Kleinere Mitteilungen.
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Kleinere Mitteilungen.
Kleintromben auf See. Neben den großen, zerstörenden Luftwirbeln,
welche als „Wind“- oder „Wasserhosen“ im Gefolge eines Gewitters aufzutreten
pflegen, gibt es noch harmlose Abarten mit geringerer Rotationsgeschwindigkeit
und meist auch von viel geringeren Dimensionen, welche am Lande nicht durch
Kondensation einer Wolkensäule, sondern nur durch säulenartig aufgewirbelten
Staub sichtbar werden... In meinem Buch „Wind- und Wasserhosen in Europa“l)
habe ich sie zum Unterschied von jenen als „Kleintromben“ bezeichnet. Auch
ihre Entstehung scheint eine andere zu sein. Denn während ‘sich. die Gewitter-
trombe wohl in der Höhe bildet und erst durch Verlängerung zur Erde herab-
wächst, scheinen sich die Kleintromben durch Aufstrudeln überhitzter Bodenluft
zu bilden, Ob nicht. für beide außerdem eine bestimmte Windschichtung die
Voraussetzung bildet, muß wohl noch dahingestellt bleiben.
Solche kleineren Wirbel. sind bisher meist nur vom Lande beschrieben,
wo sie namentlich in Wüsten und Steppen eine bekannte Erscheinung bilden.
Deshalb dürften die folgenden Berichte von Interesse sein, nach denen sie auf
See beobachtet wurden. Die Überhitzung der aufstrudelnden Luft kann hier
nicht wie dort auf Sonnenstrahlung zurückgeführt werden, sondern nur auf eine
durch Witterung oder Jahreszeit herbeigeführte Abkühlung der Luft, welcher das
Wasser noch nicht gefolgt ist. Hierdurch bildet sich in der untersten Luftschicht
eine unstabile Schichtung aus — warm unten, kalt oben —, welche ja auch die
häufigen Luftspiegelungen nach unten verursacht. Es ist deshalb nicht ohne
Interesse, daß der erste der folgenden Berichte gerade aus der kalten Jahres-
zeit, und zwar aus einer Kälteperiode, stammt.
Herr Beicht, Ober-Vermessungssteuermann a, D, gibt folgende, etwa 1916
niedergeschriebene Schilderung der am 20. Dezember (das Datum ist etwas un-
sicher) 1890 auf der Fahrt von Cuxhaven nach Helgoland beobachteten Tromben:
„Ich mußte in Cuxhaven drei Tage warten, ehe der Dampfer den Hafen ver-
lassen konnte, da derselbe durch eine sehr früh einsetzende, starke Frostperiode
zugefroren war. Auf der Fahrt -von Elbe-Feuerschiff I nach Helgoland beob-
achtete ich gegen Mittag, bei leichtem, südöstlichem Winde und sehr ruhiger
See, zahllose Tromben in allen Himmelsrichtungen. Sie entstanden sehr rasch
und brachen oft schon bei kaum ausgebildetem Fuße in sich‘ zusammen, während
auch viele eine größere Höhe über. der Oberfläche der See erreichten. Nur
ganz wenige dürften, nach meiner Erinnerung, mit dem aus der Wolke ragenden
Teile der Trombe Verbindung gehabt haben, wie überhaupt das ganze Phänomen
sich mehr auf der Meeresoberfläche als in den Wolken abzuspielen schien
(d. h. es waren weniger Wolkenzapfen zu sehen, und diese waren schwächer aus-
gebildet), Das Auge konnte den einzelnen Gebilden kaum so schnell folgen, als
sie wieder verschwanden und neue auftauchten. Stets war eine ganze Anzahl
solcher Tromben in allen Richtungen gleichzeitig zu sehen, die nächsten in kaum
200 m Abstand vom Schiff, Starke Bildungen konnte ich nicht beobachten. Die
ganze Dauer der Erscheinungen dürfte sich auf etwa 10 Minuten beschränken.
Der damals schon recht bejahrte Führer des Dampfers, Kapt. Nommels, hatte
fast sein ganzes Leben auf der Nordsee zugebracht, meist auf Fahrten in der
Deutschen Bucht; niemals war ihm aber eine derartige Erscheinung zu Gesicht
gekommen.“ Herr Beicht fügt noch hinzu, er. habe bei seiner späteren lang-
jährigen Tätigkeit im Vermessungsdienst in der Nordsee niemals wieder eine
Trombe gesehen.
Überraschend ähnlich lautet ein Bericht, den Peltier in seinem merk-
würdigen Trombenbuch „Mät&orologie. Observations et recherches experimentales
sur les causes qui concourent ä la formation des trombes“ (Paris 1840) auf
S. 133 bis 134 in folgender Weise wiedergibt (ins Deutsche übertragen):
„Um das Vorkommen von Tromben unter einem wolkenlosen Himmel zır
beweisen, wollen wir die Beobachtung des Herrn Page anführen (Echo du monde
ly Braunschweig 1917.