244 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1919.
Die Schiffahrt für Seedampfer ist durch Eis nirgends unterbrochen ge-
wesen; die Binnenschiffahrt dagegen ist stellenweise drei Wochen lang ge-
schlossen gewesen, am längsten, nämlich vom 30. I. bis 28. IL, zu Urk. (Nähere
Angaben vgl. Overzicht der Yswarnemingen langs de Noordzee en Zuiderzeeküsten
en mondingen der groote rivieren 1918/19, door P. H. Gall6.)
IV. Von norwegischen Gewässern
liegen wenig Meldungen vor. Von Stavanger vom 19, XII, daß eine dünne Eis-
decke den Bootverkehr teilweise sperre, von Fredrikstadt und von Porsgrund
vom 5. IL, daß Rinnen offen gehalten würden. Am 3. III. wurde noch einmal
von Fredrikstadt gemeldet, das Eis sei durch einen orkanartigen Südsturm ge-
brochen, aus dem Westerelf getrieben, triebe aber noch in großen Massen im Fjord.
V. Island und Spitzbergen.
Am 27, IV. wurden von Siglufjord vereinzelte, von Raufarshöfn mächtige,
zusammenhängende Eismassen gemeldet, Am 12, VII. hinderten nach einer
Meldung von Siglufjord bedeutende Eismassen vor Kap Nord die Durchfahrt
großer Schiffe,
Von Spitzbergen wurde gemeldet am 16. IV.: Schweres Eis beim Grünen
Hafen, dünnes Eis im Isefjord.
VI. Weißes Meer.
Die einzige Meldung von dort besagte, das Eis der Düna sei am 5. V.
durch Eisbrecher gebrochen und die Schiffahrt nach Archangel — womit aber
offenbar nur die Flußschiffahrt gemeint war —- könne als eröffnet gelten.
VII. Schwarzes Meer.
Meldungen.
Keine
Eine Anregung zu vereinfachter Navigierung im Taifun
des fernen Ostens.
Von Korvettenkapitän v, Koschitzky.
Selbst die feinsten Instrumente und Formeln versagen in der Praxis
wenn nicht gründliche Kenntnis und praktische Erfahrung in ihrer Handhabung
den Erfolg ihrer Handhabung gewährleisten, Gerade die Navigation kennt Fälle
genug, in denen das »Spezialinstrument« trotz eifrigen Studiums erst nach mehr-
fachem Gebrauch — mit oder ohne Mißerfolge! — ganz verstanden und dem
Navigateur geläufig wird. Schon der geringste Versager wird den in Seemanns-
kreisen verbreiteten »Hyperkonservatismus der Methode« zugunsten der »alt-
bewährten Daumenregel« ins Feld rufen.
In der Tat bis zu einem gewissen Grade mit Recht! Denn es ist besser
z. B. im Taifun nach richtig angewandten mittelmäßigen Gedächtnisregeln zu
navigieren als nach falsch verwendeten Spezialinstrumenten. Anderseits soll
aber die Praxis tätig helfen, das große Maß der von der Wissenschaft täglich
hervorgebrachten Neuerungen und Fortschritte nach Kräften für unsere Nautik
auf seine Verwendungsfähigkeit zu untersuchen und das Brauchbare für den
Navigateur handgerecht und leichtverständlich zu gestalten,
Ich glaube, daß gerade die Taifunnavigierung zu denjenigen Themen der
Navigation gehört, in denen sich noch immer kein allgemein gültiges System
praktisch durchgesetzt und eingebürgert hat, Zwar bietet die Funkentelegraphie
als Warnungsmittel eine willkommene Unterstützung der Schiffsführung. Beim
wirklichen Nahen eines Taifuns sind wir aber nach wie vor darauf angewiesen,
uns selber die relative Bahn des. Zentrums zum Schiff so festzustellen, daß da-