Schumacher, A.: Eine neue Darstellung der Oberflächenströmungen in der Nordsee, usw. 93
anglischen Küste bedenklich, den großen »Buchtwirbel« vor dem Firth of Forth
in der vom Verfasser gegebenen Ausdehnung aus den Isohalinen herauszulesen,
Für den Sommer steht der Annahme eines derartigen großen Neerstromes auch
der Verlauf der Isothermen entgegen, da sich im August eine schmale Zunge
kühlen Wassers unter der schottisch-englischen Küste südwärts erstreckt,
Mehrfach wird vom Verfasser die Übereinstimmung der von ihm ermit-
telten Stromrichtungen mit den bei Strommessungen gefundenen Restströmen
betont (holländische Messungen, Institut für Meereskunde, internationale Mes-
sungen im Juni 1911). Bei der besonders hervorgehobenen Übereinstimmung
des Strömungsbildes für Mai 1911 mit den meisten im Juni 1911 bei den inter-
nationalen Strommessungen gefundenen Restströmen vermißt man allerdings die
Berücksichtigung der Windverhältnisse im Mai und Juni. Die Terminbeobach-
tungen fallen nach dem Bulletin etwa in die Zeit vom 1. bis 25. Mai, die Strom-
messungen fanden vom 1. bis 14, Juni statt, Nach einer Durchmusterung der
Wetterkarten mögen die Windrichtungen über der Nordsee während dieser beiden
Perioden um durchweg 45 bis 90° verschieden gewesen sein. Wenn auch die
Windstärken nicht groß waren (im Mittel etwa 3, höchstens 5), so verliert m, E.
durch diese Verschiedenheit die Übereinstimmung an Beweiskraft,
Die Frage, inwieweit die Erhebungen des Meeresbodens für die ge-
fundene Wasserversetzung von Bedeutung sind, wird — entsprechend der Ein-
stellung der ganzen Untersuchung auf Oberflächenbeobachtungen — nur in der
Zusammenfassung berührt. Die Teilung des atlantischen Nordwassers in die
beiden Arme, die mit dem »Kanalwasser« die sogenannten: Doggerbankwirbel
bilden, wird den Untiefen der Doggerbank zugeschrieben, auch für die Begren-
zung dieser beiden Wirbel erscheint die Bank von Einfluß. Besonders gilt dies
für den südwestlichen Doggerbankwirbel, dessen verhältnismäßig große Bestän-
digkeit schon weiter oben betont wurde,
Über die physikalische Natur der von ihm gefundenen Wirbel äußert sich der
Verfasser nicht; die rein qualitative Methode und die Beschränkung der Unter-
suchung auf die Oberfläche gestatten natürlich nicht, derartigen Fragen nachzu-
gehen. Es darf jedoch betont werden, daß die »Wirbel« offenbar nur schwach aus-
geprägt zu. denken sind, da ja die unperiodische Wasserversetzung sehr geringe
Geschwindigkeiten hat. Die oben erwähnten, im Juni 1911 gefundenen Restströme
betragen im Durchschnitt etwa 3 bis 4, höchstens 8,5 Seemeilen im Etmal.
Verfasser möchte selbst die von ihm gegebenen schematischen Strombilder
nicht als unbedingt endgültige hinstellen. Unbeschadet dieses Vorbehaltes und
der vorstehenden Bemerkungen wird man die Arbeit begrüßen als einen dan-
kenswerten Versuch, die bisherige, offenbar zu schematische Vorstellung durch
eine eingehendere Darstellung zu ersetzen. Praktisches Interesse an den Ergeb-
nissen hat natürlich in erster Linie die Fischereibiologie im Hinblick auf Fragen
der Planktonverfrachtung; die Schiffahrt kann die unperiodische Wasserbewe-
ung in der Nordsee, von ganz seltenen Fällen abgesehen, außer acht lassen.
Wie ist das Jahr für meteorologische Zwecke am besten einzuteilen?
Von Adolf Schmidt. Potsdam.
. Die starke, im wesentlichen durch den Februar verschuldete Ungleich-
förmigkeit der Einteilung des Jahres, die wir als zweitausendjähriges Erbstück
antiker Kultur noch immer mit uns weiterschleppen, ist schon vielfach als
störend und lästig empfunden worden und hat wiederholt Anlaß zu Bestrebungen
gegeben, den Kalender bessernd umzugestalten?).
Die Notwendigkeit dazu wird auch in der Meteorologie empfunden und
wird sich mit den wachsenden Ansprüchen an Genauigkeit und scharfe Definition
1) Über diese vgl. W. Köppen: Kalender-Reform. Ann. d. Hydr. usw. XLIV (1916) S. 390, —
{n sachlicher Hinsicht behandelt er die Frage erschöpfend in dem Aufsatze: Kalenderreform und
Meteorologie. Met. Ztschr. 33 (1916) S. 386.