Drygalski, E. v.: W. Brenneckes Werk üb. d, ozean, Arbeiten d, deutsch, antarkt. Exped, usw. 139
Die Gliederung des Werkes ist übersichtlich und soll in dieser Besprechung
beibehalten werden. Das I. Kapitel behandelt nach kurzer Schilderung des Reise-
weges mit guten Abbildungen, unter denen die Photographien der Inseln Lieskow
und Zawodowski der Süd-Sandwich-Gruppe, erstere mit ihrer Abstufung, letztere
mit ihrem Eismantel, wichtig sind, die Einrichtungen und Ausrüstung des Schiffes
für ozeanographische Zwecke, sowie die damit gemachten technischen Erfahrungen,
Auch Verbesserungen an der Ausrüstung und einige Wünsche für die Zukunft
werden mitgeteilt. Künftige Expeditionen werden an dieser kritischen und alles
Wesentliche treffenden Darstellung, sowie an der Liste der Ausrüstung, die auch
die Lieferanten und die früheren ungefähren Preise enthält, nicht vorübergehen
dürfen.
Das II. Kapitel behandelt die Tiefseelotungen, 183 in Summa, in Tabellen
und Diskussion. Zur Beurteilung ihrer Genauigkeit werden auch die Winkel
mitgeteilt, unter denen der Lotdraht auslief, doch ist nicht angegeben, auf welche
Weise und wie oft während einer Lotung sie festgestellt wurden, was für ihre
Auswertung nötig wäre. Die angegebenen Tiefen sind nicht danach korrigiert,
doch wird betont, daß sie bei großen Drahtwinkeln mit erheblichen Fehlern be-
lastet sein können, in Einzelfällen über 10%, der Tiefe, und daß man diese Fehler-
quelle sehr beachten muß. Als andere Fehlerquelle wird erwähnt, daß das Zähl-
rad der Lotmaschine nicht die ganze Länge des auslaufenden Drahtes anzeigt;
sie wird nur für das Weddellmeer angeführt und durch Hemmungen des Rades
infolge von Verdickung des Öls in der Kälte begründet. Nach meiner Erfahrung
besteht diese Fehlerquelle nicht nur in der Kälte, sondern überall, und erreicht
bei großen Tiefen Beträge von 30—40 m. Sie beruht vor allem darauf, daß der
Draht in den Schiffsschwankungen auch über dem Zählrad Buchten wirft und
deshalb in kleinen, doch mit wachsender Tiefe sich summierenden Teilen un-
gezählt ausläuft. Beim Einholen des Drahtes ist das anders, da: er dann unter
stärkerem Zug über das Rad läuft; deshalb sind die beim Aufholen gezählten
Drahtlängen richtiger. Die Tabellen dieses Abschnitts bringen auch Temperatur
und Salzgehalt des Bodenwassers, sowie vorläufige Angaben über die Grund-
proben, diese nach Dr. F. Heim.
Die Ergebnisse der Lotungen sind vielfach neu und von großem Interesse,
So stellt sich die mittelatlantische Schwelle zwischen 5° und 25° N-Br. und 30°
bis 50° W-Lg. Gr. als ein schmaler, steiler Rücken dar mit unruhigem, auf ein
versenktes Gebirge deutenden Relief, und ein ähnlicher Bau wurde zwischen den
Süd-Orkney- und Süd-Sandwich-Inseln gefunden, dieses die Antarktanden von
Ed. Suess. Die flache Schelfsee des Luitpold-Landes wird teilweise durch eine
Schwelle von der Tiefsee getrennt, was für die Temperaturverteilung in letzterer
bedeutungsvoll ist. Das Bodenwasser im tiefen Weddellmeer scheint seiner
Temperatur nach eine ähnliche Mischform zu sein, wie ich es in der Tiefsee vor
dem Kaiser Wilhelm IL-Land fand und dargestellt habe. Auch auf die hohen
Bodentemperaturen im Hirondelle-Tief bei den Azoren sei noch hingewiesen, da
sie den Einfluß vulkanischer Wärme am Meeresboden vermuten lassen,
Das III. Kapitel behandelt die Beobachtungen an der Meeresoberfläche.
Es sind darin auch solche der Dichte erwähnt, obgleich Aräometer- oder Pycno-
meter-Bestimmungen nicht erfolgt zu sein scheinen, die Dichte also wohl aus
Temperatur und Salzgehalt abgeleitet ist. Das ist heute wohl üblich; der Salz-
gehalt wird dabei durch Chlortitrierung bestimmt. Ich halte zur Ergänzung und
Kontrolle gleichzeitige Beobachtungen mit Eintauch-Aräometern nach Nansen
für nützlich. Sie sind zeitraubend, geben aber sichere Resultate, ,
Unter den Ergebnissen der Oberflächenbeobachtungen Brenneckes möchte
ich unter anderem auf den auch von ihm festgestellten geringen Einfluß der
Eisberge auf.die Meerestemperaturen hinweisen und andererseits auf den großen
Einfluß tropischer Regengüsse auf den Salzgehalt, den er interessant belegt.
Bedeutungsvoll sind die Beobachtungen im Übergangsgebiet zwischen Falkland-
und Brasil-Strom, die ein streifenförmiges Aneinanderlagern der beiden Wasser
ergaben, wobei aber die Dichte beider durch Veränderungen der Temperatur
oder des Salzgehalts nahezu ausgeglichen war. Unter den Farbenbeobachtungen