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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Ann. d. Hydr. usw., LL Jahrg. (1923), Heft V. 
Die aerologischen Flugzeugaufstiege der Deutschen Seewarte 
im Jahre 1922. 
Im amtlichen Auftrage bearbeitet von Hermann Bongards, 
(Hierzu Tafel 5.) 
Die Flugzeugaufstiege der Deutschen Seewarte zu aerologischen Forschungen, 
äber deren im Jahre 1921 gewonnene Ergebnisse an dieser Stelle berichtet wurde V), 
sind im Jahre 1922 fortgesetzt worden. Infolge der weiteren ungünstigen wirt- 
schaftlichen Entwickelung beträgt die Zahl der Aufstiege im Berichtjahr nur 18 
(im Vorjahr 30). Abgesehen von einem Flug, fallen sie alle in die erste Jahres- 
hälfte. Ein Aufstieg konnte infolge Versagens des Registrierapparates nicht aus- 
gewertet werden. Das Gelingen dieser Flüge ist auch diesmal wieder der tat- 
kräftigen Unterstützung von Behörden, Gesellschaften und Einzelpersonen zu 
verdanken. Die Flugzeugführung übernahm wieder in den meisten Fällen Herr 
v. Schröder vom Hamburger Verein für Luftfahrt, ferner die Herren Münnich 
und Förster. Bruchschäden sind auch in diesem Jahre nicht vorgekommen. 
Die Hamburg-Amerika-Linie und später die Hamburger Luftschiffhallen-Gesell- 
schaft ermöglichten durch ihr Entgegenkommen die Unterbringung der Flugzeuge 
und die Einrichtung eines Arbeitsraumes auf dem Flugplatz. Herr Fokker in 
Amsterdam stellte neuerdings kostenlos einen Kühler und einen Propeller zur 
Verfügung. Die Flüge wurden — mangels eines brauchbaren Gerätes ohne künst- 
liche Atmung — bis zu einer Höhe von 6500 m ausgedehnt. Die Höhe von 6000 m 
wurde in neun Fällen überschritten, in weiteren drei Fällen wurden mehr als 
5500 m erreicht; die Durchschnittshöhe aller Aufstiege beträgt 5250 m. Eine 
Übersicht aller Aufstiege gibt die Tabelle auf S. 110 u. 111, in der die Werte 
für Temperatur und relative Feuchtigkeit, nach 500 m-Stufen ausgewertet, zu- 
sammengestellt sind. Die verhältnismäßig geringen an Tagen mit starker Be- 
wölkung erreichten Höhen sind nicht etwa der Unzulänglichkeit der Methode, 
vielmehr der äußersten Vorsicht zuzuschreiben, die bei der Knappheit von Ersatz- 
material das Risiko von Landungen außerhalb des Flugplatzes verbot. 
In Aussicht genommen waren Flüge an den sogenannten „Internationalen 
Terminen“, an denen in den meisten Ländern Europas gleichzeitig Sondierungen 
der Atmosphäre vorgenommen werden. Der Termin im Mai umfaßte die sechs 
Tage vom 15. bis 20, Mai, an denen hier elf Aufstiege gelangen. Der Termin im 
Juni beschränkte sich auf einen Tag (8. Juni), an dem drei Aufstiege ausgeführt 
wurden, außerdem wurde am Vortage abends und am Nachtage morgens je ein 
Flug unternommen, Die weiteren internationalen Termine konnten wegen der 
Verteuerung des Betriebsstoffes infolge der nun einsetzenden katastrophalen Ent- 
wertung der Mark nicht mehr eingehalten werden. Der letzte Flug des Jahres 
am 7. Öktober fand anläßlich einer Flugveranstaltung vor Mitgliedern der Ham- 
burger Handelskammer statt. 
Besonderes Interesse beanspruchen die Aufstiege vom 15. bis 20. Mai, einer- 
seits deshalb, weil eine Häufung so hoher Aufstiege in einer Woche bisher wohl 
einzig dasteht, und andererseits, weil während dieser Tage ein schroffer Witterungs- 
wechsel stattfand. In Bild 1 (Tafel 5) ist die beobachtete Temperatur verteilung 
in der bekannten Weise durch Höhenisothermen graphisch dargestellt, Dazu 
wurden die elf verwendeten Aufstiege zunächst noch einmal mit besonderer 
Sorgfalt ausgewertet, und zwar nicht nach Höhenstufen, wie das zwecks be- 
schleunigter Bekanntgabe in den täglichen Wetterberichten zu geschehen pflegt, 
sondern nach „markanten Punkten“ der Temperaturregistrierung. Es wird hierzu 
in der Registrierung zunächst eine Reihe von Punkten der Temperaturkurve 
bestimmt, in denen sich das vertikale Temperaturgefälle ändert, was bei der 
Stetigkeit der Höhenänderung des Flugzeuges viel besser möglich ist als z. B. 
i) Ann. d. Hydr, uew., Bd. 50, Heft 4, 1922. 
Ann. d. Hydr. usw, 1923, Heft V
	        
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