Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1923.
Das Ergebnis ist auf derselben Karte 5 strich-punktiert eingetragen, so
daß Tabelle und Karte zusammen ohne weiteres die Konstruktion zeigen. Man
kann am leichtesten den Kurven AT = const. folgen und an den betreffenden
Stellen von Av die Werte von en notieren. Bei einiger Übung ist es noch
besser, sofort die Kurven Te = const. zu zeichnen, indem man den horizontalen
Zahlenreihen obiger Hilfstabelle folgt.
Vergleichen wir die direkt beobachteten und die auf Grund der Margules-
schen Gleichung konstruierten Werte der Inversionsflächenneigung (Karte 1 und
Karte 5), so zeigen die beiden Felder in Anbetracht des Umstandes, daß die
Grundlagen zur Konstruktion nur gekürzten Abschriften der Aufstiegprotokolle
entnommen wurden, eine gute Übereinstimmung. In beiden Fällen nimmt der
Wert von Zn von Ost nach West zu und erreicht dort fast 2.1078% (nahezu 8°).
Darmstadt, Physikalisches Institut, Dezember 1922,
Eine neue Darstellung der Oberflächenströmungen in der Nordsee,
von G. Böhnecke.
Von Dr. A. Sechumacher, Hamburg, Deutsche Seewarte.
Unter dem Titel »Salzgehalt und Strömungen der Nordsee« ist in den Ver-
öffentlichungen des Instituts für Meereskunde von G. Böhnecke eine methodisch
interessante Untersuchung der unperiodischen Wasserbewegung in der Nordsee
erschienen !). Allerdings bezieht sich die Arbeit nicht, wie der Titel erwarten läßt,
auf die ganze Wassermasse, sondern beschränkt sich (wie dies auf Seite 9 auch
ausdrücklich festgestellt wird) auf die Oberfläche. Die Frage — die für die
Nordsee gewiß der Erörterung wert ist —, inwieweit von den Verhältnissen der
Oberfläche auf die Verhältnisse der tieferen Schichten geschlossen werden darf,
wird nicht angeschnitten.
Auf Grund des von der Internationalen Meeresforschung in den Jahren
1902 bis 1914 gesammelten und in den »Bulletins« der Internationalen Kommission
veröffentlichten Materials werden zunächst — dies ist der erste Hauptteil der Unter-
suchung — Karten des mittleren Oberflächensalzgehaltes in den Monaten
Februar, Mai, August und November konstruiert, Dabei dienten die Karten für
die einzelnen Untersuchungsmonate der zwölf Jahre, die den »Bulletins- beigegeben
sind, als Unterlagen. Zum erstenmal werden damit auf Grund der internationalen
Terminbeobachtungen derartige Karten für alle vier Jahreszeiten geboten, Der
beschränkte Raum verbietet eine nähere Würdigung.
Den zweiten, naturgemäß interessantesten Teil der Arbeit bildet der Versuch,
aus dem Verlauf der Isohalinen ein Bild der unperiodischen Wasserbewegung
abzuleiten. Die Verteilung des Salzgehaltes in der Nordsee ist im wesentlichen
auf den Wasseraustausch mit den Nachbarmeeren und die Flußwasserzufuhr
zurückzuführen. Dafür spricht die enge Scharung der Isohalinen in den Grenz-
zonen zwischen dem eigentlichen Nordseewasser und dem Küstenwasser sowie dem
aus der Ostsee stammenden Wasser; aus einer unmittelbaren Einwirkung
klimatischer Faktoren ist dieser schroffe Wechsel des Salzgehaltes nicht zu
erklären. Übrigens hat eine (bisher noch unveröffentlichte) Sonderuntersuchung
Böhneckes ergeben, daß die Wirkung der Süßwasserzufuhr diejenige der Ver-
dunstung überwiegt, so daß also ohne die atlantische Wasserzufuhr allmählich
eine Aussüßung der Nordsee erfolgen müßte.
Ist also die unperiodische Wasserbewegung in erster Linie bestimmend für die
Verteilung des Salzgehaltes, so liegt es nahe, die Isohalinen mit ihren Ausbuchtungen
als Indikatoren für die Wasserversetzung zu benutzen. Dies Verfahren haben
auf ähnliche Verhältnisse wohl am vielseitigsten Nansen und Helland-Hansen
1) Veröff, Inst. f. Meereskunde, N. F. A, Heft 10. Berlin 1922.