280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1919.
Punkte, sondern in allen Punkten eines Meridians besitzt. Sind die Hammersche
und die Craigsche Karte gegenazimutal, so ist es die Littrowsche erst recht.
Selbstverständlich wird man in der Gebrauchsanweisung für die Litt-
rowsche Karte als Azimutdiagramm sagen, welcher der beiden Schnittwinkel der
gesuchte Winkel ist. Die Annahme von Herrn W, aber, daß ein Mißverständnis
daher entstanden sein könne, daß man das Azimut in einem Aufsatz nautisch,
in einem anderen astronomisch gerechnet habe, trifft durchaus nicht zu. Man
muß natürlich nur sagen, welche Auffassung gemeint ist. Welche aber auch
gilt, immer liegt der Azimutwinkel am Seitenmeridian genau ebenso wie der ihm
gleiche Azimutgleichen-Winkel am Mittelmeridian, entweder beide östlich oder
beide westlich vom zugehörigen Meridian, und entweder beide von der Nord-
richtung oder beide von der Südrichtung des Meridians aus gemessen; dabei kann
für den hier gekennzeichneten Azimutgleichen-Winkel natürlich auch sein Scheitel-
winkel eintreten,
Herr W, hat zwischen meinen beiden Definitionen der Gegenazimutalität
von 1919 und 1911 einen wesentlichen Unterschied festzustellen versucht. Ein
solcher besteht in keinem für die Sache wesentlichen Punkt. Beide Definitionen
sind nur verschiedene Ausdrucksformen für dieselbe Sache, Insbesondere gibt
meine Fassung von 1911, wonach „das Bild der Azimutgleiche mit dem Mittel-
meridian einen Winkel (sic) bilden soll, der dem betreffenden Azimut gleich
ist“, durchaus keinen Anlaß, diesen Schnittwinkel gerade in jener Lage aufzu-
suchen, die Herr W. wünscht und die, wie oben gezeigt, in keiner Karte möglich
ist. Die Littrowsche Karte erfüllt ganz ebenso meine Definition der Gegen-
azimutalität von 1911 wie die von 1919, als auch die mit beiden sinngleiche
ursprüngliche von Hammer,
Zur Erläuterung der sonderbaren Behauptung, nach meiner Definition der
Gegenazimutalität sei die stereographische Karte gegenazimutal, zieht
Herr W. das Teegesche Azimutdiagramm (Ann, d. Hydr, 1918, S. 146) heran,
dessen Meßverfahren in einem stereographischen Netz mit Südpol als Karten-
mitte ähnlich dem Meßverfahren im Weirschen Diagramm auf Littrowschem
Netz sei. Beide Verfahren haben miteinander nur das gemein, daß der Azimut-
winkel in der Karte nicht da abgelesen wird, wo er selbst liegt, also zwischen
Ortsmeridian und Großkreis Ort—Stern, sondern in beiden Diagrammen als ein
Schnittwinkel zwischen zwei geradlinig sich abbildenden Linien, die sich im Stern
schneiden. Diese zwei Linien sind aber im Weirschen Diagramm die Bilder des
Sternmeridians und der Azimutgleiche, im Teegeschen Diagramm dagegen die
Bilder zweier Kugelkreise durch Nordpol und Stern, von denen der eine durchs
Zenit, der andere durchs Nadir des Ortes geht. Das Teegesche Verfahren hat
also zu Gegenazimutalität und Azimutgleichen durchaus keinerlei Beziehung, und
wie man aus ihm den irrigen Schluß ziehen kann, nach meiner Definition der
Gegenazimutalität sei die stereographische Karte gegenazimutal, bleibt unbegreiflich.
Die Frage der Winkeltreue in den zwei Sonderpunkten der Littrowschen
Karte habe ich in allgemeinerem Zusammenhang in den Ann. d. Hydr. 1919,
S. 212, behandelt,
Berlin, September 1919.
H. Maurer.
Der Abschnitt B meiner Erwiderung (S. 185) stützt sich auf Abschnitt B
der Arbeit Maurers (S. 16), kann mithin nur „gegenazimutal“ nach der alten
Erklärung annehmen. Ich hatte diese Annahme als selbstverständlich voraus-
gesetzt. Daß die Littrowsche Karte nach der neuen Erklärung „gegenazimutal“ ist,
habe ich deutlich gesagt durch die Worte: „Beide Bedingungen der Maurerschen
Erklärung von 1919 erfüllt die Littrowsche Karte.“ Gegenazimutale Karten sind
daher möglich. Unter dem Schnittwinkel einer Geraden mit der X-Achse eines
Koordinatensystems verstehen alle Lehrbücher den Schnittwinkel mit der positiven
Seite der X-Achse; sollte ein anderer Winkel darunter verstanden werden, So
mußte Herr Maurer dies in der Erklärung angeben,
Schlachtensee, Oktober 1919.
A. Wedemeryer.