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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Drygalski, E. v.: W. Brenneckes Werk üb. d. ozean, Arbeiten d. deutsch. antarkt. Exped. usw. 141 
der jetzt von Brennecke gezeigten Ausdehnung nach Norden über den Äquator 
hinaus. Neu ist außerdem seine ergänzende Annahme eines am Schelf des ant- 
arktischen Kontinents vom indischen zum atlantischen Gebiet bis ins Weddellmeer 
vordringenden warmen Tiefenstroms, 
Von Einzelheiten möchte ich hierbei zunächst bemerken, daß es nicht 
zweckmäßig ist, von einem subantarktischen Tiefenstrom zu sprechen. Es ge- 
schieht, weil sein Wasser in subantarktischen Breiten von oben zur Tiefe ab- 
gleitet. Da seine Herkunft aber antarktisch ist, wie auch Brenneckes Schnitte 
und Text zeigen, sollte man richtiger von einem antarktischen Tiefenstrom 
oder Zwischenstrom — im Gegensatz zum antarktischen Bodenstrom — 
sprechen. Beide waren übrigens von mir im indischen Ozeangebiet (Deutsche Süd- 
polar-Expedition 1901/03, I, S. 664ff.) bis in die mittleren südlichen Breiten schon 
verfolgt und dargestellt worden, Zweitens ist es verwirrend und mechanisch 
bedenklich, vertikale Auftriebsbewegungen durch Tausende von Metern und in 
großer Flächenausdehnung für das Aquatorgebiet in das neue Zirkulationssystem 
einzutragen (S. 130, 138, 149), da sie sich mit den beiden horizontalen Strömungen 
zwischen Oberfläche und Boden nicht vereinigen lassen. Drittens wird man für 
die Annahme eines am Schelf von Osten bis ins Weddellmeer vordringenden 
wärmeren Tiefenstroms mit Brennecke weitere Beweise abwarten müssen; da 
im indischen Gebiet nach meinen Ergebnissen der warme Tiefenstrom nicht nur 
bis an, sondern im Herbst auch bis auf den Schelf dringt, im atlantischen da- 
gegen nach Brennecke nicht, wäre dessen obige Annahme qualitativ möglich, 
Wichtig ist ferner Brenneckes Nachweis der Tiefenwirkung des warmen Brasil- 
stroms (bis 1000 m), sowie des salzreichen Mittelmeerwassers vor der Straße von 
Gibraltar. Endlich möchte ich noch seine genauen Abwägungen der Einflüsse 
von Temperatur und Salzgehalt auf die Dichte hervorheben, wobei der Temperatur 
der größere Einfluß zugeschrieben wird. Dagegen halte ich die von ihm an- 
genommene Wirkung der Eisbildung auf den Salzgehalt des Meeres in hohen 
südlichen Breiten für überschätzt. 
Im übrigen ist die allgemeine Vorstellung Brenneckes ausgezeichnet belegt 
und entwickelt. Interessante Ergänzungen dazu boten neuerdings noch Merz 
und Wüst (Berliner Ges, f. Erdkde., 1922), indem sie die älteren Beobachtungen 
von „Challenger“ und „Gazelle“ heranzogen und Betrachtungen über die Druck- 
verteilung im Atlantischen Ozean hinzufügten. Sie kommen im wesentlichen zu 
dem gleichen Ergebnis. Wenn sie dieses aber schon als durch „Challenger“ und 
„Gazelle“ begründet ansehen, so ist dem zu widersprechen. Denn wenn es auch 
richtig ist, daß die Beobachtungen dieser älteren Expeditionen sich jetzt für die 
neue Vorstellung auswerten lassen und daß dahin denkende Bemerkungen von 
Buchanan und Buchan auch schon gemacht sind, so ist es doch sicher, daß 
die andere, ältere Vorstellung bis vor kurzem bestanden hat und sich gerade 
unter dem Einfluß jener Expeditionen. befestigt hatte, während die neue erst nach 
denselben in diesem Jahrhundert exakte Begründung und Entwicklung erfuhr. 
Man darf das ruhig aussprechen, auch wenn man gegen die Englische Challenger- 
Expedition ganz besonders gerecht sein will, deren große Verdienste von niemand 
bestritten werden. In dieser Hinsicht hätte es vielleicht näher gelegen, der 
deutschen Gauß-Expedition zu gedenken, deren Arbeiten für die Entwicklung 
dieser neuen Anschauungen von berufenen Forschern als wesentlich betrachtet 
wurden. Auch hatte ich selbst in „Deutsche Südpolar-Expedition 1901—1903“ 
Band I, S. 668, schon ein Strömungsbild veröffentlicht, an welches das später 
von Brennecke gegebene in hohen und mittleren südlichen Breiten recht gut an- 
schließt; es ist von ihm aber nicht beachtet oder wenigstens nicht erwähnt worden. 
Das VI. Kapitel bringt wichtige Ergebnisse über die Veränderungen der 
Temperatur mit der Tiefe. Lage und Ausdehnung der Sprungschichten, ins- 
besondere der tropischen, werden hierbei beleuchtet und die warme Zwischen- 
schicht des Weddellmeeres in Mächtigkeiten bis zu 3000 m, oben bei 200 m Tiefe 
anfangend, näher umgrenzt. Das ist sehr viel, wenn man sie mit Brennecke 
aus dem indischen Gebiet herleiten will, was, wie ich erwähnt habe, erst weiterer 
Beweise bedarf. Ihr völliges Fehlen auf dem Schelf, das Brennecke annimmt,
	        
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