2 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1923,
Großkreisproblems zugute kommt. Dies ist die Darstellung des Großkreisbogens
zwischen zwei gegebenen Punkten, so daß die Aufgabe also umgekehrt erscheint,
Die Einzeichnung eines solchen Weges geschieht in der nautischen Praxis aus-
nahmslos in der Weise, daß die Schnittpunkte desselben mit den Hauptmeridianen
aus der gnomischen Karte. oder ausnahmsweise rechnerisch gefunden und nach
Übertragen in die Seekarte durch Loxodromen verbunden werden. Die auf
diese Weise gewonnene gebrochene Linie weicht so wenig von der genauen Kurve
des Hauptkreisbogens ab, daß man dadurch von der angestrebten Wegersparnis
soviel wie nichts aufgibt.
Ist die Sachlage aber derartig, so kann man sich mit dem neuen Hilfs-
mittel von der gnomischen Karte überhaupt unabhängig machen. Denn durch
die Peilbeschickung y ==k-4% ist die Lage des Großkreisbogens zur Loxodrome
7!
U a a a
A
in jedem Punkte seines Verlaufes gegeben. In der Fig. sei ABCDZ ein Haupt-
kreisbogen, der durch die Teilloxodromen AB, BC, CD und DZ näherungsweise
wiedergegeben sei, wogegen AB die direkte Loxodrome zwischen A und Z dar-
stelle. Die letztere ist mithin bekannt. Von ihr ausgehend kann mit Hilfe der
Peilbeschickung y= k-44, deren Hilfswert k aus der Maurerschen Meßkarte
mit Hilfe der Breite 9 von A und der Breite d von Z zu entnehmen ist, die
Richtung der Teilloxodrome AB erhalten. Deren Länge ist. so zu bemessen, daß
sie in ihrem ganzen Verlauf gut genug mit dem Hauptkreise übereinstimmt. In
B wiederholt sich das Ganze, indem man an die neue (Hilfs-) Loxodrome BZ
die zugehörige‘ Peilbeschickung y, anbringt, die man mit den Eingängen Breite
von B (= g) und Breite von Z (= 6) und dem Längenunterschied zwischen
B und Z erhält und so fort, bis man nach D gekommen ist, wo die Peilbeschickung
praktisch = 0 wird. .
Das neue Hilfsmittel hat vor den sonst gebrauchten (5) gnomischen Karten
einen weit geringeren Platzbedarf voraus. Es gewährt den weiteren Vorteil,
daß es auch bei starken Versetzungen auf die beschriebene Art immer wieder
den Kurs liefert, der von dem unabsichtlich erreichten Orte im Großkreisbogen
nach dem Zielpunkte führt. Herr Dr. Maurer hat den Geltungsbereich der
Meßkarte hinsichtlich der bei Peilungen angestrebten Genauigkeit auf 1800 Sm
begrenzt und danach den Bereich der Karte bemessen. Entsprechend dem bei
Kursbestimmungen geforderten geringeren Genauigkeitsgrade wird sie für die
vorliegende Aufgabe auch über diese Grenze hinaus ihren Zweck erfüllen,
Schließlich läßt sich y im Notfalle in einfachster Weise als Unterschied zwischen
dem orthodromischen Anfangskurse @: und dem loxodromischen Kurse berechnen.
Allner.
4. Bemerkungen zur Abhandlung A.. Friedmanns: „Über vertikale
Temperaturgradienten“!). Die Tatsache, daß eine schwerere obere Lufimasse
nicht notwendig in die untere leichtere herabsinken muß, hat in viel allgemeinerer
Form bereits R. Emden in seinem Lehrbuch „Gaskugeln“ (B. G. Teubner, Leipzig
und Berlin 1907) bewiesen und in dem Satz (S. 36) ausgesprochen: „Eine Gaskugel
kann im Gleichgewicht sein, wie immer deren Dichte längs des Radius variiert.“
Emden untersucht aber, und das bedeutet eine wesentliche Vervollständigung
des Bildes vom Aufbau der Atmosphäre, a. a. O. auch die Art des mechanischen
Gleichgewichtes und beweist (S. 359) den nachstehenden Satz: „Befindet sich
eine Atmosphäre im Gleichgewicht nach der Polytropen n, und folgen ihre
Teilchen während einer Ortsveränderung einer Polytropen von der Klasse n;,
so ist ihr Gleichgewicht indifferent, stabil oder labil, je nachdem n, gleich,
kleiner, oder größer n ist.“ ;
.) Diese Zeitschrift 1923 (51, Jahrg.), Heft I. S. 12.