Thorade, H.: Schiffsemagnetismus und Ekman-Merz-Strommesser.
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Lehrbücher der Deviation des Schiffskompasses!) eine Handhabe. Sie unter-
scheiden namentlich einen festen (permanenten), vom Kurse unabhängigen Schiffs-
magnetismus und einen flüchtigen (induzierten), der von der Lage des Schiffes
zum Magnetfelde der Erde abhängt. Die dort vorgetragene, von Poisson stam-
mende Theorie kann angewendet werden, solange die Nadellänge klein gegenüber
dem Abstande der nächsten Eisenmassen ist?), eine Bedingung, welche die kurze
Strommessernadel sicher erfüllt,
Bezeichnet man nun den mißweisenden Kurs des Schiffes mit zm, die De-
viation, d. i. die östliche Abweichung der Nadel von mißweisend Nord, mit 0, so
zeigt die Theorie, daß .
(1) sind = YAcos $ + B sin (zm — d) + € cos (zm — 8) + D sin (? zm — d) + € cos (2 zm — 8)
ist, woraus leicht
2) igd = X + B sin zm + € cos zm + D sin 2 zm + € cos 2 zm
1 +83 cos zm — € sin zm + © cos 2 zm — € sin 2 zm
folgt. Wenn die Deviation 6 klein genug ist, kann man (1) vereinfachen in
{3) sin d = X + sin zm + € cos zm + D sin 2 zm + E cos 2 zm.
Hier sind X, 3, C, DD, € Konstanten (Deviationskoeffizienten), die vom Schiffs-
magnetismus und von der Lage der Nadel zum Schiffe abhängen, sich also mit
Abstand und Tiefe des Strommessers ändern, und deren Kenntnis genügen würde,
um nach (2) oder (3) für jeden Kurs des Schiffes die Deviation des Strommesser-
Kompasses zu berechnen. Um sie zu finden, wäre es — theoretisch — hin-
reichend, auf 5 möglichst gut über die Windrose verteilten Kursen zm das zu-
gehörige ö zu beobachten und diese Werte in (1) einzusetzen; die sin und cos
sind dann bestimmte Zahlen, und man erhält fünf lineare Gleichungen mit den
5 Unbekannten YA, SB, GC, ©, € In Wirklichkeit wird man auf möglichst vielen
Kursen beobachten, um eine Kontrolle zu haben, und eine ausgleichende Kurve
durch die graphisch aufgetragenen Beobachtungen legen (siehe die Kurven von
Schumacher, Abb. 1, Taf. 8). Eine strenge rechnerische Auswertung würde nun
erfordern, die Beobachtungen nach der Methode der kleinsten Quadrate auszu-
gleichen. Da aber der Strommesser wegen seiner inneren Einrichtung die Richtung
nur auf + 5°3) abzulesen erlaubt, wäre eine solche Rechnung wegen der zu er-
wartenden großen mittleren Fehler zu umständlich gewesen, und es wurden da-
her jeder ausgeglichenen Kurve (Abb. 1, Taf. 8) fünf Wertepaare zn und ö ent-
nommen und mit ihnen die Gleichungen nach (1) aufgestellt und nach %, 3, 6,
D, € aufgelöst; jede Kurve lieferte also ein System von fünf Gleichungen. Zur
Probe wurden dann nach (2) die Deviationskurven mit den gewonnenen Y%, SB,
S, D, € berechnet und mit den aus der Beobachtung abgeleiteten immer in
guter Übereinstimmung gefunden, ein Beweis dafür, daß die für Schiffskompasse
entwickelte Theorie auch für eine unsymmetrisch außenbords befindliche Nadel
gültig ist. Nur einmal, bei der im Verlauf von den übrigen abweichenden Kurve
Schumachers für 3m Tiefe, ließ sich eine Abweichung von über 5° nicht
vermeiden. Es ergaben sich die Werte der Spalten 2—6 und 9—13 der folgenden
Tabelle auf S. 148,
Wegen der oben bereits erwähnten Ungenauigkeit der Beobachtungen sind
die letzten Dezimalstellen hier nur Rechnungsgrößen, Den Zahlen für X, D und E&,
welche den flüchtigen Magnetismus zum Ausdruck bringen, kommt daher nur
eine beschränkte Genauigkeit zu; ihre Kleinheit beweist, daß der flüchtige
Magnetismus nur eine geringe Rolle spielt; man kann sie, abgesehen von der
1 m-Tiefe, fortlassen, ohne die ö um mehr als etwa 3° zu verfälschen. Um so
wichtiger sind die 3 und EC; sie stellen, wenn der flüchtige Magnetismus einst-
1) Zum Beispiel Evans, Admiralty manual for the deviations of the compass. London 1869.
Appendix 1. — Rottok, Die Deviationstheorie und ihre Anwendung in der Praxis. 2. Aufl, Berlin
1903. — Maurer, Kompaßwesen, in „Lehrbuch f. d. Unt. in d. Navigation‘, herausgeg. a. Veranl.
des Reichs-Marine-Amts, Berlin 1917. — Der Kompaß an Bord, herausg. v. d. Deutschen Seewarte,
Hamburg 1906. ;
2) Börgen hat gezeigt (A. d. Arch. d. Deutschen Seewarte, 1897, Nr. 1), daß der Quotient
beider Zahlen erst in der zweiten Potenz wirksam ist,
3) Die Frage des sogenannten mittleren Fehlers würde eine besondere Erörterung verlangen,