Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1923.
Viertel eine Stunde vor der Kulmination des Mondes und beim letzten Viertel
eine Stunde nach derselben auftreten. (Vgl. A. Müller, Theorie der Gezeiten-
kräfte, S. 73.) Diese Differenz wird durch die Verschiebung der Hochwasser im
Verhältnis zur Kulmination des Mondes als Folge der allgemeinen Verzögerung
der Erscheinungen nicht geändert, und auch nach der vorstehenden Theorie
müssen die Schwankungen der Mondflutintervalle diese Grenzen einhalten. Bei
der Eintagsflut wächst nach der Theorie die Differenz auf das Doppelte, also
auf vier Stunden, und wir sehen aus der Tabelle VI, daß die Schwankungen der
Hochwasserzeiten des Golfs von Tongkin im Verhältnis zur Kulmination des
Mondes diese Zeit nicht überschreiten. In der Hoffmannschen Kurventafel
kommt dies dadurch zum Ausdruck, daß die kleinen senkrechten Striche, die den
Zeitpunkt des Hochwassers andeuten, sich fast senkrecht untereinander befinden,
Das Mond-Ebbeintervall schwankt nach der Wellentheorie (Müller) bei
der halbtägigen Gezeit um 2 X 40, also um 80 Minuten und bei der 24stündigen
um das Doppelte, also um 2 Stunden 40 Minuten. Nach unserer Theorie müssen
sich die Zeiten des niedrigsten Wasserstandes eines Tages, die beim Mond im
Äquator 12 Stunden auseinander liegen, allmählich einander nähern, bis sie sich
bei großer nördlicher Deklination und unterer Kulmination bzw. bei großer süd-
licher Deklination und oberer Kulmination vereinigen und mit dem Zeitpunkt
des niedrigen Hochwassers zusamımentreffen, Dann müssen bei der Abnahme
der Deklination wieder kurz vor und nach diesem Zeitpunkt zwei Niedrigwasser
entstehen, die sich zeitlich voneinander und von dem niedrigen Hochwasser ent-
fernen. Beim Mond im Äquator liegen sie wieder 12 Stunden auseinander und
bei südlicher Deklination nähern sie sich dem Zeitpunkt der anderen Flut des
Tages, die inzwischen zur niedrigeren geworden ist, bis sie nach dem Ver-
schwinden dieser Flut wieder zusammentreffen. Die Schwankung des Mond-
Ebbeintervalls beträgt also nicht, wie die Wellentheorie verlangt, 2 Stunden
40 Minuten, sondern unserer Theorie entsprechend 12 Stunden.
Nach der Wellentheorie müßten die kleinen senkrechten Striche in der
Kurventafel, die den Zeitpunkt des niedrigsten Wasserstandes angeben, noch
genauer senkrecht untereinander liegen als diejenigen, die das Hochwasser an-
zeigen. Statt dessen sehen wir sie von einem Hochwasser der Eintagsiflut in
14 Tagen nach dem andern Hochwasser hinüberwandern,
Die Hoffmannschen Tabellen 1 und 2 zeigen uns, daß schon eine kurze
Beobachtungszeit genügt, um das Charakteristische der Erscheinungen deutlich
hervortreten zu lassen. Aus diesen Tabellen entnimmt Hoffmann folgendes:
„1. Die tägliche Welle ist von der Deklination des Mondes abhängig.
2. Die halbtägliche Welle ist vom Mondsalter abhängig.
3. Das Maximum und Minimum der täglichen Periode bleibt hinter dem
Maximum und Minimum der Monddeklination und dem Monddurchgang
durch den Aquator etwas zurück.“
Den Grund für Punkt 1 haben wir in den theoretischen Erörterungen
über die Bewegung des Wassers in den niederen Breiten aufs deutlichste er-
kannt. Punkt 2 findet seine Erklärung in der Superposition der Mond- und
Sonnenfluten, Punkt 3 erklärt sich aus Verzögerungen sämtlicher Erscheinungen
bei allen diesen Wasserbewegungen. (Vgl. H. Peters, Ebbe und Flut.)
Nach der Hoffmannschen Tabelle 1 ist die geringste Höhe der täglichen
Welle am 2. Tage nach Mond im Äquator beobachtet. Die Differenz zwischen
beiden Hochwassern beträgt nur 18 cm. Der Unterschied war am größten am
8. und 9. Tage nach Mond im Aquator, also am 2. und 3. Tage nach der größten
Monddeklination, die Differenz betrug 1.12 m. Die tägliche Welle ist bei Voll-
mond am höchsten (Springflut).
Tabelle 2 zeigt ganz entsprechende Verhältnisse. Am 3. und 4. Tage, nach-
dem der Mond den ÄAquator passiert hatte, war die Beobachtung unterbrochen,
aber wir erkennen aus den Beobachtungen am 2, und 5, Tage, daß hier die
tägliche Welle am niedrigsten war; ihren Höhepunkt erreichte sie am 2. Tage
nach der größten Deklination des Mondes,
Weiter bringt Hoffmann in seiner Kurventafel noch drei Diagramme, die
aus einfachen Aufzeichnungen des höchsten und niedrigsten Wasserstandes bei