Kleinere Mitteilungen,
99
Vor einigen Jahren „da blies der Landwind drei lange Wochen hindurch.
Der Fjord war zuletzt ganz grauweiß von Meerrauch ... Während dieser ganzen
Zeit war es kaum möglich, vor die Türe zu kommen; wenn wir nur hinüber ins
Krankenhaus wollten, mußten wir so gut wie auf allen Vieren kriechen, so stark
war der Sturm.“
Selbstverständlich nimmt auch hier, wie beim Föhn, die Temperatur der
Luft während des Abstiegs zu, und zwar, sofern sie nicht mit Schnee beladen
ist, um 1° für je 100 m; aber sie kommt eben aus einer so viel kälteren Gegend,
Ist die Luft mit Schnee gemischt — wie sie dies fast immer, mindestens mit
Bodenschnee, ist, so bleibt sie noch kälter und gewinnt durch die Belastung
noch größere Beschleunigung beim Abwärtssausen, W. Köppen.
3. Neuere Versuche zur Messung der Verdunstung von Seenflächen.
Die unmittelbare Messung der Verdunstung von einer Wasserfläche gehört offen-
bar zu den heikelsten Aufgaben der praktischen Meteorologie und Hydrographie,
da die Aufstellung eines Meßgerätes unter möglichst natürlichen Bedingungen,
d. h. möglichst unmittelbar und ungestört im Wasserspiegel, sehr schwierig (und
kostspielig) ist.
Seit 1906 hat die Preußische Landesanstalt für Gewässerkunde umfang-
reiche Versuche zur Verdunstungsmessung auf bzw. an zwei Seen in der Gegend
von Eberswalde durchgeführt, die von H. Bindemann eingehend bearbeitet
worden sind!). — Den Kern des Instrumentariums bildete ein — unbedecktes —
Verdunstungsgefäß, das mit Hilfe eines Floßes von weitmaschigem Balkenwerk
auf dem offenen See, nahezu bis an den Wasserspiegel eingetaucht, ausgebracht
wurde, Zur Berücksichtigung des Niederschlags diente ein Regenmesser auf dem
Floß und — für ungewöhnlich starke Niederschläge — eine Überlaufvorrichtung
mit Sammelbecken an dem Verdunstungsgefäß, Die Wassertemperatur im See
und im Gefäß wurde mit Sixtschen Extremthermometern, Lufttemperatur und
-feuchtigkeit mittels Thermohygrograph (auf dem Floß) gemessen. Die Vor-
richtung ‚wurde täglich einmal bedient, Später traten Parallelmessungen mit
gleichen Gefäßen an zwei fast diametral gegenüberliegenden Uferstellen des
Grimnitzsees und am Werbellinsee hinzu. Im Winter waren Messungen im See,
wie auch an den ungeschützten Gefäßen am Ufer, u. a. wegen der Störung durch
Schnee, nicht möglich. Für die Wintermonate wurde deshalb die Verdunstung
vom See nach den Angaben einer Wildschen Verdunstungswage interpoliert, die
an der Hauptuferstation in einer englischen Hütte untergebracht war.
Als mittlerer Jahresbetrag der Verdunstung vom Grimnitzsee werden
940 mm berechnet. Auf die Monate Mai bis Oktober entfallen davon drei Viertel;
die höchsten Monatsbeträge haben der Juni und der Juli (150—160 mm). Tages-
summen von mehr als 10 mm kamen nur in dem trockenen Sommer 1911 ver-
einzelt vor. Die Verdunstung von dem in einem engen langgestreckten Tal ge-
legenen Werbellinsee beträgt nach Bindemanns Berechnung nur etwa 70%, des
Betrages für den flach eingebetteten, fast kreisförmigen Grimnitzsee.,
Von den technischen Ergebnissen ist vor allem wichtig, daß die Verdunstungs-
höhe beim Floßgefäß unabhängig von dem Wasserstand im Gefäß ist (innerhalb
der zugelassenen geringen Schwankungen), und daß der Unterschied der Wasser-
temperatur im See und im Gefäß den Gesamtbetrag der Verdunstung um kaum
1%0 vermindert. Die am Ufer aufgestellten ungeschützten Verdunstungsgefäße
liefern, wie leicht verständlich, in den Monaten des Temperaturanstiegs größere, in
den Monaten der Temperaturabnahme geringere Beträge als das Floßgefäß. Die
Verdunstung wächst mit der Windstärke und ist an der Luvseite größer als an
der Leeseite. Für eine Darstellung der Verdunstungshöhe als Funktion der
Wassertemperatur in den Gefäßen und der Luftfeuchtigkeit wird der Sättigungs-
fehlbetrag als der zweckmäßigste Ausdruck der Luftfeuchtigkeit befunden.
Mit fast denselben, im ganzen etwas einfacheren Hilfsmitteln (die Überlauf-
vorrichtung zur Berücksichtigung des Niederschlages fehlte) hat das finnische
1) Die Verdunstungsmessungen ,.... auf und an dem Grimnitzsee und am Werbellinsee,
Jahrb. £ d. Gewässerkunde Norddeutschlands. Besond. Mittlg., Bd. 3, Nr. 3. Berlin 1921.