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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1923. 
Das ist, besonders nach den schönen Untersuchungen von Sandström, in 
vollstem Maße in Nordskandinavien der Fall. Wir wollen kurz die gemeinsamen 
Züge dieser heftigen kalten Fallwinde angeben. Für alle gelten vollständig die 
anschaulichen Diagramme, die Sandström in seinen „Meteorologischen Studien 
im Schwedischen Hochgebirge (Göteborgs K. Vet. & Vitt. Handl. XVII 2, 1916) 
mitteilt und die wir in einer Abbildung wiedergeben, Nur ist statt „Ost“ und 
„West“ für die Adria und das Schwarze Meer Nordost und Südwest zu setzen. 
Ein nicht zu hohes Gebirge, 
mit Hochebenen durchsetzt, 
scheidet in allen diesen Fällen 
ein im Winter sehr kaltes Land 
von einem sehr warmen Meer, 
Durch Ausstrahlung bilden sich 
im Gebirge kalte Luftseen. Kommt 
nun ein allgemeiner Luftdruck- 
gradient hinzu, der die Luft 
vom Hinterlande übers Gebirge 
drängt, so werden diese kalten 
Luftseen stoßweise entleert, die 
schwere Luft stürzt den Abhang 
hinab zum Meere, gewinnt dabei 
immer größere Geschwindigkeit 
und kommt unten in gewaltigen 
Stößen an. Wie weit bei diesem 
stoßweisen Wehen Wirbelbildung 
und wie weit Wellenbildung beim 
zeitweisen UÜberschwappen der 
kalten Luft über die Schwellen 
beteiligt sind, kann man noch 
nicht sagen. Sandström schreibt 
im Text wohl zu sehr die Ent- 
stehung und Stärke der Fall- 
winde nur lokalen Ursachen, 
nämlich der Ausstrahlung der 
höheren Teile des Gebirges zu. 
In der Abbildung stellt er aber 
wohl richtig den wesentlichen Anteil der kalten Luft im Hinterlande und also eines 
allgemeineren Druckgradienten dar. So entsteht die Bora bei Novorossijsk, wenn 
ein Hochdruckgebiet an der unteren Wolga liegt, in der Adria, wenn eines in 
Polen liegt. 
Um zu bestätigen, daß die ungeheuere Gewalt und durchdringende Kälte 
der Bora-Stürme, die Sandström auf seinen Winterreisen erlebte, keine Aus- 
nahmefälle waren, möchte ich hier einige anschauliche Sätze aus dem hübschen 
Buche von Gjems-Selmer „Eine Doktorsfamilie im hohen Norden“ (Planegg 1919) 
anführen. Der Schauplatz ist der Balsfjord bei Tromsö. 
„Und nun richten wir uns für den Winter ein. Wir verdichten und ver- 
stopfen unser Haus überall mit Teppichen und Fellen und Doppelfenstern. Denn 
wir haben einen bösen Feind hier oben, der heißt der Ostwind oder der 
‚»Landwind« ,....“ 
„Ein wunderlich grollender, brausender Laut in der Luft, dann zittert ein 
Stoß durch das Haus, wir fahren mitten in der Nacht aus unseren Betten auf 
— horchen — horchen — was nähert sich da — wir fühlen, wie das Zimmer 
mit einem Male ganz durcheist ist — wir zittern und klappern mit den Zähnen — 
das ist der Ostwind, der da gekommen ist... Denn das ist ja nur der Anfang. 
Es sind acht Grad Wärme, sagt das Thermometer. Das ist für ein Zimmer nicht 
zerade viel, aber im Laufe der Nacht nimmt der Sturm immer mehr zu, Am 
Morgen hat es draußen 4° Kälte, in den Schlafzimmern Null Grad... Gegen Abend 
ist die Kälte draußen auf —10° gestiegen, und der Sturm ist geradezu überwältigend.“
	        
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