterssons Diskussion der Ergebnisse nicht deren
Sinn, da er Sandströms Beschleunigungen als Geschwindigkeiten behandelt. Sie
ist, worauf wir schon in unserer ersten Abhandlung kurz hinwiesen, unzutreffend.
O. Pettersson macht des weiteren Einwendungen gegen die von uns an-
gewandten Methoden, beklagt vor allem die Nichtanwendung der hydrodyna-
mischen Methode von Bjerknes. Er verfällt dabei in denselben Fehler wie
bei der Interpretierung des Sandströmschen Schnittes, indem er übersieht, daß
die Bjerknessche Methode für uns, die wir die wirkliche Vertikalzirkulation er-
mitteln wollten, nicht in Betracht kam, da sie ja nicht das gesamte Kraftfeld,
sondern nur die Wirkung der Dichteverteilung erfaßt. Die Brauchbarkeit unserer
Rechenmethode ergibt sich unanfechtbar daraus, daß sie das komplizierte atlantische
Bewegungssystem, soweit es durch einen Meridionalschnitt überhaupt festgestellt
werden kann, in klarer Weise widerspiegelt, trotzdem sie eine einzige Tatsache
dieses Systems, nämlich die Stromstille im 1200 m-Niveau, zur Voraussetzung hat.
Wir haben nur ganz kurz zu den wichtigsten Punkten von O. Petterssons
Aufsatz Stellung genommen. Eine besondere Abhandlung, die unsere eigenen
Untersuchungen über die atlantische Vertikalzirkulation weiterführt und die
Grundlagen von O, Petterssons abweichenden Anschauungen eingehend erörtert,
veröffentlichten wir in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin,
Bd. 1923, S. 132—144. Auf diese Abhandlung verweisen wir die näher inter-
essierten Leser der Annalen,
Berlin, den 22. Mai 1923.
‘30
Neuere Veröffentlichungen.
Neueste Erscheinungen im Bereiche der Seefahrt- und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten,
a. Werke.
Witterungskunde., ‘Physik.
HydrographieDepartment, Tokyo: Zsobarie- | Schering, K. u. Nippoldt, A.: Erdmagnetische
charts of the North Pacifie Ocean. 1919, Landesaufnahme von Hessen. 4°, 808. m.
January to March. 29 Karten. Tokio 1923.| Taf, Darmstadt 1923, L. C. Wittich,
b.. Abhandlungen in Zeitschriften, sonstigen fortlaufenden Veröffentlichungen
; und Sammelwerken,
Witterungskunde, N Mehrjährige periodische Schwankungen des
Druckanstiege aus der Äquatorialfront. A. Niederschlages und des Luftdruckes im
Schmauss, »Deutsch. Met, Jahrb., Bayern« 1922, rechtsrheinischen Bayern. F. Bauer. Ebenda.