Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1923.
der Beobachtungsergebnisse immer stärker fühlbar machen. Von diesem Gesichts-
punkte aus hat, nachdem die Erörterung der Frage einige Jahre geruht hatte,
Charles F. Marvin vor kurzem einen Vorschlag veröffentlicht, der eine ge-
naue Einteilung erstrebt: Er übernimmt die von Köppen befürwortete, auf
mehrere unabhängige Urheber zurückgehende Lösung, das Jahr in 52 festliegende
Wochen und einen Tag, im Schaltjalır zwei Tage, zu zerlegen, die außerhalb der
Wochenzählung bleiben. Die 52 Wochen teilt er (woran übrigens auch schon
früher gelegentlich gedacht worden ist) in 13 Monate, an deren letzten (und im
Schaltjahr mittelsten) er die Einzeltage anschließt. .
Es besteht wohl keine Gefahr, daß dieser Vorschlag nennenswerten Anklang
finden und durchdringen könnte. Sonst wäre ein nachdrückliches „prineipiis
obsta“ geboten. Marvin weist selbst darauf hin, daß mit der Durchführung
dieser Einteilung der bisher gesammelte, durchgängig nach Jahreszwölfteln ge-
ordnete und bearbeitete Beobachtungsschatz nur schwer mit dem neu hinzu-
kommenden Stoff zu verknüpfen sein würde; aber er setzt sich darüber an-
gesichts der Vorteile der Neuerung hinweg und glaubt sogar dieses Bedenken
durch die Hoffnung mildern zu können, daß ja das alte Material mit der Zeit
mehr und mehr entbehrlich werden würde! Als diese „unschätzbaren Vorteile“
betrachtet er die „simple and uniform sequence in tabulations and summations
of meteorological data in perfectly equal and commensurable groups of days,
weeks, months, years etc.“; die sicherlich viel größeren Unbequemlichkeiten, die
die Teilung durch 13 mit sich bringt, bei der nicht einmal die Halb-, Drittel-
und Vierteljahre aus ganzen Monaten bestehen, schlägt er leicht an; manche,
z. B. die viel größere Umständlichkeit der harmonischen Analyse, erwähnt er
überhaupt nicht. Und schließlich die Hauptsache: Die genaue Gleichmäßigkeit
und volle Regelmäßigkeit der Einteilung, die er erstrebt, weil er sie für so wert-
voll hält, daß er ihr unbedenklich alles andere opfert, ist ein Trugbild, Er er-
reicht sie durch sein Verfahren nicht nur nicht, sondern verletzt sie.sogar in
der denkbar gefährlichsten, nämlich in systematischer Weise,
Was Marvin in gleiche Teile zerlegt, ist ja gar nicht das Jahr, sondern
der sachlich gleichgültige Zeitraum von 364 Tagen. Für das Jahr kommen
noch die Sondertage in Betracht, und diese zerstören den geplanten rhythmischen
Bau von Grund aus. Vielleicht hat sie der Umstand, daß es nur einer oder
zwei sind, als harmlos erscheinen lassen. Aber gerade darin liegt es begründet,
daß sie einen systematischen, durch das ganze Jahr (oder jedes Halbjahr) regel-
mäßig fortschreitenden Fehler bewirken. Im Gegensatz hierzu findet bei einem
zweckmäßigen Wechsel von Monaten, die 30 und 31 Tage zählen, ein steter teil-
weiser Ausgleich und damit eine gewissermaßen zufällige Folge der Fehler statt.
Teilt man das Jahr von 365.2422 Tagen in 13 gleiche Teile und legt man
dann die 28tägigen Abschnitte so, daß sie mit jenen möglichst genau zusammen-
fallen, so erhält man als ihren (durch den Abstand der entsprechenden Mitten
gemessenen) Fehler die folgenden, auf Zehnteltage abgerundeten Beträge:
GG —06 —05 —04 —03 —02 —01 00 0.1 02 0,3 0.4 05 0.6
S 0.1 0.0 —01 —02 —03 —04 0.0 04 03 0.2 0.1 00 -—01
M: G +0,37 (0.46); S4-0.22 (0.35).
G bezeichnet das Gemeinjahr, S das Schaltjahr. Unter M ist der quadratische
Mittelwert der Abweichungen verstanden, dem in der Klammer derjenige für eine
vierjährige Schaltrunde beigefügt ist. (Die durch den Schalttag nicht vollständig
ausgeglichene Verschiebung des Jahresanfangs erhöht bei der Zusammenfassung
längerer Jahresreihen diesen Betrag natürlich mehr und mehr, beim Gregorianischen
im Gegensatz zum Julianischen Kalender allerdings nur bis zu einer gewissen
Grenze.) Der Umstand, daß die Schwankungen im Schaltjahr durchschnittlich
yeringer als im Gemeinjahr sind, liefert eine Erläuterung zu dem über die Wirkung
der Sondertage Gesagten,
Zum Vergleich füge ich die entsprechenden Zusammenstellungen einerseits
für den geschichtlich überkommenen, jetzt geltenden Kalender (II), anderseits für
den von Herrn Köppen a. a. O0. behandelten Reformkalender (III) hier an.