Schumacher, A.: Beobachtungen über die Deviation der Kompaßnadel im Ekman-Strommesser, 143
Schiffsmagnetismus die Kompaßnadel des Instruments beeinflussen. Einzelne Be-
obachtungen, aus denen diese Deviation hervorgeht, sind seitens der Deutschen
Seewarte zuerst gelegentlich zweitägiger Strommessungen auf „Poseidon“ im Juni
1920 angestellt worden. In größerem Maßstabe wurde die Tatsache zum ersten-
mal bei den gemeinsamen Nordseearbeiten des Instituts für Meereskunde und
der Deutschen Seewarte im Juni bzw. August 1921 verfolgt‘).
Bei den von der Deutschen Seewarte geleiteten Beobachtungen in den
Sylter Gewässern im August 1921 waren eingehende Beobachtungen zur Be-
stimmung der Deviation des Strommesserkompasses, namentlich auf „Poseidon“,
dem größten beteiligten Fahrzeug, vorgesehen; dabei sollten folgende Methoden
angewandt werden:
1. Die Sichtmethode. Bei jeder Beobachtung war mit Hilfe des Schiffs-
kompasses die mißweisende Richtung des Strommessers möglichst genau zu
schätzen; dann ist der Winkel zwischen der tatsächlichen und der von der Nadel
angezeigten Stromrichtung die gesuchte Deviation. Im August 1921 waren wegen
des hohen Seegangs derartige Bestimmungen auf „Poseidon“ nur zeitweise in 1 m
Tiefe möglich. Auf Peilboot 2 (Beobachter G. Thiel) wurden sie mit gutem Er-
folge durchgeführt.
2, Die Bootsmethode, für die größeren Tiefen, in denen der Apparat nicht
mehr sichtbar ist. Auf offener See sollten vom verankerten hölzernen Boot
und vom Schiff aus genau gleichzeitige Beobachtungen stattfinden. Für geringere
Tiefen muß dies Verfahren, in Verbindung mit Sichtbeobachtungen, ja auch den
störenden Einfluß des Schiffskörpers auf die Wasserbewegung ergeben. Auf der
Ankerstelle des „Poseidon“ vereitelte der Sturm diese Messungen; hinter Sylt
wurden sie (infolge. starker Wirbelbildungen durch den Schiffskörper) mit zweifel-
haftem Erfolg ausgeführt.
3. Die „Prielmethode“ (hinter Sylt). Dabei wurde angenommen, daß in
den Prielen der Strom in allen Tiefen die gleiche Richtung hat, nämlich die-
jenige der Prielachse (die aus .der Seekarte entnommen wurde). Bei Gültigkeit
dieser Annahme ist der Winkel zwischen der Prielachse und der Richtung der
Strommesserkompaßnadel die Deviation. Es ergaben sich hiernach jedoch nicht
für alle Tiefen einwandfreie Deviationskurven; die obige Annahme erscheint also
nicht zulässig.
Um die Strommessungen vom August 1921 nach Möglichkeit auswerten
zu können und um überhaupt ein sicheres Urteil über die Benutzbarkeit des
Ekmanschen Strommessers auf eisernen Schiffen zu erhalten, wurde eine be-
sondere experimentelle Untersuchung über die Deviation des Strommesser-
kompasses auf „Poseidon“ und auf einem der im August 1921 beteiligten Peil-
boote ins Auge. gefaßt. Hierfür wurde von H. Thorade und dem Verfasser
eine besondere Vorrichtung ausgearbeitet, mit dem Grundgedanken, den Strom-
messer in allen Tiefen zuverlässig parallel zum Schiffskiel zu halten. Als-
dann ergibt eine einfache Überlegung, in welches- Fach der Kompaßdose die
Kugeln bei rein mißweisender Nadel fallen müßten, und die Deviation ist gleich
der Differenz: 5
Errechnete mißweisende — tatsächliche Anzeige der Kompaßnadel.
Die Parallelstellung wurde dadurch erreicht, daß vor und hinter dem
Apparat in gleichem Abstand von der Schiffswand wie das Instrument zwei
mit schweren Bleiloten belastete Bronzedrahtlitzen, bis dicht über dem Boden
reichend, angebracht wurden. Um diese Drahtlitzen faßten zwei Gabeln aus
Messing (lichte Weite etwa 1 cm), die dem Strommesser an beiden Enden auf-
gesetzt waren. Die Beobachtung mußte in einem möglichst strömungsfreien Ge-
wässer stattfinden, damit die Stellung des Strommessers parallel zur Schiffsachse
gewährleistet war. Die Umdrehung des Flügels, durch die der Kugelfall zur
Anzeige der Magnetnadelstellung betätigt wird, wurde deshalb künstlich herbei-
geführt, indem durch ein ganz kleines Bleigewicht ein um die Propellerachse
gewickelter Faden abgerollt wurde. Da die Propellerblätter die Umdrehung
1) Vgl. A. Merz, Gezeitenforschungen in der Nordsee, Ann. d. Hydr, 1921, 8.397. —
G,. Schott, Hydrographische Nordseearbeiten Sommer 1921 usw, Ann. d. Hydr. 1921, 8. 407.