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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1919,
Die Luftdruckänderung im anomalistischen Monat.
Von F. Schuster, Oberstleutnant a. D., Karlsruhe.
Der Umlauf des Mondes in seiner elliptischen Bahn zwischen zwei auf-
einander folgenden Durchgängen durch die Mondnähe hat die Dauer von
27 Tagen, 13 Stunden, 18 Minuten und 33 Sekunden. Die Apsidenlinie vollendet
einen ganzen Umkreis im Lauf von 85/4 Jahren. -
Es scheint eine natürliche Forderung zu sein, daß, wenn die Mond-
anziehung einen Einfluß‘ auf die Anderung des Luftdruckes ausüben soll, der-
selbe sich bei Mondnähe und Mondferne grundsätzlich in verschiedener Weise
äußern müsse, so daß eine einphasige Welle zu erwarten wäre.
Alle Untersuchungen, bis in die neuere Zeit, haben jedoch einen solchen
Nachweis nicht erbringen können, die Ergebnisse waren durchweg bedeutungslos
und ist hierin einer der Hauptgründe für die Ablehnung des Glaubens an einen
nennenswerten Mondeinfluß zu erblicken.
Nach meinen Berechnungen stellt sich die Mondwirkung nicht so einfach
dar, wie oben angenommen wurde, Das anomalistische Wellensystem unterliegt
zeitlichen Verschiebungen und kommt erst zum Vorschein, wenn die Verschiebung
aufgehoben wird.
Nachstehende Beispiele mögen dies ersichtlich machen. :,
i. Meine im Jahre 1908 durchgeführte Untersuchung über den Einfluß
des Mondes auf unsere Atmosphäre!) erstreckte sich auch auf den anomalistischen
Umlauf in Dauer von 35 Jahren, Die sieben dort gewonnenen Fünfjahresmittel
sind in Figur 1 gegeben.
Fig. 1 Man erkennt ohne weiteres die zeitliche Verschiebung der
a sieben Wellengänge im Sinne der Drehung der Apsidenlinie,
%0* q,h. von West nach Ost, und es durchläuft die durch die Kreis-
Yiz. 2 marken bezeichnete Verschiebung die Breite der
a Monatswelle in 2 X 8.13 Jahren, das Tempo stimmt
also nahehin mit dem Tempo der Umdrehung der
Apsidenlinie überein,
Das unter der Reihe der Fünfjahresmittel
zunächst dargestellte Hauptmittel aus allen
35 Jahren zeigt auch hier wieder den für den
anomalistischen Monat bedeutungslosen Verlauf,
während sich nach Aufhebung der zeitlichen Ver-
schiebung in der als bekannt vorausgesetzten
Weise die zuunterst gegebene einphasige Welle mit.
einer Amplitüde von 1.2 mm einfand,
° 2. In Gerlands Beiträgen zur Geophysik,
Band XI, Heft 2/3 veröffentlichte Herr Dr. Wagner
eine Arbeit über die Änderung des Luftdruckes
im anomalistischen Monat. Ein Teil dieser Arbeit
betrifft den Verlauf des Luftdruckes zu Batavia
in den Jahren 1881 bis 1906, und es enthalten die
Tabellen dort das zugehörige Zahlenmaterial bei
Benutzung von Tagesbarometermitteln,
Dr. Wagner teilte, um die Wirkung des Um-
laufs der Apsidenlinie zu eliminieren, seine Zeit in drei Gruppen von 9, 8 und
9 Jahren ein und erhielt als Mittel drei Druckkurven, von denen keine ein Merk-
mal der aus dem anomalistischen Umlauf zu erwartenden einphasigen Welle
enthielt, und Dr. Wagner sagt selbst, daß er aus seinem Verfahren Kurven mit
fast verschwindenden und ganz unregelmäßigen Schwankungen erhalten habe.
Dr. Wagner hat den Fehler begangen, die Wirkung aus der Periode der Apsiden-
linie aufzuheben, anstatt sie durch Bildung kürzerer Perioden ersichtlich zu machen.
Als ich die Zeit von 1881 bis 1905 in Abschnitte von vier Jahren teilte,
so ergaben sich für diese aus den Zahlen von Wagner die in Figur 2 ersicht-
1) Hofbuchhandlung von Fr. Gutsch, Karlsruhe 1908. i
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