138 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1923.
dem vorhin ermittelten Resultat. Für w = 10° bleibt der Fehler unter den :an-
gegebenen Bedingungen unter 1”, für w = 20° unter 2”, für w = 30° unter 2.5”.
Von w = 20° an nimmt der Koeffizient b immer mehr ab, dafür gewinnen die
Koeffizienten a +b—d, 2b—d und e+f mit wachsendem w an Bedeutung,
Die Untersuchungen führen also zu folgendem Ergebnis: Unter Be-
rücksichtigung der Tatsache, daß die beiden Spiegel in der Null-
stellung mit einer Genauigkeit von 16” parallel gestellt werden können,
ferner unter der Annahme, daß die Drehachse der Alhidade nicht mehr
als 20’ von der Senkrechten abweicht, liegt der Fehler des zu messen-
den Winkels bei 0’ unter 30”, bei 1’ unter 8”, bei 30’ unter 0.5”, bei 1°
unter 0.4”, bei 10° unter 1”, bei 20° unter 2”, bei 30° unter 2.5”. Sind
die beiden Spiegel und die Fernrohrachse so justiert, daß die Ab-
weichungen von ihrer richtigen Stellung nicht mehr als 3’ betragen,
so liegt der Fehler bei allen Winkeln, die größer als 30° sind, unter 2,5”,
Sind die Stellungen der Spiegel, der Fernrohrachse und der Drehachse der
Alhidade mit noch größeren Fehlern behaftet, so wird die Unsicherheit der zu
messenden Winkel schnell größer. Sind die Werte von x, A, i, v, & 0 durch
feine Messungen bestimmt, so kann man den Fehler für alle zu messenden
Winkel aus den hier gegebenen Gleichungen und Tafeln leicht berechnen und,
wenn nötig, berücksichtigen. Jedenfalls reichen, wie auch verschiedene Autoren
bereits hervorgehoben haben, die einfachen Mittel nicht aus, die gewöhnlich in
den nautischen Lehrbüchern zur Prüfung des Instrumentes angegeben werden,
wie die Prüfung der Stellung des großen Spiegels durch Vergleichen des einen
Endes des Limbus mit dem Spiegelbild des anderen Endes oder die Prüfung der
Stellung des Fernrohrs durch das bekannte Diopterverfahren oder durch Messen
einer großen Sterndistanz an den beiden Fäden des Fadenkreuzes, weil hierbei
die Unsicherheit von y, x, i leicht bis zu 10’ ansteigen kann. Auch ist es un-
bedingt nötig, die Neigung des großen Spiegels für verschiedene Stellungen der
Alhidade zu prüfen.
W. Brenneckes Werk über die ozeanographischen Arbeiten
der deutschen antarktischen Expedition 1911—1912 ©.
Von Erich von Drygalski, München.
In einem umfang- und inhaltreichen Quartbande von 216 Seiten mit 41 Text-
figuren und 15 Tafeln, .von denen zwei auch farbige Abtönungen enthalten, sind
die ozeanographischen Ergebnisse der II. deutschen Südpolar-Expedition 1911/12
zusammenfassend veröffentlicht worden, nachdem vorher Einzelheiten daraus
— besonders in den Annalen der Hydrographie — mitgeteilt waren, die das Ge-
samtwerk mit Spannung erwarten ließen. Der Verfasser dieses und. zugleich der
Urheber des ganz überwiegenden Teils der darin benutzten Beobachtungen ist
Dr. W. Brennecke, der Ozeanograph der Expedition, dessen Eignung für diese
Aufgabe nach seinen zahlreichen früheren Arbeiten auf ozeanographischem Ge-
biet, insbesondere nach seinem Planetwerk, keiner Bestätigung bedarf, Das vor-
liegende Werk setzt dieselbe von neuem in helles Licht, zugleich auch die Energie,
das Verständnis und die ausgezeichneten Erfolge der wissenschaftlichen und der
ihnen 'helfenden Mitglieder der Expedition, die unter schwierigsten Verhältnissen
gearbeitet haben. Auch für dieses Werk gebührt ihnen und vor allem dem Ver-
fasser besonderer Dank, desgleichen der Deutschen Seewarte, die es ihren großen
Traditionen getreu trotz aller Schwierigkeiten zur Veröffentlichung brachte. Es
werden darin alle dem Ozean unmittelbar zugewandten oder seine Probleme
streifenden Forschungen der Expedition behandelt. Die Ergebnisse anderer
Expeditionen sind verhältnismäßig wenig herangezogen worden. Wohl aber
blickt der Verfasser von seinen örtlichen Ergebnissen und auf diese gestützt auf
die allgemeinen Gesetze und Probleme des Ozeans hinaus.
1) Aus dem Archiv‘ der Deutschen Seewarte. XXXIX. Jahrgang, 1921. Hamburg 1921,