140 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1923.
hebe ich den auch meinen Erfahrungen entsprechenden Nachweis tiefblauer
Farbentöne im Polareis hervor und andererseits den Zusammenhang grüner bis
bräunlicher Farbentöne dortselbst mit dem Auftreten von Diatomeen, doch hängt
die Entwickelung dieser Planktonart nicht, wie Brennecke meint, mit dem Eis-
wachstum zusammen und die blauen Töne nicht damit, daß das Eis dem Wasser
die Diatomeen entzieht, sondern mit der Jahreszeit, wie früher schon ver-
schiedentlich festgestellt ist.
Das IV. Kapitel bringt die Reihenmessungen von Temperatur, Chlor- und
Sauerstoffgehalt, sowie die Ableitungen von Salzgehalt und Dichte in verschiedenen
Tiefen. Es werden 76 Reihen mitgeteilt, die nach Anordnung und Ausführung
der Beobachtungen eine Vollständigkeit und Genauigkeit haben, wie wohl noch
bei keiner früheren Expedition. Die Darstellung erfolgt in Tabellen und in fünf
atlantischen Meridianschnitten von 80° N-Br. bis 78° S-Br.; für die nördlichen
Meere ist das Material von Nansen herangezogen. Von 50° N-Br. bis zum
Äquator liegen die benutzten Messungen fast alle über der mittelatlantischen
Schwelle und vom Äquator bis 40° S-Br. nahe der südamerikanischen Küste. Die
letzteren gelten dem Verfasser trotzdem als typisch für den Südatlantik, wie er
durch Vergleich mit seinen früheren Planetbeobachtungen dartut. Ob die ersteren
typisch für den Nordatlantik sind, wird nicht weiter diskutiert. Ihre Schwellenlage
könnte bei 3000 m Tiefe, bis wohin die Schnitte reichen, schon Abweichungen von
der typischen Form bedingen. Besondere Sorgfalt ist auf die Ermittlung der
Messungstiefen in diesen Reihen verwandt, wozu interessante Vergleiche zwischen
geschützten und ungeschützten Thermometern gedient haben,
Im V. Kapitel werden die Reihenmessungen und die danach gezeichneten
Schnitte diskutiert, zunächst gesondert für Temperatur, Salzgehalt, Dichte, Sauer-
stoffgehalt und Sättigungsprozente des Sauerstoffs und dann zusammengefaßt in
Betrachtungen über die meridionale Tiefenzirkulation im Atlantischen Ozean,
Es werden für die vertikale Verteilung von Temperatur, Salzgehalt und Dichte
zunächst vier Normaltypen aufgestellt, die nach den Örtlichkeiten der dafür be-
nutzten Messungen als äquatorial, subtropisch, gemäßigt und polar bezeichnet
sind, Die mittleren beiden wurden früher nicht ausgeschieden, erscheinen im
wesentlichen auch nur als Übergangsformen zwischen dem ersten und‘ dem
letzten. Für den Sauerstoffgehalt und’ die Sättigungsprozente des Sauerstoffs
ließen sich entsprechende zonale Typen nicht geben; deshalb sind hierfür nur
äquatoriale, nordatlantische und südatlantische Beispiele mitgeteilt. Der Ver-
gleich der Typen mit den Einzelschnitten wird dann zur Darstellung der meri-
dionalen Tiefenzirkulation benutzt, dem wichtigsten Ergebnis des Werkes,
Wie schon bekannt, bringt die Darstellung Brenneckes in dieser Hinsicht
eine Abkehr von den bisherigen Vorstellungen. Ich gebe dafür seine eigenen
Worte: „Während man bislang annahm, daß das Oberflächenwasser aus den Tropen
durch die Winde in höhere Breiten verfrachtet und schwerer wurde, so daß es
im Verhältnis zur Erhöhung seiner Dichte auf dem polwärts gerichteten Wege
zu immer größeren Tiefen absinken müßte, um dann in der Tiefe äquatorwärts
vorzudringen und schließlich am Äquator als aufsteigendes Tiefenwasser den
Kreislauf zu vollenden, zeigt der Stromschnitt der „Deutschland“-Expedition ein
wesentlich verwickelteres System der meridionalen Tiefenzirkulation. Als das
wesentlich Neue ist zunächst die vierfache Stromschichtung anzusprechen, die
zwischen dem Äquator und etwa 40° S-Br. vorhanden ist. An der Oberfläche
wird das Wasser des Südäquatorial- und des Brasil-Stromes nach Süden
geführt; in etwa 1000 m Tiefe, äquatorwärts sich hebend, dringt der sub-
antarktische Tiefenstrom nordwärts vor. Unterhalb dieser Bewegung finden
wir den nordatlantischen Tiefenstrom, der aus den Tiefen des Nord-
atlantischen Ozeans in die Räume des Südatlantischen Ozeans eindringt in einer
mittleren Tiefe von 1500 bis 3000 m. Letzterer ist wieder unterlagert von dem
antarktischen Bodenstrom, der kaltes Wasser von hohen südlichen Breiten
nach Norden vorschiebt,“ Das Neue hieran ist die bewußte Einschaltung des
nordatlantischen Tiefenstroms; die beiden Grenzströme oben und unten und der
zubantarktische Tiefenstrom waren vorher bekannt, doch letzterer noch nicht in