accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

Bemerkungen zum Aufsatz von A. Wedemeyer: „Das winkeltreue gegenazimutale Kartennetz usw.“ 279 
oder unter seinem Nebenwinkel. Nun schneiden sich ja selbstverständlich zwei 
Linien, die einen Winkel miteinander bilden, immer zugleich‘ auch unter seinem 
Nebenwinkel, und es fragt sich, warum Herr W., der 1918 noch anerkannte, daß 
in Littrows Karte die Azimutgleichen den Mittelmeridian unter. Wihkeln, gleich 
dem Azimut, schneiden, num (1919) diese Winkel nicht mehr als Schnittwinkel 
gelten lassen will, sondern allein ihre Nebenwinkel als Schnittwinkel anerkennt, 
Herr W. kapriziert sich auf folgendes (siehe Figur): 
Während auf der Kugel dem östlich vom Seitenmeridian 
liegenden Azimutwinkel 8 = PBG der ebenfalls östlich vom 
Mittelmeridian liegende Azimutgleichenwinkel PSA,. (oder auch 
sein Scheitelwinkel ASB,) gleich ist, verlangt Herr W. von 
einer gegenazimutalen Karte, daß in ihr der westlich vom 
Mittelmeridian liegende Azimutgleichenwinkel PSA, der auf der 
Kugel (180°—ß) ist, = ß werden solle, Diese bizarre For- 
derung ist in Littrows Karte allerdings nicht erfüllt, aber 
genau ebensowenig in der Craigschen Karte, nach der Herr 
v. Hammer die Gegenazimutalität definiert hat, und ebenso- 
wenig in Hammers mittabstandstreuer gegenazimutaler Karte, 
Das hat einen sehr einfachen Grund: Diese unnatürliche For- 
derung ist eben überhaupt unerfüllbar. Man erkennt das sofort, 
wenn man (siehe Figur) den Meridian PB dem Meridian PS immer näher rücken 
läßt. Fällt er. im Grenzfall auf den Meridian PS und der Punkt B in den Punkt 
Bi, so ist es jä selbstverständlich, daß in keiner Karte dem gleich Null ge- 
wordenen Winkel PB,S gleichgemacht werden kann der Winkel PSB,, in den 
PSA übergeht, und der gleich 180° sein muß. Null werden muß und kann hier 
nur der Winkel PSP, in welchen PSA, bzw. sein Scheitelwinkel, in den der 
Winkel ASB, überging. Auch in Herrn W.’s Fig, 3 auf S. 184, Ann. d. Hydr. 1919, 
besteht kein Zweifel, daß die Azimutgleiche 170° mit.dem Schenkel SO des Stern- 
meridians den Schnittwinkel 170° bildet, ganz ebensogut wie mit dem Schenkel 
SN den Winkel 10°. Dafür, daß als Meridianschenkel dieses Schnittwinkels statt 
SO der Meridianbogen SN genommen werden müsse, liegt nach keiner meiner 
Definitionen der gegenazimutalen Abbildungen der geringste Anlaß vor. Um ein 
vom Nordschenkel des Sternmeridians aus zu messendes Azimut handelt es 
sich ja überhaupt nicht, sondern um einen Schnittwinkel, dessen einer Schenkel 
nicht einmal ein Großkreis (wie es doch bei jedem Azimut der Fall wäre), sondern 
eine Azimutgleiche ist, Hierin dürfte überhaupt die Wurzel der ganzen Ver- 
wirrung liegen: Da im Azimutdiagramm statt des am Ortsmeridian liegenden 
Azimutwinkels- irgendein anderer Winkel von gleicher Größe gemessen wird, 
glaubt Herr W. fordern zu müssen, daß auch dieser andere Winkel im Karten- 
netz wie ein Azimut orientiert liegen müsse, Dazu besteht nicht der geringste 
Anlaß. Im Weirschen Diagramm hat der Ablesewinkel zu einem Schenkel eine 
Azimutgleiche, und im Teegeschen Diagramm sind im allgemeinen beide Schenkel 
keine Kugelgroßkreise und braucht keiner von ihnen Meridianrichtung zu haben. 
Gegenazimutale Karten, wie sie Herr W. wünscht, kann es also unmöglich 
geben, und wenn er Littrows Karte.nicht gegenazimutal nennt, weil in ihr nach 
seiner Auffassung die Azimutgleichen den Mittelmeridian nicht unterm Azimut- 
winkel, sondern unter seinem Supplement schnitten, so müßte er aus demselben 
Grunde auch jede andere bisher gegenazimutal genannte Karte als nicht gegen- 
azimutal bezeichnen. Denn bei allen liegen diese Verhältnisse genau wie bei der 
Littrowschen. Diese unterscheidet sich von den anderen eben nur dadurch, 
daß sie die Eigenschaft, die die Gegenazimutalität kennzeichnet, nicht nur in einem 
„ 
Azimutdiagramm in Littrows Projektion (Ann. d. Hydr. 1905, 8. 129): „Eine solche Gerade ver- 
bindet alle Orte (g, A), von denen aus gleichzeitig ein Stern von der Deklination 6 im selben Azimut A 
gesehen wird. — Die Gleichung der einer solchen Geraden entsprechenden Kurve auf der Kugel, aus- 
yedrückt in den Variabeln: g = Breite und A = Längenunterschied vom Mittelmeridian, ist: 
cot A == sin gp-cot A — cos g-cosec Ä-tg d, wenn wir darin A und ö als Konstanten auffassen.‘ 
Daß die Kurve aller Örter, die einen Stern gleichzeitig im selben Azimut haben, auch schon früher 
yelegentlich erwähnt worden sein mag, halte ich für sehr möglich,
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.