Wiese, W.: Studien über atmosphärische Gezeiten.
Kolumne „24h“) mit dem Luftdruck des 23. Januar um 6 Nm., so daß man für
jedes Jahr 76 Perioden der O,-Tide, im ganzen also 760 Perioden erhielt. Alle
diese Perioden der O,-Tide wurden nun an der Hand der synoptischen Karten
des Physikalischen Central-Observatoriums zu Petrograd zuerst in zwei Gruppen
geteilt, je nachdem der Luftdruck gegen Norden (N+) oder Süden (S+) zunahm.
Die mittleren Stundenwerte des Luftdruckes wurden für jedes Jahr einzeln be-
rechnet, da die Kolumne „0b“ in verschiedenen Jahren verschiedenen Stunden
der O,-Periode entsprach. Die Zeit des Durchganges des fiktiven fluterzeugenden
Gestirns durch den Meridian, ausgedrückt in Stunden, welche am Kopfe der
Kolumnen standen, wurde nach folgender Formel berechnet (es sind die in der
Theorie der Meeresgezeiten üblichen Buchstabenbezeichnungen genommen):
360 — (bo — 7) +3 +28 — 8)
Be ALL
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5
In den so gewonnenen Stundenmitteln des Luftdruckes ist, außer den
periodischen Schwingungen, welche die fluterzeugende Kraft bewirkt, noch die
unperiodische Schwankung enthalten, welche sich in der Differenz 0h—24h geltend
macht. Dieser unperiodische Teil wurde nach der üblichen geradlinigen Methode
ausgeschlossen. Da wir aber nicht berechtigt sind, die unperiodische Schwankung
als eine geradlinige Funktion zu betrachten, so könnte solch eine Ausschließung
eine Fehlerquelle bilden. Durch eine zweite Berechnung der Stundenmittel des
Luftdruckes wurde diese, wenn auch nicht vollständig beseitigt, SO doch zum
Minimum herabgesetzt. Die zweite Auswertung der Stundenmittel geschah in
der Weise, daß in die erste Reihe der Kolumne „0h“ der Luftdruck eingetragen
wurde, welcher sich um 6!/, O,-Perioden von dem Luftdruck des ersten Schemas
unterschied. Dies ist der Fall, wenn man die Eintragung in das zweite Schema
mit dem Luftdruck, welcher um Mittag des 9. November beobachtet wurde, be-
ginnt (der Zeitunterschied zwischen dem Luftdruck des 2. und 9. November um
Mittag beträgt 6.49 O,-Perioden). Die .unperiodische Schwankung wurde auch
aus dem nach dem zweiten Schema berechneten Stundenmittel geradlinig aus-
geschlossen; die Differenz 0b—-24b kam jedoch beim zweiten Schema zwischen
Stunden der O,-Periode zu liegen, welche sich um 12 (genauer 11.8) O,-Stunden
von denen des ersten Schemas unterschieden, so daß beim zweiten Schema die
möglichen Fehler, welche durch die geradlinige Ausscheidung des unperiodischen
Teiles bedingt sein könnten, eine um 180° verschiedene Phase hatten, Wenn
man nun das Mittel der Reihen des ersten und zweiten Schemas. bildet, so
müssen sich die Fehler größtenteils gegenseitig aufheben. Eine weitere Garantie
gegen das Einschleichen von systematischen Fehlern, welche durch die gerad-
linige Ausscheidung des unperiodischen Teiles bedingt sein könnte, gewährt der
Umstand, daß, wie gesagt, die Eintragungen immer mit dem Luftdruck um Mittag
des 2. (bzw. 9.) November begannen, so daß die Differenz 0h—24h in verschiedenen
Jahren zwischen die verschiedensten Stunden der O,-Periode zu liegen kam. Die
durchgeführte zweimalige Auswertung der Stundenmittel machte eine besondere
Ausscheidung des sonnentäglichen Ganges des Luftdruckes unnötig,
Für die Gradientenrichtung S+ ergab das untersuchte Dezennium
519 O,-Perioden, für N+ 241. Da die letztere Zahl zu gering erschien, wurden
für die Gradientenrichtung N+ noch die Jahre 1896/97—1900/01 untersucht,
welche 117 O,-Perioden gaben, so daß man im ganzen für die Auswertung des
Luftdruckganges bei nach Norden zunehmendem Druck 358 O,-Perioden erhielt.
Der Gang des Luftdruckes bei diesen verschieden gerichteten Gradienten ist in
der Form von Abweichungen vom Mittel in folgenden Reihen dargestellt. Die
mittleren Größen der Gradienten sind nebenbei angegeben!). (1 = 0.01 mm,
0b — Zeit der Kulmination des fiktiven fluterzeugenden Gestirns.)
1) Es wird immer die Richtung gegeben, in welcher der Luftdruck zunimmt,