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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1923, 
Über die Fehler des Spiegelsextanten. 
Von Prof, Dr. E. Wendt in Bremen, 
(Hierzu Tafel 7.) 
Wenn der mit einem Sextanten gemessene Winkel richtig sein soll, so 
müssen unter anderem folgende Bedingungen erfüllt sein: Die beiden Spiegel, 
der große und der kleine, müssen senkrecht zur Ebene des Limbus stehen, und 
die Fernrohrachse muß parallel zu dieser Ebene verlaufen. Es sind Verfahren 
— genaue und weniger genaue — bekannt, um etwaige Abweichungen von diesen 
Bedingungen festzustellen, und am Instrument sind Vorkehrungen vorhanden, um 
Spiegel und Fernrohr nach Möglichkeit richtig zu stellen. Die Einwirkung der 
Fehler auf den zu messenden Winkel ist theoretisch untersucht worden, zuerst 
von Bohnenberger und dann noch ausführlicher von Encke, Seitdem ent- 
halten viele astronomische, geodätische und nautische Lehrbücher eingehende 
Besprechungen über die Fehler des Sextanten, Es wird die Meinung herrschend 
sein, daß die Untersuchungen über diese Angelegenheit als abgeschlossen be- 
trachtet werden können. Die Verhältnisse liegen aber nicht so einfach. Eine 
Reihe von Widersprüchen in den verschiedenen Darstellungen hat mich ver- 
anlaßt, mich gründlich in den Stoff zu vertiefen. Dabei hat sich herausgestellt, 
daß noch manche Unklarheiten und unerlaubte Ungenauigkeiten, sogar Fehler 
in den Veröffentlichungen vorhanden sind. Ich habe mich im folgenden bemüht, 
die Verhältnisse einwandfrei darzustellen, 
Zunächst möchte ich die Schriften und Bücher, die mir zur Einsicht frei- 
standen, zusammenstellen : 
Bohnenberger, Anleitung zur geogr. Ortsbestimmung, neu bearbeitet von Jahn, Göttingen 1852, 
Encke, Berliner Astronomisches Jahrbuch für 1830. Berlin 1828. 
Schell, Über den Einfluß der Fehler des Spiegelsextanten auf die Winkelmessung. (Zeitschr, für 
Math, u. Phys. von Schlömilch, Bd. 17). 
Sawitsch, Abriß der praktischen Astronomie. Aus dem Russischen von Goetze. Hamburg 1851. 
Brünnow, Lehrbuch der sphärischen Astronomie, Berlin 1851. 
Bauernfeind, Elemente der Vermessungskunde. Stuttgart 1879. 
Eylert, Der ‚Sextant (Archiv d. Deutschen Seewarte 1881). Handbuch der nautischen Instrumente, 
ern . 
Herr und Tinter, Lehrbuch der sphärischen Astronomie. Wien 1887, 
Wislieenus, Handbuch der geographischen Ortsbestimmung auf Reisen, Leipzig 1891, 
Chauvenet, A manual of the spherical and practical astronomy. 5th ed. Philadelphia and London 1896. 
Ambronn, Handbuch der astronomischen Instrumentenkunde, Bd, II. Berlin 1899, 
Valentiner, Wörterbuch der Astronomie, III, 2. Breslau 1901. 
L. Weinek, Zur Theorie des Spiegelsextanten, (Sitz, d. Akad. d. Wiss, in Wien 1902.) 
E. Kayser, Über Bestimmung der Fehler des Spiegelsextanten und seiner Erweiterung zum Messen 
aller Winkel. (Schriften d. Naturf, Ges. in Danzig. N. F. Bd. VIII, Heft 1.) 
Magnaghi, Gli strumenti a reflessione per misurare angoli. Pisa 1875, 
In diesen Schriften wird häufiger auf eine Arbeit von Grunert hingewiesen, die in seinen 
„Beiträgen zur reinen und angewandten Mathematik“ veröffentlicht sein soll, und auch einmal, aber 
ohne nähere Angabe des Ortes und der Zeit, auf eine Arbeit von Struve. Mir sind beide Abhand- 
Jungen nicht zugängig gewesen. 
Falls Spiegel und Fernrohrachse sich in richtiger Stellung befinden, ver- 
laufen alle Strahlen in einer zur Limbusebene parallelen Ebene (Fig. 1, Tafel 7), 
und der Winkel, der zwischen dem vom direkt gesehenen Gegenstand kommenden 
Strahl und dem vom doppelt gespiegelten Gegenstand kommenden Strahl liegt, 
ist bekanntlich doppelt so groß wie der Winkel zwischen den beiden Spiegeln oder 
zwischen deren Normalen. Dieser letztere Winkel ist in der Fig. 1 (Tafel 7) mit 
> bezeichnet, so daß w den abgelesenen Winkel, verbessert um die Indexberich- 
tigung, bedeutet. Stehen aber Spiegel und Fernrohrachse nicht richtig, so ver- 
Jaufen die Strahlen im allgemeinen in zwei verschiedenen Ebenen, welche die 
vom kleinen zum großen Spiegel verlaufende Linie sS zur Schnittlinie haben. 
Die Einfallslote, die im allgemeinen Falle windschief verlaufen, mögen den 
Winkel w‘ und die vom direkt gesehenen und vom doppelt gespiegelten Gegen- 
stande kommenden Strahlen, die ebenfalls windschief stehen, den Winkel x mit- 
einander bilden, Der kleine Spiegel, der große Spiegel und die Fernrohrachse 
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