Ann. d. Hydr. usw., LI. Jahrg. (1923), Heft VI.
|
Li
Professor Dr. E. Herrmann zum siebzigsten Geburtstage.
Am 3. Juni 1923 vollendet Professor Dr. E. Herrmann das 70. Lebensjahr,
Ein großer Teil seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist auf das engste mit den
„Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie“ verflochten, da er nicht
nur ihr Mitarbeiter, sondern auch lange Jahre hindurch ihr Schriftleiter gewesen ist,
Am 3, Juni 1853 in Görlitz geboren, promovierte E. Herrmann 1880 in
Breslau zum Dr. phil, nachdem er das Examen summa cum laude bestanden hatte.
Nach weiteren Studien am physikalischen Institut in Göttingen war E. Herr-
mann von 1882—1884 wissenschaftlicher Sekretär der Deutschen Polarkommission
und trat 1886 als Beamter zur Deutschen Seewarte über, wo er Assistent in Ab-
teilung III wurde. Eine Reihe von Jahren ist E. Herrmann hier im Witterungs-
dienst tätig gewesen, übernahm 1895 die Bearbeitung der „Vierteljahrs-Wetter-
Rundschau“, bis ihm 1899 die Redaktion der „Ann, d. Hydr. usw.“ übertragen
wurde, Zu der Herausgabe der „Ann, d. Hydr. usw.“ trat alsdann die Redaktion
von „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“ und später die Leitung der
Bücherei, was 1908 zur Schaffung einer neuen Abteilung führte, zu deren Vor-
stand E. Herrmann ernannt wurde. Diese Abteilung ist von ihm bis zu seinem
Übertritt in den Ruhestand, der 1920 erfolgte, geleitet worden; diese Tätigkeit
wurde unterbrochen während des Krieges, in dem er als Leiter des Wetter-
nachrichtendienstes in Flandern von 1915 bis 1918 zum Generalkommando des
Marinekorps versetzt wurde.
Die Hauptarbeiten Herrmanns liegen auf dem Gebiet der Meteorologie.
Wir erwähnen hier seine Arbeiten über die Bewegungen, insbesondere die Wellen
des Luftdrucks (1894), über neue Gesichtspunkte für die Wetterprognose (1896),
über das Wesen der Luftdruckänderungen (1907), über die Einwirkung von Sonne
und Mond auf die atmosphärischen Vorgänge (1914), Arbeiten, die ihn auch zur
Veröffentlichung von langfristigen Wetterprognosen führten. Ferner beschäftigte
er sich eingehend mit der Verbreitung und den Ursachen der Staubfälle auf
dem Nordatlantischen Ozean (1908), mit der Fortpflanzung des Schalls (1905)
ınd machte die Untersuchungen van der Stoks über die elementare Theorie
der Gezeiten in Deutschland bekannt (1907). Neben diese privaten Veröffent-
lichungen tritt seine Mitarbeit an. den dienstlichen Bearbeitungen und vor allem
seine Tätigkeit als Schriftleiter der „Annalen der Hydrographie usw.“. Diese
nach außen wenig in die Erscheinung tretende Tätigkeit hat Herrmann mit
besonderer Hingabe ausgeübt, und die von ihm herausgegebenen stattlichen Bände
der Zeitschrift geben Kunde von seiner Leistung. Mannigfaltig sind die An-
regungen, die von ihm ausgegangen sind; seine vielseitige Begabung und seine
kritische Ader ermöglichten es ihm oft, in fruchtbare Erörterung mit den Autoren
über die von diesen behandelten Themen einzutreten, und mancher von diesen
wird sich heute noch gern des mit Herrmann gepflogenen Schriftwechsels
erinnern,
Nach dem Rücktritt vom Amt hat E. Herrmann seinen Wohnsitz‘ in
Wernigerode a. Harz genommen. Hierhin richten sich die Glückwünsche, die
ihm die Deutsche Seewarte und die zahlreichen wissenschaftlichen Freunde, die
er sich im Amt und außerhalb erworben hat, aussprechen. Möge ihm noch manches
Jahr in geistiger Frische beschieden sein! W. B.
Ann; d. Hydr. usw. 1923, Heft VI.