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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

106 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1923, 
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bei Drachenaufstiegen. Den durch diese Punkte gegebenen Temperaturwerten 
werden die aus den entsprechenden Punkten der Luftdruckaufzeichnung errech- 
neten Höhen zugeordnet, so daß sich mit Hilfe der bei diesem Verfahren zu- 
lässigen linearen Interpolation Zustandskurven der durchmessenen Luftsäule 
konstruieren lassen, wie sie z. B. Bild 2 (Tafel 5) zeigt. Wenn sie auch nicht 
„Momentbilder“ darstellen, so kommen sie doch bei der Kürze der Dauer eines 
Aufstieges diesem Ideal nahe. Aus einer solchen Zustandskurve kann man die 
Höhenlage jeder einzelnen Isotherme entnehmen und befreit dadurch die Kon- 
struktion der Höhenisothermen nach Möglichkeit von der Ungenauigkeit, die bei 
der zweidimensionalen (zeitlichen und räumlichen) Interpolation zwischen Tempe- 
raturwerten in bestimmten Höhenstufen nicht leicht zu vermeiden ist, 
Zunächst erhebt sich nun die Frage, wie weit .instrumentelle Fehler den 
in Bild 1 (Tafel 5) dargestellten Temperaturverlauf beeinflussen. Eine bedeutende 
und schwer zu beseitigende Fehlerquelle bei aerologischen Messungen bildet die 
Trägheit, das „Nachhinken“ des Thermometers. Infolge der Erschütterungen im 
Flugzeug ist es erforderlich, ein recht starres Gebilde als Thermometerelement 
zu verwenden. Ein Bourdonrohr aus Stahl, mit Äther gefüllt, stellt einen recht 
stabilen Thermometerkörper dar, der in der Drachentechnik bei den Marvin- 
Apparaten ausgedehnte Verwendung gefunden hat. Auch Bimetallthermometer 
werden vielfach gebraucht, doch ist es nicht leicht, ihnen eine Form zu geben, 
die bei gleicher Empfindlichkeit eine ebenso große Starrheit besitzt wie das 
Bourdonrohr. Bei der vorliegenden Aufstiegsreihe ist als Thermometerelement 
auschließlich ein Bourdonrohr verwendet worden, dem nach den bisherigen Er- 
fahrungen in einem ziemlich umfassenden Temperaturintervall der Vorzug zu 
geben ist. Um ein abschließendes Urteil zu gewinnen, wurde in einem Versuchs- 
apparat nach dem Vorschlag von Dr. Georgi neben einem Bourdonrohr ein 
Bimetallthermometer eingebaut, die auf der gemeinsamen Uhrtrommel schreiben. 
Dieser Apparat soll demnächst erprobt werden, 
Die bisher meist geübte Art der Prüfung von Registrierinstrumenten, und 
zwar besonders von Thermometern, im Laboratorium ist nicht geeignet, gerade 
den störendsten Fehler, das Nachhinken, sicher zu bestimmen und zu verbessern, 
Solange es keine brauchbare Einrichtung gibt, die Thermometer im verschieden 
temperierten Luftstrom von hinreichender Geschwindigkeit zu eichen und die 
Barometer unter gleichzeitiger Änderung von Druck und Temperatur zu prüfen, 
wird man auf subtile Feinheiten und eine allen, Ansprüchen genügende Ge- 
nauigkeit der Fehlerbestimmung verzichten und sich mit einer Schätzung be- 
gnügen müssen. Eine Möglichkeit, die Brauchbarkeit des Thermometers zu 
beurteilen, bietet die Registrierkurve selbst. Wenn schnelle Temperaturschwan- 
kungen und schroffe Übergänge in der Aufzeichnung als scharfe Zacken und 
Spitzen erscheinen, so ist der Verdacht des Nachhinkens zunächst nicht gegeben. 
Die Beispiele der Registrierungen, die in der Übersicht des Jahres 1921!) ab- 
gebildet sind, zeigen an zahlreichen Punkten einen in dieser Hinsicht befriedi- 
genden Verlauf der Temperaturkurve. Eine noch eingehendere Beurteilung der 
Frage, ob der Betrag des Nachhinkens unzulässig hoch ist, ergibt sich nach der 
Auswertung aus dem Vergleich der Anstiegs- mit den Abstiegswerten der Tempe- 
ratur in gleichen Höhen. Bei der gewöhnlichen Temperaturabnahme mit der 
Höhe wird ein nachhinkendes Thermometer beim Anstieg höhere, beim Abstieg 
niedrigere Werte für die Temperatur in den einzelnen Höhenstufen ergeben, 
und zwar werden die Abweichungen um so größer, je größer die Vertikal- 
geschwindigkeit des Flugzeuges ist, Eine Änderung der Vertikalgeschwindigkeit 
wird neben der Fälschung der absoluten Werte auch eine Änderung des vertikalen 
Temperaturgefälles vortäuschen, Da die mittlere Anstiegsgeschwindigkeit durch- 
weg erheblich geringer ist als die Abstiegsgeschwindigkeit, so wird man bei der 
Auswertung im allgemeinen die Anstiegswerte bevorzugen. Wird die Vertikal- 
geschwindigkeit beim Abstieg wesentlich größer als etwa 6 m p. Sek., so wird 
sich in den meisten Fällen die Abstiegsregistrierung überhaupt nicht zur Aus- 
wertung eignen. In der Tabelle und in der graphischen Darstellung sind lediglich 
Ya a, O0. Tafel 6. Bild 6 u. 7.
	        
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