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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1919. 
Zeichnerisch ist es gleichgültig, ob eine Strecke 0.1 oder 0.001 mm von der Strecke 
auf der Kugel abweicht, denn beide Abweichungen sind in der Karte nicht nach- 
weisbar und verschwinden ganz gegen die durch Papiereingang entstehenden 
unvermeidlichen Fehler. 
Außer den genannten Entwürfen soll noch der stereographische zum Ver- 
gleich herangezogen werden. Die Entwicklungen und Formeln sind zum Teil 
neu aufgestellt worden. Die Theorie des Merkatorentwurfs wird nach neuen 
Gesichtspunkten behandelt werden, wodurch der Beweis erbracht wird, daß »ein!) 
tieferes Verständnis der winkeltreuen oder konformen Abbildungsarten ohne 
Kenntnis der Elemente der Differential- und‘ Integralrechnung in dem geringen 
Umfange, wie sie hier verlangt werden«, nicht »einfach unmöglich ist«, sondern 
leicht möglich ist, 
Die Seekarte in Merkatorentwurf. 
Der Merkatorentwurf ist im Jahre 1513 zuerst vom Zirkelmacher Zizlaub 
in Nürnberg angewandt worden. Gerhart Kremer (gen. Merkator) aus Duisburg 
benutzte ihn 1569 zu seiner berühmten Weltkarte. Seit Ende des 18, Jahrhunderts 
wird der Entwurf auf allen Seekarten benutzt, Wie und von wem der Entwurf 
entdeckt ist, ist unbekannt. Als sicher darf angenommen werden, daß der Er- 
finder den Kartenentwurf durch ein mechanisches Verfahren gefunden hat?). 
Der Schiffsweg ist durch den Kurswinkel und die zurückgelegte Wegstrecke 
bestimmt. Der Kurswinkel ist der Winkel, den die Fahrtrichtung mit dem Me- 
ridian des Abfahrtsortes bildet. Die Wegstrecke ist die Spmme der zwischen 
Abfahrts- und Ankunftsort gemachten Fahrten. Soll der Kurswinkel schnell und 
bequem in eine Karte eingetragen werden, so muß er in natürlicher Größe mit 
geradlinien Schenkeln eingezeichnet werden, denn Umrechnungen sind zeitraubend 
und bilden eine Fehlerquelle, Werden nun alle Kurswinkel in natürlicher Größe 
in die Karte eingetragen, so muß die Karte notwendig winkeltreu sein, denn 
Winkeltreue erfordert, daß die Bilder aller Kugelkurven sich unter denselben 
Winkeln schneiden, wie die Urbilder auf der Kugel. Der Erfinder des Entwurfs 
wußte also von vornherein, daß der Entwurf winkeltreu sein würde, Er mußte 
nun noch die gutgemachte Wegstrecke auf der Kurslinie abgreifen. Rechtwink- 
lige Koordinatensysteme waren damals durch die Plattkarten des Marinus im 
Gebrauch. Die Abszissenachse war der streckentreu (längentreu) geteilte Aquator. 
Ein Polarkoordinatensystem konnte gar 
nicht in Frage kommen, da dessen Fahr- 
strahlen nicht von geraden Linien unter 
gleichen Winkeln geschnitten werden 
können, 
Wahrscheinlich ermittelte Merkator 
mittels eines zu diesem Zweck besonders 
angefertigten Winkelhakens (Fig. 2), wie 
er von Stevin beschrieben wird, in welcher 
Breite eine bestimmte, vom Äquator aus- 
laufende Loxodrome, z. B. die von 45°, 
den vom Ausgangsmeridian 10° ent- 
fernten Meridian schnitt. Er fand etwa 
ı = 9° 57. In seinem Koordinaten- 
netze stand an dieser Stelle 10° 0°. Um 
mit der Kugel in Übereinstimmung zu 
kommen, mußte er die Bezifferung ent- 
sprechend ändern. An seinem Winkel- 
haken, der den Aquatormaßstab trug 
(etwa 1’ als Einheit), las er am Ende 
der Loxodrome 844,3 Einheiten ab. Griff 
er nun diese Einheiten auf der Kurs- 
) £. Haentschel, Das Erdsphäroid und seine Abbildung. Leipzig, B. G. Teubner, 
1903, S. 127. ; . 
?, H. Wagner, Ann. d. Hydr. usw. 1915, S. 348,
	        
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