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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar/Februar 1919.
Unter diesen weiteren Anforderungen, die unter den verschiedenen gegen-
azimutalen Projektionsarten eine bestimmte festlegen, nennt Herr v., Hammer
im März-Heft 1909 von Peterm., Mitteilungen als erstes Beispiel die Zusatzforde-
rung: Die Meridianbilder sollen parallele Geraden in ihren Äquator-
abständen sein. Dies leistet die nach Hammers Vermutung zeitlich erste gegen-
azimutale Karte von Craig aus dem Jahre 1909, aus der für jeden Kartenpunkt
die Himmelsrichtung nach Mekka entnommen werden soll. - Sein zweites Beispiel
ist die von ihm selbst angegebene gegenazimutale Karte mit der Zusatzforde-
rung der Mittabstandstreue, in der sich neben dem geradlinigen Mittel-
meridian krummlinige Seitenmeridiane ergeben, Ich habe dann im April 1910
nachgewiesen, daß die zeitlich erste gegenazimutale Projektion nicht die Craigsche,
sondern die dem Netz des Weirschen Azimutdiagramms entsprechende in Littrows
Chorographie, Wien 1833, erwähnte Projektion ist, bei der zur Gegenazimutalität
als Zusatzforderung die Winkeltreue tritt. Der Aufsatz ist in Peterm. Mit-
teilungen 1911, S. 256, abgedruckt. Die Identität ihres Kartennetzes mit dem mir
vorher unbekannten und 1905 neu von mir abgeleiteten Azimutdiagramm von
Weir hatte ich in den Ann. d. Hydr. usw, 1905, S. 125, dargetan. ;
Allen diesen verschiedenen gegenazimutalen Projektionen ist aber die
Forderung I gemeinsam, und es wird keine weitere Forderung gestellt, die allen
gemein sein müsse. Eine Karte ist also gegenazimutal, sobald man auf ihr einen
Punkt angeben kann, dessen sämtliche Azimutgleichen in der Karte als gerade
Linien erscheinen, die sich unter den gleichen Winkeln wie ihre Urbilder auf
der Kugel schneiden.
Und hierin sind Herr‘ v. Hammer und ich völlig gleicher Ansicht. Einen
Unterschied zwischen Herrn v. Hammer und mir sucht Herr Wedemeyer in
der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1917, Nr. 2, S. 104, in
folgender Form aufzustellen:
„Für Karten, in denen das Azimut des Kartenhauptpunkts von allen Punkten
der Karte aus im Kartenhauptpunkt abgelesen wird!), hat E. Hammer die Be-
zeichnung »Gegenazimutal« geprägt. H.Maurer (Peterm. Mitt. 1914 II, S. 61)
dehnt gegenazimutal sogar auf Karten aus, in denen das Azimut irgendeines
Punktes des Mittelmeridians von allen Punkten der Karte aus am Mittelmeridian
abgelesen wird.“
Ein Gegensatz zwischen Hammer und mir bestände doch nur dann, wenn
ich als Kennzeichen jeder gegenazimutalen Karte die von Hammer nur für
den Kartenmittelpunkt verlangte Eigenschaft auch für alle anderen Punkte seines
Meridians verlangte und demgemäß die Craigsche und Hammers mittabstands-
treue gegenazimutale Karte als nicht gegenazimutal erklärt hätte, Davon war
nie die Rede. Es ergibt sich ulso: Meine Definitionen von „Gegenazimutal“ sind
mit jenen von Hammer vollkommen sinngleich.
B. Entspricht Littrows Kartennetz den Bedingungen der Gegenazimutalität?
Die vorstehenden Definitionen erfüllt Littrows Kartennetz zweifellos, und
sogar nicht nur für einen Kartenpunkt, sondern für viele, nach Herrn Wede-
meyers eigenen Worten auf S. 209: „Die Azimutgleichen schneiden den Meridian
die Forderung III als für azimutale Abbildungen notwendige Bedingung verzichtet, und Herr
v. Hammer hat ihm in Peterm. Mitteilungen 1915 I, S. 97, beigepflichtet, indem er die Forderung IT
„als genügend bezeichnend für das Wesen einer azimutalen Karte“ hinstellt. Ich beabsichtige, das
Unberechtigte dieses Vorgehens an anderer Stelle darzulegen, und möchte hier nur darauf hinweisen,
daß es im Widerspruch mit der gesamten bisherizen Literatur steht, auch mit Herrn v. Hammers
Buch: Über die geographisch wichtigsten Kartenprojektionen, Stuttgart 1889, wo die azimutalen Ab-
bildungen als der Grenzfall der konischen Abbildungen auftreten, in dem der Kegel in die Ebene
übergeht. Herr v., Hammer müßte konsequent also auch bei den konischen Abbildungen es als
nicht notwendige Forderung hinstellen, daß die Horizontalkreise eines Punktes als konzentrische
Kreislinien abgebildet werden. In seinem Buch hatte aber auch er für alle konischen Abbildungen,
einschließlich der azimutalen, ausdrücklich diese Forderung gestellt. Gerade sie war sogar bisher die
wesentlichste, an der man selbst bei den unecht konischen Abbildungen festhielt,
1) Hier fehlt der Zusatz: „Zwischen den geradlinig abgebildeten Azimutgleichen und dem
Meridian des Kartenhauptpunkts in der richtigen Winkelgröße‘*.