36 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1919.
stehendes Hauptmittel an Regelmäßigkeit kaum noch zu wünschen übrig läßt.
Damit ist wohl zweifellos bewiesen, daß der Grundzug im anomalistischen
System die einphasige Welle ist, und zum anderen, daß die von mir gewählte
und durch die Kreismarken bezeichnete Abteilung für die zeitliche Verschiebung
im allgemeinen zutrifft. Die gewonnenen Ergebnisse wären sonst unmöglich.
Wenn durch diese Untersuchung ein Grund zu der Annahme gegeben ist,
daß die zeitliche Verschiebung der Wellen im anomalistischen Monat gegen-
einander durch die Anziehung der Sonne stark beeinflußt wird, so muß doch
als höchst wahrscheinlich angenommen werden, daß auch die übrigen Wellen-
systeme in der Atmosphäre dabei mehr oder minder beteiligt sind.
Diese Wirkungen zu differenzieren wird Aufgabe weiterer Forschung sein.
Kleinere Mitteilungen.
Über die Verwenduugsmöglichkeit von Motoren auf Segelschiffs-
reisen zwischen der Nordsee und Nordamerika. Von Kapt. G, Reinicke,
ständiger Mitarbeiter der Deutschen Seewarte.
Angenommen wird, ein Segler hätte einen Motor, der imstande ist, ihn
mit etwa derselben Sicherheit und Geschwindigkeit wie ein gewöhnlicher Schlepp-
dampfer, d.h, bei starken Gegenwinden unter Zuhilfenahme der Schratsegel,
durch die Nordsee und den Kanal zu bringen.
Schon in der Nordsee wird unter Umständen die Frage entstehen: Durch
den Kanal oder Nordum? .
Sie ist dahin zu beantworten, daß im allgemeinen der Weg Nordum nicht
und im Winter nur dann genommen werden sollte, wenn die Umstände dazu
zwingen. .
Auf der Ozeanfahrt, sei es von Lizard, sei es von der Insel Fair aus,
werden im allgemeinen die Gesichtspunkte zu beachten sein, die im Segelhand-
buch für den Atlantischen Ozean, herausgegeben von der Deutschen Seewarte,
3. Aufl. 1910, S. 208ff. niedergelegt sind, d. h. ein Schiff sollte danach streben,
in Anpassung an die Wetterlage West gutzumachen, ohne Rücksicht darauf, ob
es dabei vom geraden Wege nach Norden oder nach Süden gedrängt wird.
Hierbei kann der Motor von Nutzen sein, sei es, um die Fahrt auf einem nord-
westlichen oder auf einem südwestlichen Kurse zu vermehren, oder sei es, um
mit arbeitendem Motor unter Schratsegeln mehr West gutzumachen als ohne
Motor gutgemacht werden könnte.
Zum Beispiel: Ein Schiff sei imstande bei WNW-Wind auf Steuerbord-Halsen
SW 24 Sm auf einer Wache zu segeln, unter Zuhilfenahme des Motors aber
SW 40 Sm zurückzulegen, so würde es ohne Motor 17 Sm mit Motor 28 Sm West
auf einer Wache gutmachen. Das kann sich lohnen. Oder ein Schiff sei imstande,
auf einer Wache bei Westwind 24 Sm nach SSW zu segeln, mit dem Motor und
unter Schratsegeln jedoch 24 Sm nach SW zu gelangen, so würde es im ersten
Falle nur 9, im zweiten 17 Sm West auf einer Wache gutmachen. Es könnte
bei demselben Winde vielleicht aber auch mit dem Motor ‚und unter allen Segeln
in derselben Zeif 40 Sm SSW und damit 15.3 Sm West gutmachen. Was am
vorteilhaftesten wäre, muß von Fall zu Fall entschieden werden, Bei dem zu-
letzt bezeichneten Verfahren, 40 Sm SSW, änderte man seine Breite schnell und
käme damit auch in andere Windverhältnisse, Ob in günstigere? Das hängt
von der Wetterlage, namentlich von der allgemeinen Verteilung des Luftdrucks
ab. Damit kommen wir zu dem Punkte, auf dem vom nautischen Standpunkte
aus die größte Bedeutung .des Motors auf Segelschiffen liegt; nämlich darin,
daß seine Verwendung dem Schiffe ermöglicht, bei ungünstigen Ver-
hältnissen günstigere aufzusuchen. Natürlich hat dies nur Aussicht auf
Erfolg, wenn die Schiffsleitung vertraut ist mit den Wind- und Wetterverhältnissen
des ganzen Gebiets, mit der Aufeinanderfolge hohen und niedrigen Luftdrucks,