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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

144 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1923, 
verlangsamten, wurde der eigentliche Flügel durch eine einfache Achse mit Quer- 
stange (zum Bremsen) ersetzt. Auch die Stromfahne wurde entfernt, um der 
ganzen Vorrichtung bei etwaigem Gieren des Schiffes ein schnelles Nachfolgen 
zu ermöglichen. 
Als Beobachtungsgebiet wurde die Eckernförder Bucht gewählt. Hier 
waren Störungen durch Strömungen und Seegang sowie durch Schiffsverkehr 
am wenigsten zu befürchten. Die nutzbare Wassertiefe beträgt reichlich 20 m. 
Wegen der zu hohen Kosten mußten die Beobachtungen auf das Peilboot 2, 
Führer Obersteuermann Schultz, beschränkt werden, das im Oktober 1922 von 
der Marine in sehr dankenswerter Weise auf acht Tage für diesen Zweck zur 
Verfügung gestellt wurde. Als Beobachter waren außer den beiden oben Genannten 
Kapt, Hatje und zeitweise Prof, Schott an Bord. 
Der Strommesser wurde an Steuerbord an der gleichen Stelle wie im 
August 1921 aufgehängt. Es wurden zwei volle Beobachtungsreihen, in 40 und 
in 75 em Bordabstand, durchgeführt. In 75 cm Abstand war auch im August 
1921 der Apparat ausgebracht gewesen. In dem geringeren Abstand wurde auf 
16 bis 18 Kursen, in dem größeren auf durchweg 12 Kursen beobachtet. Be- 
sonders dicht wurden die Bestimmungen zwischen Nordost- und Südostkurs ge- 
legt, weil hier für den Ausbringungsort nach den Erfahrungen vom August 1921 
sehr rasche Änderungen der Deviation zu erwarten waren. In folgenden Tiefen 
wurde die Deviation bestimmt: 1, 3, 5, 7.5, 10, 12.5, 15 und 20 m (gelegentlich 
auch in 22 m). Während jeder Beobachtung (Dauer 2 Minuten) wurde alle 
15 Sekunden der Steuerkompaß des Peilboots abgelesen. Die Deviation dieses 
Kompasses wurde für fast jeden Kurs vom Peilbootführer neu bestimmt. Die 
mittlere Abweichung der während einer Beobachtung abgelesenen Schiffskurse 
vom Mittelkurs blieb dank des geschickten Manövrierens mit Heck- und Buganker 
und gelegentlich mit der Maschine durchweg beträchtlich unter -+ 5°. Die 
Kompaßnadel wurde bei jeder Einzelbeobachtung auf leichtes Einspielen geprüft. 
Die Zerstreuung der Kugeln war ganz geringfügig, meist Null. Bei jeder ein- 
zelnen Beobachtung wurde der Abstand des Strommessers und der beiden 
Führungsdrähte von der Bordwand gemessen, um eine etwaige Abweichung des 
Strommessers von der Parallelstellung berücksichtigen zu können. Um auch vor 
Störungen durch etwa am Boden liegende größere Eisenmassen einigermaßen 
sicher zu sein, wurden die Beobachtungsstellen mit dem üblichen mit Talg aus- 
geschmierten Bleilot abgesucht!). Übrigens zeigt auch die gute Übereinstimmung 
der Ergebnisse, daß derartige Störungen nicht vorgekommen sind, 
Eine rechnerische Ausgleichung der Ergebnisse mit Hilfe der Methode der 
kleinsten Quadrate erschien unökonomisch in Anbetracht der Genauigkeit der 
Beobachtung wie der erforderlichen Genauigkeit der Resultate. Daher wurden 
zunächst die Kurven des Verlaufs der Deviation in den einzelnen Beobachtungs- 
tiefen gezeichnet (Abb. 1, Tafel 8). Um diese Kurven einander anzugleichen, 
zugleich um eine bequeme Übersicht über den Gesamtverlauf der Deviation und eine 
handliche Deviationstafel für alle Tiefen zu erhalten, wurde in der Isoplethendar- 
stellung in Abb. 2 und 3 (Tafel 8) die Deviation als Funktion des mißweisenden 
Schiffskurses (Abszisse) und der Beobachtungstiefe (Ordinate) eingetragen, 
Die Kurven der Deviation für die einzelnen Tiefen haben den Verlauf, der 
nach den Beobachtungen vom August 1921 zu vermuten war, Von 3m Tiefe 
ab findet sich die größte positive Deviation durchweg auf ostnordöstlichen, die 
größte negative Deviation auf südsüdwestlichen (in den größeren Tiefen auf etwa 
südlichen) Kursen. Demgemäß erfolgt in den geringeren Tiefen rasche Anderung 
auf östlichen Schiffskursen, da ja noch in 0.75 m Abstand in 1m Tiefe die 
Deviation zwischen +70° und — 55°, in 3 m zwischen -+- 30° schwankt ?). — Die 
1) Gerade in der Eckernförder Bucht schien (wegen alter Kriegsschiffswracks und Torpedos) 
Vorsicht geboten, 
2) A. Merz findet (a. a. O. S. 397) für die drei Peilboote „eine Maximaldeviation von rund 
50° bei Weststrom .... durch Null geht sie bei Ost- bis Ostsüdoststrom‘“. Natürlich wird dabei 
stillschweigend angenommen worden sein, daß die Fahrzeuge genau im Strom gelegen haben (da ja 
sonst die Verquickung von Stromrichtung und Deviation keinen Sinn hätte), Also: Größte Deviation 
bei Ostkurs, Null bei Westnordwest- bis Westkurs, was zu unseren Ergebnissen stimmt,
	        
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