Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1928,
Einwirkung der aus dem freien Ozean kommenden Fluten geschützt ist. Während
die Straße von Yucatan eine Tiefe von 2100 m und die Floridastraße eine solche
von 1850 m aufweisen, haben die Zugänge aus dem Großen Ozean nach dem
Südchinesischen Meere nur bis 200 m Tiefe, Nur zwischen den Inseln Formosa
und Luzon in der Baschi-Straße ist die Verbindung eine freiere, und es bleibt
deshalb, wie wir sehen werden, die zu erwartende Wirkung der ozeanischen
Fluten nicht aus. N
Das Material zur Untersuchung finden wir in einer . Abhandlung des
Korv.-Kapt. P. Hoffmann: „Ebbe- und Fluterscheinungen im Golf von Tongkin
und in der Chinasee“, veröffentlicht in den Ann. d. Hydr., X. Jahrg. (1882), Heft II.
Leider war es der großen Kosten wegen nicht möglich, die Hoffmannschen
Tabellen und Figuren hierneben nochmals zu veröffentlichen. Sie sind jedoch
bei einer näheren Untersuchung der vorliegenden Verhältnisse nicht zu entbehren,
weshalb ich sie den folgenden Ausführungen zugrunde lege,
Die Hoffmannsche Tabelle III enthält die mittlere Erhebung des höheren
täglichen Hochwassers über das Mittelwasser des Jahres bei der Insel Corregidor
an der Westküste der Insel Luzon bei Manila. In fünf Monaten (April, Mai,
Oktober, November, Dezember) fällt das niedrigste Hochwasser der Tabelle auf
den zweiten Tag nach dem Monddurchgang durch den Äquator, in fünf Monaten
(Januar, März, Juni, Juli, September) auf den zweiten und in zwei Monaten
(Februar, August) auf den dritten Tag. Nach der Gleichgewichtstheorie müßte
es sich einstellen, wenn der Mond im Äquator ist, die Verzögerung beträgt also
1 bis 3 Tage.
Das höchste Hochwasser, das sich unserer Theorie gemäß nach der größten
Deklination (7 Tage nach Mond im Äquator) einstellen muß, finden wir fast in
allen Fällen genau 7 Tage später als das niedrigste Hochwasser, und zwar. können
wir feststellen, daß sich das höhere Hochwasser stärker verzögert, wenn das
niedrige Hochwasser dieselbe Erscheinung zeigt.
. Eine gute Übersicht gibt uns die graphische Darstellung in Abb. 2, Taf, 1.
Die Linien zeigen alle denselben Verlauf, Das Hochwasser hat den niedrigsten
Stand erreicht, nachdem der Mond den Äquator passiert hat, es nimmt dann zu,
um nach der größten Deklination den höchsten Stand zu erreichen, und bei der
Abnahme der Deklination nimmt auch das Hochwasser wieder ab. Sehr schön
tritt der Verlauf zutage, wenn man den monatlichen Durchschnitt für das ganze
Jahr berechnet, indem man die senkrechten Reihen addiert und durch 12 dividiert.
Die Kurve entspricht auf das genaueste den von der Theorie geforderten Er-
scheinungen.
Nun tritt in den beobachteten Wasserständen nicht nur die Wirkung der
fluterzeugenden Kraft des Mondes zutage, sondern sie sind ein Produkt der
vereinigten fluterzeugenden Kräfte des Mondes und der Sonne. Ist die Theorie
richtig, so müssen die Sonnenfluten einen ähnlichen von der Deklination der
Sonne abhängigen Verlauf zeigen wie die Mondfluten, Die niedrigsten Sonnen-
fluten müssen sich zeigen nach. Sonne im Äquator, also bei Frühlingsanfang,
März, April und bei Herbstanfang, September, Oktober. + Die höchsten Sonnen-
fluten können wir dagegen erwarten nach der größten Deklination der Sonne,
nach Sommers- und Wintersanfang.
Tragen wir alle Zahlen der ersten senkrechten Reihe der Tabelle III (Mond
im Äquator) als Ordinaten ab, so verschwindet die Wirkung der Deklination des
Mondes, da für die ganze Reihe der Mond im Äquator steht. Ebenso machen
wir es mit den übrigen senkrechten Reihen und erhalten auf diese Weise die
graphische Darstellung Nr. 3, Tafel 1. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß
in dieser Darstellung meteorologische Einflüsse eine viel größere Wirkung zeigen
müssen als bei der Darstellung in. Abb. 2. Namentlich sind es die Monsunwinde,
die in diesen Gebieten bei der durchschnittlichen Fluthöhe bestimmter Jahres-
zeiten eine große Rolle spielen, und da die Sonnenfluten wie die durch die
Monsunwinde bewirkten dieselbe jährliche Periode haben, so tritt in der Dar-
stellung die summierte Wirkung beider Einflüsse zutage.
Bei den meisten Linien zeigt sich, wie es die Theorie erfordert, eine Ab-
nahme der Fluthöhe von Januar bis März, darauf findet eine Zunahme statt,