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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1919,
genommen werden, damit er seine ganze Arbeitskraft auf den Inhalt der Karte
verwenden kann. Gradnetztabellen für gnomische Karten müßten für viele
Mittelpunkte hergestellt werden. Aus diesem Grunde wird man die gnomische
Karte verwerfen, Betont werden möge immerhin, daß die gnomische Karte die
einzige Karte ist, die gestattet, Kugelwinkel in aller Strenge einzutragen.
Welcher Fehler im Schiffsort ist durch Vertauschung des Loxodromenwinkels
nit dem Kugelwinkel zu erwarten? Für die Seekarte im Merkatorentwurf liegen
Gradnetztabellen bereits gerechnet vor. Deshalb hat man versucht, die Seekarte
als Arbeitskarte zu benutzen, In der Seekarte sind bekanntlich die geraden
Linien die Bilder von Loxodromen der Kugel. Die Kartenwinkel sind daher
loxodromische Winkel. Diese Winkel weichen in der Nähe des Äquators von
len Kugelwinkeln nur um Beträge von der Ordnung der Messungsfehler ab,
können also vernachlässigt werden. Die Abweichungen sind von der geo-
graphischen Breite abhängig, sie wachsen mit zunehmender Breite und erreichen
in der Ost- und Nordsee Beträge, die nicht mehr vernachlässigt werden dürfen.
Jedenfalls ist es widersinnig, bei der Vermessung die Winkel auf 1’ genau zu
messen, wenn man bei der Eintragung in die Karte Fehler von mehr als 10’
von vornherein als zulässig erklären will. Anders liegt die Sache für den, der
die Seekarte gebrauchen muß. Der Schiffsführer muß mit solchen Fehlern
rechnen, da ihm keine Mittel zu Gebote stehen sie zu vermeiden, »Er vertraut«,
wie das Handbuch für Küstenvermessungen (S. 284) sagt, »fest auf seine See-
karte, ist sie ihm doch ein amtliches Dokument. Fehler in dieser Karte können
schwere Katastrophen im Gefolge haben. Das sollte stets bei der Herstellung der
Arbeitskarte, der Unterlage für die Seekarte, berücksichtigt werden«, In Wider-
spruch damit führt der Verfasser (S. 289) aus, daß andere Karten genauere Er-
gebnisse lieferten als die Merkatorkarte, die Fehler wären bei dieser Projektion
indes so gering, daß sie für die Praxis nicht in Betracht kämen; mit demselben
Fehler müßte auch der Seefahrer rechnen. Richtig hätte der Verfasser schließen
müssen: Da der Seefahrer solche Fehler nicht vermeiden kann, so müssen die
Seekarten so naturgetreu als möglich sein; denn liegen in der Karte die Untiefen
falsch, wie soll man sie meiden? Man setzt den Kurs ab, der von der Untiefe
[rei führt, und läßt zur Sicherheit noch einen Spielraum, Dadurch, daß die Un-
tiefe falsch eingetragen ist, wird das Schiff vielleicht, trotz Sicherungskurses,
unmittelbar auf die Klippe geführt werden.
Um einen Überblick über den Einfluß der Winkelfehler zu gewinnen,
möge ein einfaches Beispiel gewählt werden. Sei Fig. 1 OP der Meridian und
BOB’ der Breitenparallel durch O0. Das Peilboot befinde sich auf OP und peile
die Punkte C, €’ und D,D’ auf BOB’ an. Ist
A, ein Punkt des Großkreises CC’ und A,
ain Punkt des Großkreises DD, so wird
man in A, und in A, die Strecken OC’ und
OD’ unter einem rechten Winkel peilen.
Trägt man den rechten Winkel in die See-
karte ein, So erhält man statt A, und A,
den Ort O. Wie ersichtlich, sind die Fehler
OA, und OA, von der Länge des Bogens
A,‚C und A,D’ abhängig. Da die Breitenparallele mit wachsender Breite immer
mehr von einem Großkreise abweichen, so müssen auch OA, und OA, mit der
Breite wachsen. Die folgende Tabelle liefert die Werte OA,, d. bh. die Fehler im
Orte in Metern, mit den Eingängen w@ und a = Strecke des Peilstrahls in Sm:
209
40°
30°
ıf1
mM
25 98 |
57 | 227 |
117 469 |
){}
25
m
222 394 61.5
51.1 90.8 1,9 |
105.4 | 1874 292.9
m
30 Sm
iM
85.6
204.3
421.7