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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1923
auf Peilboot 2 ausgeführten. Die Beobachtungen wären zudem für jedes Fahr-
zeug von Zeit zu Zeit zu wiederholen (möglichst vor und nach jeder längeren
Beobachtungsreihe). 2. Für die obersten Wasserschichten Richtungsangaben nach
Sicht!). Gelegentliche Beobachtungen Thorades auf Peilboot 2 im Oktober 1922
— bei denen also der Strommesser zuverlässig parallel dem Schiff hing — zeigen
aber, daß die infolge des Wellenschlages wechselnde Strahlenbrechung Fälschungen
der Richtungsschätzung von 10 bis 15° bewirken kann. 3. Der Strommesser
könnte mit Hilfe einer langen Spiere möglichst weit von der Bordwand ent-
fernt ausgebracht werden. Abgesehen von anderen Schwierigkeiten ändert sich
aber beim Schlingern des Fahrzeuges die Beobachtungstiefe fortwährend. Bei
10 m Abstand von der Schiffsachse würde beim Überholen des Schiffes um 9°
nach jeder Seite der Strommesser sich jedesmal um mehr als 3m heben und
senken, Bei der ersten und letzten Methode wäre auch noch zu beachten, daß
der Apparat im Seegang seinen Abstand von der Schiffswand ständig ändert,
daß also in den oberen Schichten die anzubringende bzw. zu vernachlässigende
Verbesserung wegen Deviation ihren Betrag fortwährend ändert?)
Für Richtungsbeobachtungen in den oberen Wasserschichten, die für die
Schiffahrt am wichtigsten sind, ist als Ersatz für den Ekman-Strommesser von
der Deutschen Seewarte zunächst der von Jacobsen angegebene Libellen-
strommesser vorgesehen?), Bei der Ausfahrt zur Deviationsuntersuchung von
Hamburg nach Eckernförde bot sich Gelegenheit, diesen Apparat auf der Unter-
elbe: bei Brunsbüttel (über etwa 20 m Wassertiefe) einen Tag lang in Betrieb zu
setzen. Die grundsätzlichen Vorzüge des Jacobsen-Strommessers gegenüber dem
Ekmanschen Apparat bestehen 1. in dem Fehlen der Deviationsstörungen, 2. in
der Möglichkeit, die Angaben während der einzelnen Beobachtung zu verfolgen,
3. in dem Zeitgewinn, der dadurch bedingt ist, daß die Angaben schon während
der Beobachtungen aufgeschrieben werden und 4. vor allem darin, daß der Strom-
messer nicht jedesmal aufgeholt und neu beschickt zu werden braucht. Dem-
gegenüber stehen im wesentlichen folgende Nachteile: Die gewünschte Beob-
achtungstiefe ist wegen des wechselnden Pendelausschlages schwerer genau
innezuhalten als beim Ekman-Strommesser. . Für Geschwindigkeitsangaben ist
die Beugung des Drahtes störend. Für Richtungsangaben braucht hierdurch
kaum ein Fehler befürchtet zu werden; Unterschiede in Stromrichtung und -stärke,
die Beugungen der verschiedenen Teile des stark beschwerten Drahtes nach ver-
schiedenen Richtungen bewirken können, werden in den oberen 25 bis 30 m kaum
zu erwarten sein, Inwieweit etwa stärkerer Seegang die Angaben der Libelle stören
kann, muß die Beobachtung auf offener See. zeigen. — Um die schwerlich ganz
befriedigende Eichung des Apparates für die Geschwindigkeit zu umgehen, wird
es sich bei genügend großer Beobachterzahl empfehlen, in den oberen Wasser-
schichten einen Jacobsen-Strommesser für die Richtung und einen Ekman-
Strommesser für die Geschwindigkeit gleichzeitig nebeneinander zu gebrauchen.
Schiffsmagnetismus und Ekman-Merz-Strommesser.
Von H. Thorade, Hamburg.
(Hierzu Tafel 8.)
1. Konstanten des Schiffsmagnetismus. Die von A. Schumacher für die
Deviation der Kompaßnadel des Ekman-Merz-Strommessers gezeichneten Kurven
legen es nahe, die Frage für den Fall des benutzten „Peilboot II“ von einem all-
yemeineren physikalischen Standpunkte aus zu untersuchen. Hierzu bieten die
1) Die Störung der Wasserbewegung in den oberen Schichten durch den Schiffskörper, die ja
ein allen von Bord aus gebrauchten Strommessern gemeinsamer Nachteil ist, erfordert eine besondere
Untersuchung. ı
2) Vgl. hierzu auch die Bemerkungen H, Thorades auf S. 149 dieses Heftes über Krängungsfehler,
3) Vgl. J. P. Jacobsen, Der Libellenstırommesser, Publ. d. Cire. Nr. 51, Kopenhagen 1909
und Meddelelser Komm. f. Havundersögelser, Hydrografi Bd. II, Nr. 2, S. 59 (Kopenhagen 1913),
auch Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, II, S. 430.