Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April
Le
südöstlich der Doggerbank, vor der Deutschen Bucht, ein kleiner zyklonaler Wirbel.
Der südwestliche Doggerbankwirbel scheint in seinem Auftreten örtlich wie zeitlich
am beständigsten zu sein. .
Zu diesen freien Wirbeln zwischen zwei aufeinandertreffenden Strömungen
fügt Böhnecke noch eine Reihe von Wirbeln hinzu, die durch den Küstenverlauf
bedingt sind (Buchtwirbel, Neerströme — im Morayfirth, vor dem Firth of Forth
— naturgemäß antizyklonal) oder die durch den Küstenverlauf im Verein mit
der Flußwasserzufuhr und bestimmten Winden bewirkt werden (der schon von
Wendicke!) angegebene zyklonale Wirbel in der Deutschen Bucht, der beim
Abflauen auflandiger Winde am besten entwickelt sein dürfte).
Die »Reibungswirbel«, die zwischen den einander entgegengerichteten
Wassermassen der einzelnen Wirbel (z. B. über der Doggerbank zwischen den
beiden Wirbeln) anzunehmen sind, hat Verfasser offenbar fortgelassen, um die
schematischen Karten nicht zu überladen.
Die Ermittlung der unperiodischen Wasserversetzung aus dem Verlauf der
Isohalinen hat natürlich gerade für ein so ausgeprägtes Gezeitenmeer wie die
Nordsee grundsätzliche Schwierigkeiten. Inwieweit die Schwankung des Salz-
gehaltes infolge der Gezeiten, ferner die Ungleichzeitigkeit der Beobachtungen
die Lage der Isohalinen auf den Einzelkarten verschiebt und damit die ge-
fundene Wasserversetzung unsicher gestaltet, ist quantitativ schwerlich anzugeben.
Höchstens für die Deutsche Bucht lassen sich einige ungefähre Angaben über
die Tidenschwankung des Salzgehaltes machen. In der Gegend von Amrum-
Bank dürfte sie nach Beobachtungen im Juni 1920 bei auflandigen Winden etwa
0.10 bis 0.20 °/., betragen, bei ablandigen Winden aber wesentlich größer sein;
für Borkum-Riff fand Wendicke im Mai 1911 etwa 0.40 °%0. Natürlich wird
man mit zunehmender Entfernung von der Küste abnehmende Tidenschwankung
des Salzgehaltes erwarten,
Die Frage, inwieweit die Isohalinen auf den Einzelkarten infolge der
Ungleichzeitigkeit der Beobachtungen unsicher sind, wird im zweiten Teil der
Untersuchung nicht wieder behandelt, nachdem (S. 12, 13) an verschiedenen
Beispielen im ersten Teil dargetan worden ist, daß diese Ungleichzeitigkeit
bei der Konstruktion der Karten des Salzgehaltes für Februar, Mai, August und
November vernachlässigt werden kann. Besonders wichtig wird natürlich diese
Frage nach der etwaigen fälschenden Wirkung der Ungleichzeitigkeit für die
offene Nordsee, jenes Gebiet, für das die von Böhnecke angegebenen Wirbel
neuartig erscheinen, Nach Diagrammen bei Thompson?), bei Robertson®) und
bei Böhnecke sind in der mittleren und nördlichen Nordsee in den fraglichen
Monaten periodische Änderungen von mehr als 0,1 %,g selten zu erwarten. Über
die zu gewärtigenden unperiodischen Änderungen finden sich bei Keller?) An-
haltspunkte für den Bereich. der deutschen Terminfahrten., Die günstigste Station
ist im Mittel D 4 (56° 41’ N-Br., 2° 15’ O-Lg.); die höchste unperiodische Anderung
ergibt sich für August mit 0,29 %,n (für die übrigen Terminmonate etwa die
Hälfte); von hier aus steigen die Werte sowohl nach der Deutschen Bucht, wie
nach dem Skagerrak hin, Auf den acht wiedergegebenen Beispielen vön Einzel-
stromkarten sind die Ausbuchtungen der Isohalinen z, B. in der Gegend der
Doggerbankwirbel stark ausgeprägt; es darf nach einer Schätzung in Anlehnung
an Böhneckes entsprechende Erörterungen im ersten Teil (S. 12 u. 13, vgl. oben)
für die mittlere und nördliche Nordsee angenommen werden, daß diese Auslap-
pungen auch bei Eliminierung der periodischen und unperiodischen Änderungen des
Salzgehaltes (wenn eine solche in einleuchtender Weise möglich wäre) nicht ver-
schwinden oder in das Gegenteil verkehrt werden würden. Jedoch erscheint es in
Anbetracht der meist ganz geringfügigen Ausbuchtungen der Isohalinen vor der
1) Veröff, Inst. f. Meereskunde, N, F. A., Heft 3, S. 74. .
3) Report on the Salinity of the North Sea. North Sea Fish. Inv, Comm, 4. Rep. (North
Area) 1906—1908 IIl. London 1909.
3) On the Temperature and Salinity of the Surface Waters of the North Sea .‘. .. North
Sea Fish. Inv. Comm. 2, Rep. (North. Area) 1904—1905, V. London 1907. S. 165 ff.
4) Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee .... Annalen d. Hydrogr. 1912, S. 519 ff.