Ann. d, Hydr. usw., XXXXVII. Jahrg. (1919), Heft IIL/IV.
weichem Entwurf ist eine Arbeitskarte für Küstenvermessungen
herzustellen? a
Von Dr. A. Wedemeyer. .
Die Arbeitskarte soll die Unterlage für die später anzufertigende Seekarte
sein und muß deshalb alle bei der Vermessung gewonnenen Ergebnisse zur
Darstellung bringen. In der Hauptsache muß sie alle für die sichere Schiffs-
führung notwendigen Landmarken und den Verlauf des Meeresbodens veran-
schaulichen. Die Landmarken werden entweder einer. Landesvermessung ent-
nommen oder durch besondere astronomische: Beobachtungen neu festgelegt.
In die Arbeitskarte werden -sie nach ihren geographischen Koordinaten (@, A)
eingetragen. Für diese Eintragung ist es gleichgültig, in.welchem Entwurf die
Arbeitskarte hergestellt worden. ist, denn man kann ‚mit derselben Bequemlich-
keit und Schnelligkeit die Koordinaten in eine .Merkatorkarte wie in eine poly-
konische Karte übertragen. .
Der Verlauf des Meeresbodens wird durch die Tiefenzahlen und die daraus
folgenden Metergrenzen dargestellt. Die. Tiefenzahlen sind das Ergebnis von
Lotungen, Den. Ort des lotenden Fahrzeugs, d.i. den. Ort, dem die gelotete
Wassertiefe entspricht, bestimmt man durch Doppelwinkelmessungen (Aufgabe
der vier Punkte, Snellius-Aufgabe). Die zu diesen Winkelmessungen benutzten
Landmarken (Leuchtfeuer, Signalstellen, Bergspitzen) sind in die Arbeitskarte
nach ihren geographischen Koordinaten eingetragen, so genau wie es der Maß-
stab der Karte zuläßt. Ihre Lage kann daher als sicher angesehen werden,
Es handelt sich nun darum, die Winkelmessungen einzutragen. Die Schenkel
der auf der Oberfläche der Erde gemessenen Winkel sind kürzeste Linien der
Kugel, d. 1. Großkreise. Die Großkreise werden in den Karten im allgemeinen
nicht als gerade Linien abgebildet, sondern als Kurven. Solche Kurven kann
der Zeichner nicht zeichnen, da ihm für den Verlauf die nötigen Unterlagen
fehlen, Selbst wenn er sie zeichnen könnte, würde dies Verfahren nicht gewählt
werden dürfen, da es unendlich viel Zeit und Mühe kostet, die man anstatt auf
die Zeichnung besser auf die Vermessung anwenden wird, Man ist gezwungen,
die Kurven durch gerade Linien zu‘ ersetzen; man zeichnet also. Kartenwinkel
mit geraden Schenkeln anstatt der Kugelwinkel. Diese Kartenwinkel sind offenbar
nicht gleich den Kugelwinkeln, vor allem führen ihre Schenkel nach anderen
Örtern, als die: Schenkel der Kugelwinkel. Die Kartenwinkel sind verzerrt,
Die Aufgabe besteht nun darin, denjenigen Kartenentwurf ausfindig zu machen,
bei dem‘ die Winkelverzerrungen den geringsten Einfluß ausüben oder wenigstens
hinter den Messungsfehlern der Winkel zurückstehen, so daß sie vernachlässigt
werden können. ‘>
Vorteile und Nachteile der gnomischen Karte. Die gnomonische (gnomische)
Karte bildet alle Großkreise als gerade Linien ab. .Die Schenkel der Karten-
winkel entsprechen daher: in aller Strenge den Großkreisen. Aus diesem Grunde
würde solchen Karten der Vorzug zu geben sein. Die Winkelzerrungen sind
leicht zu berechnen, da sie nur vom Abstand des Winkelscheitels von der Karten-
mitte abhängen. Sie könnten leicht in kleinen Tabellen mit einmaligem Eingang
zusammengestellt werden. Wie später gezeigt werden wird, sind die Beträge der
Winkelzerrungen nicht so klein, daß sie stets vernachlässigt werden könnten. Man
ist also gezwungen, an den gemessenen Winkel eine Ergänzung anzubringen,
was bei der Unzahl der Messungen nicht nur eine starke Arbeitslast bedeuten,
sondern auch zu mancherlei Fehlern Veranlassung geben würde. Die gnomische
Karte hat einen Kartenmittelpunkt; jede Arbeitskarte müßte daher einen be-
sonderen Mittelpunkt haben. Das Gradnetz ist von diesem Mittelpunkte abhängig.
Für den Kartenzeichner ist die Entnahme der Bestimmungsstücke des Gradnetzes
aus Tabellen wünschenswert, wenn auch nicht notwendig. Jedenfalls würde die
Berechnung des Netzes eine Belastung des Zeichners bedeuten, und in der Praxis
muß dem Zeichner jede Arbeit, die er nicht unbedingt selbst machen muß, ab-
Ann. d. Hrdr. usw. 1919. Heft ILAITV.