Schmidt, A.: Wie ist das Jahr für meteorologische Zwecke am besten einzuteilen? 95
G
{1 8
1.2 02 0.7 —0.6 —0.6 —05 —04 0.1 02 02 0.3 0.4
03 —02 —06 —05 —05 —04 —03 0.2 03 0.3 0.4 0.5
M: G = 0.54 (0.60); S-40.39 (0.48).
mn G 05 06 0.2 0.2 03 —02 —01 0.0 —05 —04 —03 — 03
Ss 0.0 0.0 —04 —03 —03 —02 0.4 0.4 0.0 0.0 0.1 0.2
M: G-4+0.34 (0.44); S 4 0.25 (0.38).
Hinsichtlich des Anschlusses an eine genau gleichförmige Einteilung des
Jahres sind also die beiden Vorschläge I und III ungefähr gleichwertig, was bei
ihrer grundsätzlichen Ähnlichkeit — Absonderung derselben überschüssigen Tage
und gleichmäßige Teilung der übrigen 364 Tage — nicht überraschen kann. Von
diesem Gesichtspunkte aus liegt also kein Grund vor, I zu bevorzugen, und da
dieser Vorschlag im übrigen nur lauter schwerwiegende Mängel aufweist, so ist
er unbedingt zu verwerfen. Entschließt man sich dazu, den ungestörten Fort-
gang der Tageszählung (und Bezeichnung) nach Wochen aufzugeben, so kann kein
Zweifel sein, daß — von etwaigen geringfügigen, ganz gleichgültigen und zweck-
losen Abänderungen abgesehen — der von Köppen vertretene Vorschlag III die
gegebene Lösung ist,
Nun darf man sich aber nicht verhehlen, daß die auf die Umgestaltung
des Kalenders gerichteten Bestrebungen bisher noch kaum irgendwelchen Wider-
hall in weiteren Kreisen geweckt. haben, und daß daher schwerlich auf ihre
Verwirklichung in absehbarer Zeit zu rechnen ist. Freilich nimmt die Ent-
wicklung in solchen Dingen manchmal einen sprunghaften Verlauf; was in jahr-
zehntelangem zähen Ringen kaum einen Schritt vorwärts getan hat, sieht sich
manchmal plötzlich durch die Gunst irgendwelcher zufälligen Umstände am Ziele,
Aber einer solchen entfernten Möglichkeit wegen sollte man doch nicht
darauf verzichten, sich den Mängeln des bestehenden Zustandes überall dort zu
entziehen, wo es sich auch ohne die erstrebte allgemeine Reform tun läßt. Und
das ist bei den statistischen Aufgaben der Meteorologie der Fall.
Für die Meteorologie kommt von den bei der Kalenderreform erstrebten
Verbesserungen nur eine in Betracht: Die möglichst gleichmäßige Einteilung des
Jahres in 12 Monate. Alles andere, auch die Anordnung der Wochen, ist gleich-
gültig oder zum mindesten nebensächlich. Als Unterabteilungen der Monate wird
man ja zweckmäßigerweise die Dekaden und Pentaden beibehalten,
Kommt es auf die höchste erreichbare Genauigkeit an, So sind Tages-
bruchteile nicht zu umgehen, Man hat dann die Grenztage unter Benutzung
gewisser sich zu 1 ergänzender Gewichte sowchl dem vorangehenden wie dem
folgenden Monat zuzurechnen, was am einfachsten durch entsprechende Ver-
besserung der zunächst in üblicher Weise abgeleiteten Monatsmittel geschieht !).
Die Einteilung des Jahres beginnt man dabei am besten mit dem Anfang des
sogenannten annus fictus, Das gilt insbesondere bei der Berechnung von Mittel-
werten; bei Auszählungen und Summenangaben kann es Anwendung finden, wenn
man die rohen Monatswerte zur strengen Ableitung des (relativen) jährlichen
Ganges auf gleiche Länge umrechnen will. Auf die hierher gehörigen, in der
zweitgenannten Arbeit Köppens ausführlich behandelten Fragen braucht hier
nicht eingegangen zu werden.
Es wird nur selten nötig sein, das angedeutete etwas umständliche Ver-
fahren anzuwenden; man wird sich fast stets damit begnügen wollen und dürfen,
mit ganzen Tagen zu rechnen. Das erfordert natürlich den Verzicht auf voll-
ständige Gleichheit der Monate; man muß solche von 30 und 31 Tagen zulassen,
Es führt dies bei zweckmäßiger Verteilung, wie sich zeigen wird, nur zu geringen
Fehlern und ist dann ebenso unbedenklich wie das Auftreten einzelner, möglichst
gleichmäßig angeordneter Dekaden zu 11 und Pentaden zu 6 Tagen nach dem
Vorgange von Buys-Ballot.
Als sachlich bestes und zugleich einfachstes Verfahren empfiehlt sich das
folgende: Der erste Tag jedes der Monate März bis Juli wird dem
1) Vgl. Ad. Schmidt, Theoretische Verwertung der Königsberger Bodentemperaturbeob-
achtungen. Schriften der Phys,-ökonomischen Gesellsch, zu Königsberg i. Fr., XXXII (1891), S. 103.