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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

Kleinere Mitteilungen. 
BT 
Kleinere Mitteilungen. 
Kleintromben auf See. Neben den großen, zerstörenden Luftwirbeln, 
welche als „Wind“- oder „Wasserhosen“ im Gefolge eines Gewitters aufzutreten 
pflegen, gibt es noch harmlose Abarten mit geringerer Rotationsgeschwindigkeit 
und meist auch von viel geringeren Dimensionen, welche am Lande nicht durch 
Kondensation einer Wolkensäule, sondern nur durch säulenartig aufgewirbelten 
Staub sichtbar werden... In meinem Buch „Wind- und Wasserhosen in Europa“l) 
habe ich sie zum Unterschied von jenen als „Kleintromben“ bezeichnet. Auch 
ihre Entstehung scheint eine andere zu sein. Denn während ‘sich. die Gewitter- 
trombe wohl in der Höhe bildet und erst durch Verlängerung zur Erde herab- 
wächst, scheinen sich die Kleintromben durch Aufstrudeln überhitzter Bodenluft 
zu bilden, Ob nicht. für beide außerdem eine bestimmte Windschichtung die 
Voraussetzung bildet, muß wohl noch dahingestellt bleiben. 
Solche kleineren Wirbel. sind bisher meist nur vom Lande beschrieben, 
wo sie namentlich in Wüsten und Steppen eine bekannte Erscheinung bilden. 
Deshalb dürften die folgenden Berichte von Interesse sein, nach denen sie auf 
See beobachtet wurden. Die Überhitzung der aufstrudelnden Luft kann hier 
nicht wie dort auf Sonnenstrahlung zurückgeführt werden, sondern nur auf eine 
durch Witterung oder Jahreszeit herbeigeführte Abkühlung der Luft, welcher das 
Wasser noch nicht gefolgt ist. Hierdurch bildet sich in der untersten Luftschicht 
eine unstabile Schichtung aus — warm unten, kalt oben —, welche ja auch die 
häufigen Luftspiegelungen nach unten verursacht. Es ist deshalb nicht ohne 
Interesse, daß der erste der folgenden Berichte gerade aus der kalten Jahres- 
zeit, und zwar aus einer Kälteperiode, stammt. 
Herr Beicht, Ober-Vermessungssteuermann a, D, gibt folgende, etwa 1916 
niedergeschriebene Schilderung der am 20. Dezember (das Datum ist etwas un- 
sicher) 1890 auf der Fahrt von Cuxhaven nach Helgoland beobachteten Tromben: 
„Ich mußte in Cuxhaven drei Tage warten, ehe der Dampfer den Hafen ver- 
lassen konnte, da derselbe durch eine sehr früh einsetzende, starke Frostperiode 
zugefroren war. Auf der Fahrt -von Elbe-Feuerschiff I nach Helgoland beob- 
achtete ich gegen Mittag, bei leichtem, südöstlichem Winde und sehr ruhiger 
See, zahllose Tromben in allen Himmelsrichtungen. Sie entstanden sehr rasch 
und brachen oft schon bei kaum ausgebildetem Fuße in sich‘ zusammen, während 
auch viele eine größere Höhe über. der Oberfläche der See erreichten. Nur 
ganz wenige dürften, nach meiner Erinnerung, mit dem aus der Wolke ragenden 
Teile der Trombe Verbindung gehabt haben, wie überhaupt das ganze Phänomen 
sich mehr auf der Meeresoberfläche als in den Wolken abzuspielen schien 
(d. h. es waren weniger Wolkenzapfen zu sehen, und diese waren schwächer aus- 
gebildet), Das Auge konnte den einzelnen Gebilden kaum so schnell folgen, als 
sie wieder verschwanden und neue auftauchten. Stets war eine ganze Anzahl 
solcher Tromben in allen Richtungen gleichzeitig zu sehen, die nächsten in kaum 
200 m Abstand vom Schiff, Starke Bildungen konnte ich nicht beobachten. Die 
ganze Dauer der Erscheinungen dürfte sich auf etwa 10 Minuten beschränken. 
Der damals schon recht bejahrte Führer des Dampfers, Kapt. Nommels, hatte 
fast sein ganzes Leben auf der Nordsee zugebracht, meist auf Fahrten in der 
Deutschen Bucht; niemals war ihm aber eine derartige Erscheinung zu Gesicht 
gekommen.“ Herr Beicht fügt noch hinzu, er. habe bei seiner späteren lang- 
jährigen Tätigkeit im Vermessungsdienst in der Nordsee niemals wieder eine 
Trombe gesehen. 
Überraschend ähnlich lautet ein Bericht, den Peltier in seinem merk- 
würdigen Trombenbuch „Mät&orologie. Observations et recherches experimentales 
sur les causes qui concourent ä la formation des trombes“ (Paris 1840) auf 
S. 133 bis 134 in folgender Weise wiedergibt (ins Deutsche übertragen): 
„Um das Vorkommen von Tromben unter einem wolkenlosen Himmel zır 
beweisen, wollen wir die Beobachtung des Herrn Page anführen (Echo du monde 
ly Braunschweig 1917.
	        
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