278 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1919.
auch nur ohne Breitenbeständigkeit der Kompensation. Das Einstellungsbestreben
der Rose wird nicht für alle Kurse gleichgemacht, die »Richtkräfte« auf den ver-
schiedenen Kursen werden nur gegeneinander ausgetauscht, so daß auch ihr
Mittelwert nicht erhöht wird. Beim Gebrauch eines Deflektors zur Kompaß-
regulierung ist jeder ganz oder teilweise durch Nadelinduktion wirkende D-
Korrektor zu entfernen, seine Anwesenheit würde die Messung der Feldstärke
oder Richtkraft, unter der die Rose jeweils steht, gänzlich stören, Allerdings
kann man aus den ohne Korrektor gemachten Deflektorbeobachtungen D be-
rechnen, um den Korrektor dann auf diesen Wert nach vorher aufgestellter
Tabelle oder geteilter Skale einzustellen. Immerhin hat man die mit einer nach-
träglichen Anbringung einer Weicheisenmasse verknüpften Unsicherheiten in den
Kauf zu nehmen,
Der große Vorzug der durch Nadelinduktion wirkenden D-Korrektoren
besteht darin, daß man durch kleine am Kompaßkessel selbst anzubringende
Weicheisenstücke fast beliebig hohe Beträge der quadrantalen Deviation auf-
heben kann.
Mit Recht hat daher der durch Nadelinduktion wirkende Korrektor vor-
nehmlich auf dem wesentlich auf derselben Breite bleibenden Kriegsfahrzeug mit
seinen hohen Beträgen des ®% und seinen oft sehr beschränkten Raumverhält-
nissen sein Anwendungsgebiet gefunden, während der durch Feldinduktion
wirkende vollkommenere Korrektor auf den in großer Fahrt beschäftigten
Handelsschiffen seinen Platz behauptet hat,
Bemerkungen zum Aufsatz von A. Wedemeyer: „Das winkeltreue gegen-
azimutale Kartennetz nach Littrow“.
Der genannte Aufsatz (Ann. d. Hydr. 1919, S. 183) nötigt mich leider zu
einer Klarstellung der wirklichen Verhältnisse, die durch die von Herrn Wede-
meyer beliebte Form der Diskussion stark gelitten hat. Aus dem Abschnitt B
meiner Arbeit auf S. 16 stellt Herr W. den Abschnitt B seiner Arbeit auf S. 185
dadurch her, daß er an Stelle seiner eigenen Worte (Ann, d. Hydr. 1918, S. 209):
„Die Azimutgleichen schneiden den Meridian des Gestirns unter einem Winkel,
der gleich dem Azimut ist“, worauf ich meine Schlüsse gründen konnte, nun-
mehr selbst den Satz stellt: „In Littrows Kartennetz schneiden die Azimut-
gleichen den Mittelmeridian unter einem Winkel, der gleich dem Supplement
des Azimuts ist“. Dann gibt er unter wörtlicher Wiederholung meiner Rede-
weise deren Gegenteil als Folgerung an, indem er „nicht gegenazimutal“ statt
„gegenazimutal“, „ausschließt“ statt „begründet“ und „gewinnen“ statt „verlieren“
einsetzt.
Es ist dabei aus seinem Aufsatz nicht zu ersehen, ob Herr W. nun die
Littrowsche Karte für gegenazimutal hält oder nicht. Nach der Überschrift ist
sie es, nach der Vorbemerkung aber nicht. Im Abschnitt A dagegen wird meine
Definition der gegenazimutalen Karte (Ann. d. Hydr. 1919, S. 15) auf S. 183 als
zutreffend anerkannt und auf S. 184 unten gesagt: „Beide Bedingungen der
Maurerschen Erklärung von 1919 erfüllt die Littrowsche Karte“. Danach
wäre sie also auch nach Herrn W.’s Ansicht doch gegenazimutal. Im Abschnitt B
steht aber wiederum in Sperrdruck;: „Die Littrowsche Karte ist also nicht
gegenazimutal“,
Die Frage spitzt sich nach Herrn W.’s Darstellung darauf zu, ob sich
Mittelmeridian und Azimutgleiche!) unter einem bestimmten Winkel schneiden
1) Das Wort „Azimutgleichen“, das die Herren Kohlschütter und Wedemeyer
privatim schon 1909 benutzt haben mögen, vermag ich in der Literatur tatsächlich nicht vor August
1910 aufzufinden, wo es Herr Wedemeyer in seiner grundlegenden Arbeit über diese Kurven (Ann,
d. Hydr. 1910, S. 417) verwendet; auch in dem an Marcuses Ortsbestimmung im Ballon an-
schließenden Aufsatz von Herrn Kohlschütter (Ann, d. Hydr, 1909, S. 441) kommt es noch nicht
vor. Der Begriff der Azimutgleiche ist älter; er findet sich z, B. in meinem Aufsatz über das