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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie uud Maritimen Meteorologie, Mai 1923 
Nach dieser Abschätzung der durch die Methode bedingten Genauigkeit 
dürfen die Messungsergebnisse erhöhtes Interesse beanspruchen. Wenn auch 
vereinzelte, kurze Messungsreihen nicht dazu dienen können, Gesetzmäßigkeiten 
der atmosphärischen Zustandsänderungen nachzuweisen, so kann doch ein Ver- 
gleich solcher Einzelfälle mit Ergebnissen von Bearbeitungen umfangreicherer 
Messungsreihen zu einer Detaillierung und Erweiterung des Bildes dienen, das 
durch Mittelbildung aus vielen Beobachtungen gewonnen ist, Von einer Unter- 
suchung der Temperaturverhältnisse in ihrer Beziehung zur synoptischen Wetter- 
lage und Druckverteilung wurde absichtlich Abstand genommen, weil eine Be- 
arbeitung der gesamten, auch an anderen Orten gesammelten Beobachtungs- 
ergebnisse in dieser Beziehung mehr Erfolg verspricht als die Beobachtungen 
über einem einzelnen Ort. 
Bei der Bearbeitung aerologischer Beobachtungen ist namentlich in den 
letzten Jahren die Frage häufig erörtert worden, ob die beobachteten überadiaba- 
tischen Temperaturgradienten in der Vertikalen reell sind. Daß überadiabatische 
Gradienten vorkommen können, ist durchweg zugegeben worden, doch mit der 
Einschränkung, daß ein Teil der beobachteten überadiabatischen Gradienten 
durch methodische Fehler vorgetäuscht wurden. Die Flugzeugaufstiege in der 
Woche vom 15.—920. Mai ergeben nun in zahlreichen Fällen Schichten mit über- 
adiabatischen Gradienten, die in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt sind. 
Schichten mit überadiabatischen Gradienten. „Vielfach reich diese über- 
adiabatischen Gradienten an 
Grenzflächen von „Sperr- 
schichten“ auf, und. zwar so- 
wohl an der unteren wie an 
der oberen Grenze. Der 
stärkste beobachtete Gradient 
von 2.58°/100 m am 20. Mai 
nachm. im Abstieg findet sich 
etwas oberhalb der Schicht, 
in der im Anstieg eine Tem- 
peraturumkehr beobachtet 
war. Ein Vergleich der Zu- 
standskurve des An- und Ab- 
stiegs (Bild 2e, Tafel 5) 1äßt 
erkennen, daß in allen durch- 
messenen Schichten die Tem- 
peratur von Anstieg bis zum 
Abstieg stark. abgenommen 
hat, abgesehen von der 
Schicht, die den unteren Teil 
der Inversion und die un- 
mittelbar darunter liegenden 
etwa 200 m umfaßt. Die 
Inversion ist in dieser Höhe 
Lu verschwunden. 
a een Im allgemeinen scheinen 
2430-—25 2.98 | aber die überadiabatischen 
GEM) 5070 116_| Gradienten wenig beständig 
zu sein. Wenn man von den bodennahen Schichten absieht, in denen über- 
adiabatische Gradienten bei starker Einstrahlung die Regel sind, ändern sich in 
den mittleren Schichten Ausdehnung und Höhenlage häufig recht stark. 
Einige Gesichtspunkte, welche für die Entstehung adiabatischer Gradienten 
bedeutsam sein können, lassen sich den Zustandskurven von An- und Abstieg 
am 16. Mai vormittags entnehmen (Bild 3, Tafel 5). Im Anstieg liegt über der 
Bodenschicht mit überadiabatischem Gradienten in 300—400 m Höhe eine 
isotherme Schicht, wohl der Rest einer nächtlichen Bodeninversion. Darüber 
liegt zwischen 1100 und 1500 m eine mächtigere Inversion; zwischen 2800 und 
N
	        
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