Koschitzky, v.: Eine Anregung zu vereinfachter Navigierung im Taifun des fernen Ostens, 945
nach die weitaus wichtigste Entscheidung, nämlich die Kurswahl, getroffen werden
kann. — Dann tritt das Barozyklonometer in Funktion — aber reuig nimmt gar
mancher seine Zuflucht zu den alten, kurzen Seglerregeln, und zwar ganz
einfach, weil er mit dem »Spezialinstrument« nicht fertig wird.
Das in Ostasien eingeführte »Spezialinstrument« ist das, sinnreiche
»Barozyklonometer« des Paters Algu&g, auf das ich nachher noch zu sprechen
kommen werde, Es stellt einen ersten geistreichen Versuch dar, die Zyklone
zu schematisieren und nach bestimmten, knappen Regeln verständlich zu machen.
Leider jedoch erfreut es sich nicht der Beliebtheit im Gebrauch, die man ihm
eigentlich gönnen und zutrauen möchte, vielmehr habe ich aus den Kreisen der
Navigateure in Ostasien überwiegend ablehnende Urteile gehört, die sich- durch-
gehends auf die Kompliziertheit des an sich so selten zur Verwendung kommen-
den Instrumentes stützten. Bei ‚den Küstenfahrern trifft: man naturgemäß auf
ganz genaue Kenntnisse über das Wehen der Taifune und sonstigen Luftbewe-
gungen, wie man sie bei den »Passanten« jener Meeresteile füglich kaum erwarten
darf, Diese sind vielmehr auf die Lektüre von Spezialwerken (Bergholz), Segel-
handbüchern und. ihnen gerade bekannten oder in die Hände fallenden Zu-
sammenstellungen kurzer Spezialregeln angewiesen und beschränkt.
Das Bergholzsche Werk!) ist bei aller Klarheit und Vollkommenheit für
den Tagesgebrauch zu reichhaltig im Stoff, während die handlicher aufgemachten
Regeln sich noch nicht in einer allgemein üblichen Form eingebürgert haben,
Größtenteils jedenfalls verlangt die Methode ein völliges Neuhineindenken in
eine fremdartige Materie für den bestimmten Gebrauchsfall, Immer hat der
Navigateur ein »zuviel« an guten Ratschlägen vor sich, aus denen sich schwer
das wirkliche Notwendige herausschälen läßt, .
Für die Praxis ist aber: Ein Instrument aus der Alltagsumgebung
erstrebenswert, das das ganze Wesen der Zyklone (Bahnrichtung, ungefähre
Entfernung, Gefährlichkeitsgrad) selbsttätig mit hinreichender Genauigkeit vor
Augen führt und aufzeichnet, mit knappen Schlagworten für den Brücken-
gebrauch, — also eine Verringerung der Instrumentenzahl und damit der Spezial-
kenntnisse des Personals.
Auf Grund meiner Versuche auf der ostasiatischen Station und des
darüber gepflogenen Gedankenaustausches mit dortigen Spezialisten glaube ich
diesen Anforderungen am besten mit einem Barozyklonographen an Stelle des
Barozyklonometers nachkommen zu können. Wie ich nachher ausführen werde,
wirft derselbe unter Verzicht auf allzugroße Zahlengenauigkeiten manche Kom-
pliziertheiten der jetzigen Methode über Bord und beantwortet leicht und recht-
zeitig die fast allein wichtige Frage: »Welcher Kurs führt frei!«
Daß nebenher das Studium der Speziallektüre zur Pflicht jedes Navigateurs
gehört, soll hiermit ebensowenig geleugnet werden, wie diese Zeilen irgend-
welchen Anspruch auf streng wissenschaftlichen Wert erheben. Ihr Zweck ist
vielmehr ein anregender für das Herausschälen des Nötigsten aus dem Nötigen
für die Praxis. _
Kurzer Überblick über die bisherige Methode.
Das Pater Algu&sche Barozyklonometer ist kurz gesagt ein Aneroid-
barometer mit beweglicher Wetterskala, auf der ein roter Pfeil die Null-Abszisse
für normal-mittleren Barometerstand bezeichnet. Rechts von ihm liegen die
Rubriken »veränderlich« und »schön Wetter«,. links die Schlechtwetterrubriken
mit den dazugehörigen mittleren Taifunangaben. 6
Zone A = Taifun etwa 120—500 Sm entfernt.
B = « « 60—120 « «
C = « «' 10— 60 « «
D = & « 0— 10 « &
') Bergholz, Die Orkane des fernen Ostens, Bremen 1909, Max Nossler. Diesem Buch
liegt die Schrift von Pater Jose Algu&: Baguios o eiclones filipinos, Manila 1897 zugrunde, das in
EEE revidierter Ausgabe 1904 unter dem Titel „The cyclones for east“ vom gleichen Verfasser
erschienen ist.